«Eine grosse Klappe in der Kabine bringt nichts ein»

Der Luzerner Fabian Lustenberger spielt seit über vier Jahren für Hertha BSC. Ein Gespräch über die deutsche Hauptstadt, Heimaturlaube, Vaterfreuden – und vor allem seine derzeitige Rolle im Klub, an dessen Wiederaufstieg er massgeblich mitwirkte.

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Ein nachdenklicher Fabian Lustenberger. (Bild: Imago)

Ein nachdenklicher Fabian Lustenberger. (Bild: Imago)

wan. Es weht ein eisiger Wind über den von Sonnenstrahlen überfluteten Schenckendorffplatz, dem Trainingsgelände des Fussball-Bundesligaklubs Hertha BSC. Wie seine Teamkollegen auch trägt Fabian Lustenberger wegen der für diese Jahreszeit typischen sibirisch anmutenden Kälte in Berlin eine dicke Strickmütze, während er die klar formulierten Anweisungen von Hertha-Coach Markus Babbel befolgt. Dem gemeinschaftlichen Spiel mit dem Ball folgen Liegestütze und andere bei Fussballern ungeliebte, die Muskelkraft stärkende Übungen. Die Spieler stehen Spalier, als Babbel ruft: «Fehler passieren, aber wichtig ist, dass man die Möglichkeit hat, sie wieder gutmachen zu können.»

Den Ball zurückzuerobern ist eine der Stärken des 23 Jahre alten defensiven Mittelfeldspielers Lustenberger. Allerdings darf er sie seit Beginn der Saison kaum zeigen. Babbel setzt in der Stammformation auf den 27 Jahre alten Peter Niemeyer und den 26-jährigen Andreas Ottl, einen früheren Bayern-Profi. Lustenberger kommt die Rolle des Einwechselspielers zu, und das, nachdem er in der letzten Saison massgeblichen Anteil am Wiederaufstieg der Berliner in die Bundesliga hatte.

Lustenberger im Zweikampf mit Andreas Ivanschitz (r.) vom FSV Mainz 05. (Bild: Keystone / EPA)
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. . . Lustenberger wechselte 2007 für 1,5 Millionen Euro vom FC Luzern in die deutsche Bundesliega. Auf dem Bild hält er die Schale, die es 2011 für den Wiederaufstieg in die Bundesliga gab. (Bild: Keystone / AP)
Die U-21-Nationalmannschaft der Schweiz mit Fabian Lustenberger (2.v.l.) wird nach dem zweiten Platz an der Europameisterschaft begrüsst. (Bild: Keystone / Steffen Schmidt)
Lustenberger spielt im defensiven Mittelfeld. (Bild: Keystone / Peter Klaunzer)
Ein Sanitäter kümmert sich um eine leichte Kopfverletzung von Lustenberger, die er sich während des Spiels von Hertha BSC gegen den FSV Mainz 05 zugezogen hat (22. Oktober 2011). (Bild: Keystone / EPA)
Zusammen mit Mannschaftskollege Admir Mehmedi. (18. Juni 2011) (Bild: Keystone / Peter Klaunzer)
Seit 2007 spielt er auch für die U-21-Nationalmannschaft der Schweiz. Hier während eines UEFA-Fotoshootings in Dänemark. (9. Juni 2011) (Bild: Keystone / Peter Klaunzer)
Abschied: Am 12. August 2007 nimmt Fabian Lustenberger von den FCL-Fans im Allmend-Stadion Abschied... (Bild: Neue LZ)
Geehrt von FCL-Präsident Walter Stierli. (Bild: Neue LZ)
Fabian Lustenberger (rechts) verabschiedet sich von Jea-Michel Touga. (Bild: Neue LZ)
Fabian Lustenberger 2007 im Dress des FCL. (Bild: Neue LZ)
Haben allen Grund zum lachen: (vl.n.r.) Christophe Lambert, Claudio Lustenberger, Fabian Lustenberger. (Bild: Neue LZ)
Fabian Lustenberger arbeitete vor seiner Fussball-Karriere im Kantonsspital. (Bild: Neue LZ)

Lustenberger im Zweikampf mit Andreas Ivanschitz (r.) vom FSV Mainz 05. (Bild: Keystone / EPA)

Das EM-Turnier und die Folgen

Nachteilig für den in Wolhusen geborenen und in Nebikon aufgewachsenen Lustenberger wirkte sich seine so erfolgreiche Teilnahme an der U-21-EM in Dänemark aus. Den gegen Spanien letztlich verlorenen Final erreichten die Schweizer, ohne einen Gegentreffer hinnehmen zu müssen. Lustenberger ragte aus einem insgesamt überzeugend aufspielenden Team heraus. Das Turnier kostete Kraft, weshalb Lustenberger, der «Lusti» genannt wird, wohlverdiente Ferien anschloss und damit einen grossen Teil der Saisonvorbereitung bei Hertha BSC verpasste. Womöglich verlor er deshalb auch seinen Stammplatz.

Aber Lustenberger glaubt, dass seine Chance in Berlin wieder kommen wird, wie er im Gespräch im gut geheizten Medienraum in der Geschäftsstelle von Hertha BSC versichert. Zuvor, bei Verlassen des Schenckendorffplatzes, hat der junge Familienvater noch zig Autogramme geschrieben. Eine Schulklasse hat den Spielern von Hertha BSC ihre Aufwartung gemacht. Er ist einer der Letzten gewesen, die den Platz in Richtung Dusche oder Interviewtermin verlassen haben. «Wenn die Teamkollegen schon weg sind, kann man sich dem schlecht entziehen», kommentiert Lustenberger seinen Einsatz als Autogrammeschreiber spitzbübisch. Seiner Beliebtheit schreibt er den Andrang nicht zu, dabei ist sie offensichtlich: «Lusti, bei mir bitte auch unterschreiben», rufen ein Mädchen und ein Junge unisono.

Sie haben in dieser Woche sicher Fussball im Fernsehen geschaut.

Ich habe das Länderspiel der Deutschen gegen die Niederlande gesehen. Das Schweizer Fernsehen empfange ich leider nicht. Das war ein guter Auftritt der Deutschen. Souverän gewonnen. Es macht Spass, ihnen zuzusehen.

War ein bisschen Wehmut dabei, als Sie über das Schweizer Spiel gegen die Niederlande oder gegen Luxemburg gelesen haben?

Nein. Herr Hitzfeld hat es immer wieder betont: Wenn man im Klub nicht spielt, dann wird es mit der Nominierung für die Nationalmannschaft schwierig. Bevor ich bei Hertha BSC also nicht regelmässig spiele, muss ich mir keine Hoffnungen machen.

Vom früheren US-Präsidenten John F. Kennedy stammt der Satz: «Ich bin ein Berliner.» Können Sie das nach über vier Jahren in der deutschen Hauptstadt bzw. bei Hertha BSC auch über sich sagen?

Ich kann ganz sicher sagen, dass ich mich hier sehr wohl fühle. Ich habe hier meine Freundin kennengelernt, mit der ich jetzt ein Kind habe. Ich habe viele andere gute Leute getroffen. Ein Berliner bin ich sicher noch nicht, aber ich fühle mich sehr wohl hier, und ich kann mir auch vorstellen, noch länger hierzubleiben.

Was mögen Sie an Berlin, was nicht?

Manchmal mag ich das Wetter nicht. In diesem Jahr ist der Herbst sehr schön, aber normalerweise ist es in Berlin von Oktober bis März dunkel, ab 16 Uhr schon. Training ohne Flutlicht ist dann schon nicht mehr möglich. Wenn ich um 16 Uhr nach Hause komme, fühlt es sich an, als wäre es schon 20 Uhr. Aber Berlin hat natürlich auch sehr viele positive Seiten. Es ist eine sehr vielfältige Stadt. Kein Stadtteil gleicht dem anderen. Es sind verschiedene Welten. Das macht es schon sehr interessant.

Sie sind in Wolhusen geboren, in Nebikon aufgewachsen, ein Dorf mit 2000 Einwohnern. War Berlin ein Schock, als sie mit 19 hierherkamen?

Es war am Anfang nicht einfach, aber schnell wohl gefühlt habe ich mich schon. Allein durch den Fussball habe ich viele Leute kennengelernt. Ich bekomme auch nach wie vor viel Besuch aus der Schweiz. Noch heute sind bei jedem Heimspiel Bekannte in Berlin.

Lucien Favre hat sie 2007 zu Hertha BSC geholt. Er hat Sie damals als einen Rohdiamanten beschrieben, der noch geschliffen werden müsse. Dazu bedürfe es der Zeit und der Geduld, sagte er damals. Wie beurteilen Sie Ihre Entwicklung?

Ich habe mich in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt. Das hat auch die U-21-EM bewiesen, an der ich meines Erachtens eine gute Rolle gespielt habe in einem guten Team. Ich habe meinen Teil dazu beigetragen, dass wir in den Final gekommen sind. Die Jahre in der Bundesliga haben mich entscheidend geprägt, die Spiele, das Training. Als ich als 19-Jähriger, als ein kleiner Junge also (lacht), hierherkam, bin ich auf gestandene Nationalspieler wie Arne Friedrich, Marko Pantelic oder Joe Simunic getroffen. Das war auch irgendwie ein Kulturschock, aber ich habe mich am Ende doch schnell zurechtgefunden. Ich habe immer betont, dass man sich nur mit entsprechenden Leistungen auf dem Platz eine gewisse Anerkennung verschafft. Das ist mir nicht schlecht gelungen. Ich weiss: Ich kann auf einem guten Niveau spielen.

Ihnen werden die Attribute Schnelligkeit und Zweikampfstärke zugeschrieben, an der Passgenauigkeit liesse sich feilen. Trifft es das?

Ich glaube schon, dass ich ein gutes Passspiel habe. Ich kann aber sicher alles noch verbessern. Schnelligkeit würde ich persönlich nicht als meine Stärke ansehen. Zweikampfstark? Bin ich, ich gehe aber nicht in jeden Zweikampf, sondern versuche den Ball auch mal mit klugem Stellungsspiel zurückzuerobern. Ich lese ein Spiel gerne. Das versuche ich aufrechtzuerhalten, denn damit habe ich bisher Erfolg.

In Ihrer ersten Bundesligasaison haben Sie unter Favre immerhin 23 Spiele absolviert. Fühlten Sie sich wie im siebten Himmel?

In der Rückrunde vor allem. In der Hinrunde bin ich immer nur für ein paar Minuten eingewechselt worden. Aber in der Rückrunde habe ich von 17 Spielen 15 von Anfang an absolviert. Das war eine sehr schöne Zeit. Ich habe mich gut integrieren können in die Mannschaft, in die Liga. Das haben mir viele so nicht zugetraut. Ich dagegen habe mich nur bestätigt gefühlt, dass ich mit dem Transfer zu Hertha BSC alles richtig gemacht habe.

Sie haben in der letzten Saison massgeblich dazu beigetragen, dass Hertha BSC nach einjähriger Absenz der Wiederaufstieg in die Bundesliga gelungen ist. War das für Sie in der Gesamtheit ein noch bedeutenderes Erlebnis als Ihr erstes Jahr im Trikot von Hertha BSC?

Ich glaube schon. Wir waren von Anfang an die einzige Mannschaft, die gesagt hat: Es zählt nur der Aufstieg. Daraus ergab sich ein spezieller Druck. Letztlich haben wir die uns gestellte Aufgabe souverän gemeistert. Die Aufstiegsfeier vor 80’000 Fans im Olympiastadion war ein sehr emotionaler Moment, an den ich mich gerne erinnere. Und es war ja auch in gewissem Sinne mein erster Titel. Zwar war es nur der Gewinn der Zweitligameisterschaft, eine Schale gab es trotzdem hochzustemmen.

Ihr Coach Markus Babbel setzt seit Beginn der Saison auf andere defensive Mittelfeldkräfte, namentlich Peter Niemeyer und den früheren FC-Bayern-Profi Andreas Ottl. Wie gehen Sie damit um?

Professionell. Natürlich würde ich lieber spielen. Das wird immer mein Anspruch sein. Aber ich habe durch die U-21-EM in Dänemark einen Grossteil der Vorbereitung auf diese Bundesliga-Saison versäumt. Den Trainingsrückstand habe ich zwar mittlerweile aufgeholt, aber ich kann weiterhin nur hoffen, dass mir der Coach irgendwann die Chance gibt. Manchmal geht es schnell. Eine Gelbsperre, eine Rotsperre, eine Verletzung, was ich keinem wünsche. Ich bleibe ruhig, irgendwann wird meine harte Arbeit belohnt werden.

Markus Babbel gilt als moderner, kommunikativer Coach. Hat er Ihnen gegenüber begründet, warum er Sie nicht mehr in der Stammformation sieht?

Am Anfang hat er es mit meinem Trainingsrückstand begründet infolge der U-21-EM. Ich habe ja die halbe Vorbereitung verpasst. Am 25. Juni, als ich den EM-Final gespielt habe, haben die Spieler mit der Vorbereitung begonnen. Ich bin Mitte Juli ins Training eingestiegen, zu einem Zeitpunkt, als die harten ersten drei Trainingswochen bereits vorbei waren. Meine Teamkollegen machen ihren Job ja bisher auch nicht schlecht, der Trainer hat deshalb gar keinen Grund zu wechseln.

Sprechen Sie mit Markus Babbel über Ihr Reservistendasein?

Er muss nicht nach jedem Spiel zu mir kommen und mir das erklären. Sein Büro ist immer offen, wenn, dann wäre es an mir, ihn aufzusuchen und mal nachfragen. Dann würde er mir seine Gründe nennen. Der Trainer ist der Chef, das habe ich als Spieler zu akzeptieren. Es gibt immer Leidtragende in einer Mannschaft. Momentan bin ich das, aber ich hoffe, dass sich das bald ändert.

Peter Niemeyer war neulich nicht amüsiert, als Sie gegen Mainz in der Startformation standen und nicht er. Nachdem er eine Nacht darüber geschlafen hatte, wurde er mit der Aussage zitiert: «Lusti hatte es mehr als verdient zu spielen.» Wie ist Ihr Verhältnis zu Peter Niemeyer und Andreas Ottl?

Unser Verhältnis ist ganz normal. Mit Peter Niemeyer gehe ich auch mal privat etwas essen. Er kann nichts dafür, dass ich nicht spiele, umgekehrt wäre es genauso. Der Trainer trifft die aus seiner Sicht beste Entscheidung für das Team. Mir ist wichtig zu wissen, dass ich sehr gut integriert bin in die Mannschaft, auch wenn ich derzeit nicht regelmässig viel spiele. Jeder weiss, dass ich Qualitäten habe. Ich kann es nur wiederholen: Diesen Respekt habe ich mir nur auf dem Platz erarbeitet und nicht durch Interviews oder eine grosse Klappe in der Kabine. Es macht Spass, in dieser Mannschaft zu trainieren und zu spielen.

Die EM war ein Highlight für Sie. Sind Sie durch Ihre Teilnahme am Turnier aber nicht auch ein Leidtragender?

Das kann man ein bisschen so sehen. Aber die EM war ein Riesenerlebnis, das entschädigt ein wenig. Eigentlich wollte ich nach der EM nur eine Woche Ferien machen, dann habe ich aber gemerkt, dass ich zweieinhalb Wochen benötige, um mental runterzukommen. Ich war ziemlich leer im Kopf, musste abschalten, Abstand gewinnen vom Fussball. Ich war mit meiner Freundin am Meer, dann ein paar Tage in der Schweiz. Das war wichtig, um wieder voll angreifen zu können.

Lässt Ihr Alltag als Bundesliga-Profi Besuche in der Schweiz zu?

Ich war erst am letzten Wochenende wieder in der Schweiz, und ich werde Weihnachten dort sein. Ich versuche sowohl im Winter wie auch im Sommer dort Ferien zu machen. Wenn ich zwei, zweieinhalb Tage am Stück frei habe, fliege ich auch ab und an hin. Die Eltern und die Grosseltern freuen sich natürlich sehr, wenn Sie den Kleinen sehen können.

Im Oktober 2008 haben Sie vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Lettland mit dem A-Team zumindest trainiert. Hitzfeld hat nun in der Schweizer Nationalmannschaft einen Umbruch eingeleitet. Er setzt mehr und mehr auf jüngere Spieler. Shaqiri etwa, neuestens Rodriguez. Sie beobachten das?

Ich verfolge das natürlich im Internet, den Schweizer Fussball überhaupt. Ich mache mir derzeit aber keine grossen Gedanken über Einsätze in der Nationalmannschaft. Wenn ich derzeit Bundesliga-Stammspieler wäre und trotzdem nicht berücksichtigt würde, würde ich mich schon fragen, warum ich nicht dabei bin. Aber die Situation ist eine andere. Ich spiele in der Bundesliga nicht regelmässig, deswegen werde ich nicht berufen.

Ist es ein kleiner Trost, dass Ihre Mannschaftskollegen es nicht vermocht haben, sich für die EM im nächsten Jahr in der Ukraine und in Polen zu qualifizieren?

Nein. Das ist auf keinen Fall ein Trost. Wenn ich zum Beispiel die Bundesliga-Rückrunde ab Januar durchspielen würde, wäre ich womöglich ein Kandidat für die EM gewesen. Auch wenn ich nicht dabei bin, hoffe ich, dass der Schweizer Fussball Erfolg hat.

Haben Sie mit Hitzfeld Kontakt?

Nein, das brauche ich auch nicht. Wie gesagt, die Situation ist klar. Ich weiss, woran ich bei ihm bin. Wenn ich regelmässig spiele, habe ich Chancen, wenn nicht, dann nicht.

Pflichtspiele wird die Schweizer Nationalmannschaft erst wieder im Herbst 2012 absolvieren, wenn die WM-Qualifikation beginnt. Ist das ein Ziel für Sie?

Es wird immer mein Ziel bleiben, für die Schweizer A-Nationalmannschaft zu spielen. Darauf arbeite ich hin.

Wie fällt Ihre Saison-Zwischenbilanz mit Hertha BSC insgesamt aus?

Es sind vielleicht zwei, drei Punkte zu wenig. Aber wir sind im Fahrplan. Als Aufsteiger können wir uns nicht beschweren. In München (0:4, Anm. d. Red.) gehen auch andere Mannschaften unter. Bis zur Winterpause sollten wir noch einige Punkte gewinnen, damit wir den Abstand zur unteren Tabellenregion wahren. Wir müssen in der Rückrunde möglichst schnell die 40 Punkte sichern, um nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben.

Am Wochenende spielt Hertha BSC in Freiburg. Wann erfahren Sie, ob Sie in der Startformation stehen?

Wenn ich spielen sollte, erfahre ich das am Freitag an der Teamsitzung. Das handhabt der Trainer meistens so. Einwechslungen lassen sich schwer voraussagen. Wenn es im Verlauf des Spiels 2:1 für Freiburg stehen sollte, wird der Trainer keinen defensiven Mittelfeldspieler wie mich einsetzen. Wenn wir führen, schon eher.

Sie sind im August Vater eines Sohnes geworden. Relativiert dieses private Glück die derzeitige Reservistenrolle im Klub?

Ja, hundertprozentig. Früher habe ich immer gesagt, ich kann zu Hause gut abschalten. Aber in Wahrheit kann ich das erst jetzt. Man betritt eine andere Welt, wenn man die Wohnungstür aufschliesst und der Kleine dich anlächelt. Das heitert einen auch mal ungemein auf.

Ihr einstiger Förderer, Lucien Favre, trainiert derzeit mit grossem Erfolg Borussia Mönchengladbach. Verfolgen Sie, was er tut?

Na klar, ich verfolge die gesamte Bundesliga. Vor allem auch die Klubs, in denen Schweizer aktiv sind. Leverkusen mit Eren Derdiyok und Tranquillo Barnetta, Eintracht Frankfurt mit Pirmin Schwegler, Timm Klose in Nürnberg, den ich ja auch gut aus der U 21 kenne. Mich freut es, wenn sie Erfolg haben. Nur bitte nicht gegen uns. Natürlich verfolge ich auch, was Lucien Favre in Mönchengladbach macht.

Bleibt es bei Ihrer Reservistenrolle in Berlin, ist zum Beispiel im Winter ein Wechsel nach Mönchengladbach vorstellbar?

Nein, ein Wechsel ist für mich im Winter nicht vorstellbar. Ich fühle mich hier sehr wohl, ich habe einen Vertrag bis 2014. Ich habe mir wirklich noch null Gedanken gemacht über einen solchen Schritt. Abgesehen davon glaube ich auch nicht, dass Hertha mich im Winter gehen lassen würde. Ich hoffe, dass sich die Situation für mich bis zum Winter ändert, wenn nicht, muss ich in der Winterpause im Training noch mal immer richtig Gas geben, um im Frühling Stammspieler zu sein. Ich bleibe dran.

Der FC Luzern, in dem Sie von 2005 bis 2007 unter Vertrag gestanden haben, spielt in der Super League bisher eine sehr gute Saison, verfügt zudem über ein neues, gut besuchtes Stadion. Kehren Sie irgendwann heim?

Ich sage nur soviel: Ich möchte so lange wie möglich in Deutschland spielen. Ich habe mir auch schon Gedanken darüber gemacht, irgendwann einmal mit meiner Familie in die Schweiz zurückzukehren. Ob als Spieler oder privat, das weiss ich jetzt noch nicht. Im Augenblick aber ist das kein Thema. Wenn man mal im Ausland gespielt hat und dann in die Schweiz zurückkehrt, dann kommt man da nicht mehr weg, glaube ich.