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Albertsen will mit den Schweizer Handballerinnen historisches erreichen

Die Schweizerinnen können sich am Mittwoch in Sursee mit einem Sieg gegen Kroatien erstmals für eine EM qualifizieren. Nationaltrainer Martin Albertsen führte das Team im Eiltempo zu dieser historischen Chance.
Stephan Santschi
Martin Albertsen (44) sieht im Schweizer Frauen-Nationalteam viel Potenzial. (Bild: Imago (Bietigheim, 26. Mai 2018))

Martin Albertsen (44) sieht im Schweizer Frauen-Nationalteam viel Potenzial. (Bild: Imago (Bietigheim, 26. Mai 2018))

Seit 1957 werden im Frauen-Handball Weltmeisterschaften ausgetragen, 1994 feierte die Europameisterschaft ihre Premiere. Macht summa summarum 35 Grossturniere, die ohne Schweizer Beteiligung stattgefunden haben. Umso erstaunlicher ist es angesichts dieser langen Durststrecke, wie wenig Zeit Martin Albertsen brauchte, um unser Nationalteam in eine aussergewöhnliche Ausgangs­lage zu bringen.

Der 44-jährige Däne trat seinen Posten als Nationaltrainer nämlich erst am 1. Februar 2018 an. Gewinnt die Schweiz morgen in der Stadthalle gegen Kroatien (20 Uhr), ist ihr die Teilnahme an der EM vom kommenden Dezember in Frankreich nicht mehr zu nehmen. In knapp vier Monaten hätte er dann etwas vollbracht, was in den über 60 Jahren davor nicht möglich gewesen war. Welchen Zauberstab er dafür braucht? Albertsen lacht und sagt: «Ich setze auf Handwerk, auf maximale Vorbereitung und den Glauben an die eigenen Fähigkeiten.»

Verletzung stoppt Spieler Albertsen früh

Wer ist dieser Mann, der die Schweizerinnen ohne ein Testspiel zu zwei Überraschungssiegen gegen die Ukraine im März führte und der sie nun von einem historischen Erfolg träumen lässt? Als aktiver Handballer hat es der Spielmacher aus der Hafenstadt Randers in Ost-Jütland nur für kurze Zeit in die höchste dänische Liga geschafft, schon im Alter von 22 Jahren setzte ihn eine Knieverletzung schachmatt. «Ich hätte noch ein paar Jahre weiterspielen können, allerdings mit dem grossen Risiko, Sportinvalide zu werden», erzählt er.

Also zog er einen Schlussstrich und lancierte eine neue Karriere als Übungsleiter. Zunächst im Nachwuchsbereich, dann als Assistent bei den Erwachsenen und schliesslich in der Hauptverantwortung. Sein Palmarès lässt sich sehen: Gewinn des EHF-Cups und Double-Sieger mit den Däninnen von Viborg, Double-Gewinn in Deutschland mit Leipzig und Meistertitel mit Bietigheim, das er weiterhin in einem Doppelmandat trainiert. Ausbilden und entwickeln – diese beiden Attribute prägen seine Arbeit. Deshalb nahm er auch die Offerte der Schweiz an. «Hier sehe ich viel Potenzial.» Wahrscheinlich habe man in der Vergangenheit gedacht, dass der Schweizer Frauen-Handball halt einfach nicht besser sei. «Doch das ist nicht die Realität.»

Sein Nationalteam trainiert mit seinem Klubteam

Seine wohl wichtigste Massnahme in der kurzen Amtszeit war deshalb das Vermitteln von Selbstvertrauen. «Das ist einfach für mich, weil ich jeden Tag eines der Top-12-Teams der Welt trainieren kann», sagt Albertsen, der mit Bietigheim in der abgelaufenen Spielzeit die Hauptrunde der Champions League erreicht hatte (total 12 Teams). «Ich arbeite auch dort mit Nationalspielerinnen zusammen. Wenn ich nun die Qualitäten in meinem Klubteam mit jenen der Schweizerinnen vergleiche, kann ich der Schweizerin sagen: Du bist genauso gut. Wir dürfen unser Potenzial nicht unterschätzen.»

Zwecks Veranschaulichung bestritt er den ersten Teil der Vorbereitung auf das Kroatien-Spiel letzte Woche in Bietigheim, wo er sein Nationalteam und sein Klubteam miteinander trainieren liess. «Das war eine super Sache auf gutem Niveau.»

Die Arbeit im mentalen Bereich, ein guter Teamspirit und eine «geniale Abwehr» waren ausschlaggebend dafür, dass im März gleich beide EM-Qualifikationsspiele gegen die Ukraine ­gewonnen werden konnten. Testspiele hatte er aufgrund des Zeitdrucks keine, «ich bin froh um die paar Trainingstage, die ich habe. Die Aufgabe mit der Schweiz ist für mich eine maximale Herausforderung. Doch ich bin der Typ dazu.»

Den letzten Schritt zur grossen Überraschung können die Schweizerinnen also am Mittwoch machen. Mit einem Sieg gegen das favorisierte Kroatien ist ihnen die EM-Qualifikation schon vor der abschliessenden Partie am Samstag in Norwegen nicht mehr zu nehmen. Steigerungspotenzial sieht er im Angriff und im Gegenstoss. «Das hat gegen die Ukraine nicht so gut ­geklappt. Deshalb haben wir zuletzt viel im läuferischen Bereich gearbeitet», sagt Albertsen.

«Überall sah ich Talente»

An seiner Auswahl gefallen Martin Albertsen der Ehrgeiz, die individuelle Klasse sowie die Mischung aus Jung und Alt. Kürzlich sei er in Siggenthal gewesen und habe sich das Finalturnier der Regionalauswahlen angesehen. «Überall sah ich Talente», berichtet der zweifache Familienvater, der mit dem Schweizerischen Handballverband einen Vertrag bis 2019 unterschieben hat. «Wenn wir nun gegen Kroatien gewinnen, haben wir grosse Perspektiven.»

Rekord in Sursee?

Für das Heimspiel gegen Kroatien in der Surseer Stadthalle soll der erst im letzten Oktober aufgestellte Zuschauerrekord für ein Frauen-Länderspiel (1650 Fans) bereits wieder verbessert werden. 1400 Tickets sind abgesetzt, rund 400 sind im Vorverkauf bei Ticketcorner noch verfügbar. «Wir brauchen ein geniales Publikum, das die Spielerinnen fliegen lässt», sagt Nationaltrainer Martin Albertsen. Im 19er-Kader der Schweiz stehen 13 Spielerinnen, die für die Spono Eagles oder den LK Zug spielen oder gespielt haben. (ss)

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