Eine offene Rechnung in Alpnach beglichen

Jahrelang versuchte Martin Fanger erfolglos, mit der O-Tour in Alpnach sein Heimrennen zu gewinnen. Am Sonntag hat es nun endlich geklappt.

Martin Platter
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Auf dem Weg zum Triumph: Martin Fanger hat in der Abfahrt viel riskiert und alles gewonnen.

Auf dem Weg zum Triumph: Martin Fanger hat in der Abfahrt viel riskiert und alles gewonnen.

Bild: Martin Platter (Alpnach, 13. September 2020)

Im Ziel war Martin Fanger nach der ersten Freude über den Triumph zunächst sprachlos. Beim Siegerinterview stockte immer wieder die Sprache des Kägiswilers, der seit einigen Jahren in Genf lebt und inzwischen auch für ein Westschweizer MTB-Rennteam fährt.

«Die O-Tour zu gewinnen, ist für mich etwas ganz Besonderes»,

versuchte der 32-jährige Mountainbike-Profi das eben Erreichte einzuordnen.

2009 gewann er gleich im ersten Profijahr den Halbmarathon. Seither schaffte er es noch zweimal als Dritter aufs Podium. Doch der Sieg blieb ihm während zehn Jahren verwehrt. «Das hing auch mit meiner Saisonplanung zusammen. Cross-Country-Rennen hatten bisher stets Vorrang. Die O-Tour kam am Ende der Saison, dann, wenn ich schon recht ausgelaugt und auch mental müde war», erklärte Fanger. Deshalb habe ihm in den letzten steilen Rampen jeweils die Spritzigkeit und die Kraftausdauer gefehlt, um mit den besten Marathon-Fahrern mithalten zu können.

Auch gute ausländische Fahrer mit dabei

Am letzten Sonntag standen die Vorzeichen jedoch anders. Im durch die Coronapandemie ausgedünnten Rennkalender hatte Fanger den Schwerpunkt diesmal auf Marathons gelegt und konnte stets gut mit den Besten mithalten. Auch an der O-Tour.

Im Gegensatz zu anderen Austragungen zügelte er sein Temperament und sparte seine Kräfte fürs Finale am Ächerlipass, der in der Vergangenheit stets über den Rennausgang entschieden hatte. Ohnehin nahm der 86-km-Marathon dieses Jahr einen sehr animierten Verlauf und war ausserordentlich gut mit ausländischen Fahrern besetzt. Immer wieder versuchten Mitstreiter mit Tempoverschärfungen eine Vorentscheidung herbeizuführen. Fanger besann sich auf seine gute Streckenkenntnis und sein Talent als verwegener Abfahrer und wagte diesmal auch keine materialtechnischen Experimente.

Der Angriff folgte in der Abfahrt

Als sich am Ächerlipass die beiden O-Tour-Sieger Urs Huber und Marc Stutzmann sowie der überraschende Romand David Gysling leicht absetzten, liess sich Fanger nicht nervös machen. Er fuhr seinen Rhythmus und vermochte so seine Kontrahenten in der Steigung im Auge zu behalten. In der kniffligen Abfahrt drehte er dann auf. Während Gysling zurückfiel, schaffte Fanger den Anschluss zum Spitzenduo, das sich mental bereits auf einen Zweikampf eingestellt hatte. Der Obwaldner fackelte nicht lange und bestimmte auf dem letzten Kilometer sogar das Tempo von der Spitze aus.

Im Schlussspurt hatte er dann auch noch ein bisschen Glück. Der zweitplatzierte Huber dagegen ärgerte sich: «Im dümmsten Moment bin ich aus dem Pedal gerutscht. Ich war in einer guten Position für den Schlussspurt und ziemlich sicher, dass ich gewinnen kann.» Fanger sei jedoch ein starkes Finale gefahren, sagte der Zürcher anerkennend. Der drittplatzierte Stutzmann ergänzte: «Nachdem Gysling weg war, haben wir uns bereits auf einen Zweiersprint eingestellt. Da tauchte plötzlich Fanger auf und heizte uns nochmals ein. Ein starkes Stück.»

Auch bei den Frauen zeigte mit Andrea Ming eine Einheimische eine starke Leistung. Die gebürtige Sachslerin, die inzwischen in Edlibach wohnt, holte sich – ebenfalls mit etwas Glück – den dritten Platz, wie bereits im Vorjahr, als die O-Tour zugleich als Schweizer Meisterschaft zählte. Hinter den beiden führenden O-Tour-Siegerinnen Ariane Lüthi und Esther Süss tat sich Ming zunächst mit Antonia Bünter zusammen, um gemeinsam das Tempo hochzuhalten. Im Schlussaufstieg setzte sich Ming ab, wurde auf dem Weg zurück nach Alpnach aber beinahe nochmals von Bünter eingeholt. «Am Schluss wurde es noch eng. Ich hatte Probleme mit der Schaltung», erklärte Ming, die sich umso glücklicher zeigte, dass sie den dritten Rang hinter Siegerin Lüthi und der zweitplatzierten Süss behaupten konnte.

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