Analyse

Eine Fussballsaison der Superlative: Mach’s noch einmal, Kriens...

Die Analyse zur Saison 2019/20 des SC Kriens.

Turi Bucher
Drucken
Teilen

Ausgezeichnet. Grossartig. Aussergewöhnlich. Aufsehenerregend. Herausragend. Brillant. Überwältigend.

Wie bitte? Ein bisschen übertrieben, diese Attribute für einen Fussballclub, der in der Schlussabrechnung ja nur den 5. von 10 Rängen belegt? Nun, wir sprechen hier vom SC Kriens. Einem Verein, dessen Jahresbudget rund 10-mal kleiner ist als beispielsweise jenes von Lausanne-Sport oder jenes der Zürcher Grasshoppers. In Kriens fliesst kein Geld von Londoner Chemie-Riesen oder Hongkonger Investoren in die Vereinskasse. «In Kriens», betont Geschäftsleiter Bruno Galliker, «ist die Haupteinnahmequelle immer noch der Gastrobetrieb. Erwirtschaftet von Helfern, die gratis arbeiten». In Kriens frohlockt man beispielsweise auch dankbar über Rang 1 in der Fairness-Rangliste, der 50'000 Franken in die Kasse spült.

Turi Bucher

Turi Bucher

Nadia Schärli

Ja, dieser SC Kriens hat eine markante Nadel in die Landkarte der Fussball-Schweiz gesteckt. Bis kurz vor Schluss der Saison hat der SCK, wo die Fussballer tagsüber vor dem Training noch einer beruflichen Arbeit nachgehen, im Aufstiegsrennen beziehungsweise im Kampf um Rang 2 mitgeredet. Dann stand plötzlich nicht mehr genügend Personal zur Verfügung, musste Kriens abreissen lassen. Dieses Kriens ist nicht mehr das «kleine Kriens», nicht mehr der «Dorfclub»: Der SC Kriens gehört jetzt zu den 15 besten Fussballadressen der Schweiz. Es sind diese vier Säulen, welche zum fussballerischen Erfolgsjahr geführt haben:

  1. Geschäftsleitung. Die Crew um Präsident Werner Baumgartner ist zu keiner Zeit abgehoben, sondern immer realitätsnah geblieben. In dieser Etage chrampfen Menschen, die zum SCK passen, werden Entscheidungen getroffen, die zum SCK passen.
  2. Sportchef. Bruno Galliker hat vor etwas mehr als einem Jahr ein taugliches, attraktives Spielerkader formiert. Es ist nicht das erste Mal, dass Galliker via SCK ein zuvor unbeschriebenes Blatt zu einer nationalen Fussballbekanntheit macht: Stürmer Asumah Abubakar wird Kriens bei einem allfälligen Abgang Geld einbringen.
  3. Trainer. Der sportliche Ehrgeiz von Bruno Berner ist ansteckend, seine Gabe, Situationen richtig einzuschätzen, erfolgsbringend.
  4. Mannschaft. Sie ist inklusive Staff über sich hinausgewachsen, hatte in schwierigen Zeiten immer dieses eine Anliegen: Nämlich mit Leidenschaft Punkte zu sammeln.

Doch trotz der sportlichen Annäherung an die Grossclubs hat sich dieser SCK auch dieses Jahr den Charakter eines romantischen, sympathisch-familiären Fussballbetriebs bewahren können. Gerade darum – und wenn auch dieser grossartige, brillante, überwältigende Erfolg kaum wiederholbar sein wird – möchte man sagen, wünscht man sich mit Blick auf das neue Fussballjahr: Mach’s noch einmal, Kriens...

Mehr zum Thema