Kommentar

Eine Gegenoffensive des Nationalteams mit Schmackes

Die Schweizer Equipe überrascht am zweiten Camp-Tag alle. Mit einer gemeinsamen Aktion entgegnet das Team der kritischen Aussenwahrnehmung. In kompletter Mannschaftsstärke demonstriert die Nati Solidarität und setzt ein Zeichen.

Christian Brägger
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Eines muss man sagen: Das Schweizer Nationalteam weiss für Gesprächsstoff zu sorgen, negativ wie positiv. Diesmal gab kein Doppeladler, kein Behrami-Rücktritt, kein Interview zu reden. Sondern ein mannschaftsgeschlossener Konter gegen all die Unbill, die das Team in den vergangenen Monaten öffentlich ertragen musste und als ungerecht empfand – selbst verschuldet hin oder her.

Seit der Analyse der WM sprechen sie im Verband davon, das Image zu verbessern, sich der Fanbasis anzunähern und offener auf die Medien zuzugehen. Dennoch staunte man nicht schlecht, als die Türen sich öffneten und die 23 für die anstehenden Länderspiele nominierten Schweizer sowie der gesamte Betreuerstab zur Pressekonferenz in Feusisberg aufliefen. Die Medien in Unterzahl – ein ungewohntes, aber eindrückliches Bild.

Die Idee ist aus Not geboren, weil die Erklärungen Sulsers und des Präsidenten Peter Gilliéron zu den WM-Nebengeräuschen am Tag zuvor abermals ungenügend waren. Die Aufarbeitung liess sich danach nicht abschliessen und gab dem Nationalteam die Hoheit an Themen wie Identifikation und Leidenschaft nicht zurück, auch weil davor frühere Internationale («Kubi», Henchoz) zusätzlich und unnötig Öl ins Feuer gegossen hatten. Es schlich sich eine Art Ohnmacht ein, der Fussball blieb auf der Strecke, der Ruf litt.

Das Eingeständnis der Spieler, Fehler gemacht zu haben, ist ein erster Schritt zur Wiederannäherung, zur Versöhnung. Ob für die Öffentlichkeit aber der Reset-Knopf tatsächlich gedrückt werden konnte, wird erst die Zukunft zeigen, in der weiterhin das Verhalten aller auf dem Prüfstand steht. Was sollen sie? Was dürfen sie nicht? Die Themen werden nicht für alle Ewigkeit verschwinden. Und im Prinzip wissen Trainer wie Spieler, dass sie sich nur über ihre Arbeit wehren können. Dennoch: Mit dem Rücken zur Wand stehend ist fürs Erste der Befreiungsschlag dank der Charmeoffensive gelungen. Jetzt muss es wieder um Fussball gehen.