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Eine St. Gallerin kitzelt die Männer-Domäne

Vor genau 60 Jahren startet Monica Weier-Bachmann im Alter von 16 Jahren erstmals an den St. Galler Pferdesporttagen. Die gebürtige St. Gallerin mischt den Männersport auf – und feiert grosse Erfolge.
Peter Wyrsch

St. Gallen und die Ostschweiz stellen seit Jahren erstklassige Springreiter. Denken wir nur an die ehemaligen Weltcupsieger und Olympiamedaillengewinner Markus Fuchs und Beat Mändli. Aber schon früher, in den 60er- und 70er-Jahren, rückte mit Monica Weier, damals Bachmann, eine St. Galler Amazone in eine Männer-Phalanx ein und kitzelte die Herrenreiter. «Der Schweizer Pferdesportverband stellte mir 1958 eine Sonderbewilligung für den damaligen CSI St. Gallen aus. Ich startete mit Casino, meinem ersten Springpferd», sagt Weier-Bachmann rückblickend. Der französische Fuchs, den der damalige St. Galler Pferdehändler Albert Frei für 1500 Franken vor dem Gang auf die Schlachtbank gerettet hatte, wurde ihr zur Verfügung gestellt. «Mit ihm feierte ich rund 200 Siege in verschiedenen Kategorien, auch bei meinem Debüt in St. Gallen», erinnert sich Weier, die den CSIO 2018 im Gründenmoos im als Zuschauerin besuchen wird.

Monica aus der Lachen

Weier wuchs im Quartier Lachen in St. Gallen auf. Die Eltern waren keine «Rösseler». Vater Erwin hatte ein Baugeschäft geführt. Die Tochter interessierte sich mehr für Pferde, hatte aber einen «normalen» Beruf zu erlernen. Sie wurde Bürolistin im elterlichen Hoch- und Tiefbau-Geschäft. Zunächst vollamtlich, später halbtags. Heimlich habe sie in der Waldau im Quartier mit Pferden erste Bekanntschaften geschlossen. «Ich ritt in Keil-Skihosen und wollte hobbymässig lieber reiten als Handorgel spielen», so Weier. Sie war ein Reittalent. Mit viel Gefühl und guten Nerven. Ihre ersten Reitstunden genoss sie in der Waldau und in der St. Galler Reithalle in der Kreuzbleiche. Damals kostete eine Reitlektion fünf Franken.

Ausgrechnet in St. Gallen fehlt das Glück

Die ersten Erfolge liessen lange auf sich warten. Vor allem der Abtwiler Pferde- und Autohändler Albert Frei war von Weiers Reitkunst überzeugt. Fortan trainierte sie bei ihm im Stall Ahorn in der Spisegg, den teils Weiers Vater erbaut und den Anfang der 70er-Jahre Markus Fuchs übernommen hatte. Weiers erfolgreichstes Pferd hiess Erbach. Mit ihm bestritt sie die Olympischen Spiele 1968 in Mexiko und 1972 in München, wurde 1970 Schweizer Meisterin und gewann drei Einzelmedaillen an den damaligen EM-Titelkämpfen für Amazonen: Silber 1966 in Gijon, Bronze 1967 in Fontainebleau und 1973 in Wien. «Nur 1971 in St. Gallen war mir das Glück nicht hold», sagt die Gattin von Paul Weier, dem Tausendsassa der Schweizer Reiterei.

«Ich führte nach zwei Wertungsprüfungen deutlich. Da übersah ich eine Mauer und wurde disqualifiziert. Dabei hatte mein Mann den Parcours gebaut», so Weier. Und ergänzt: «Als Trostpreis erhielt ich eine Kühltruhe, die jahrzehntelang im Restaurant Löwen in Elgg in Betrieb war. Das Restaurant führten wir zusätzlich zum Pferdebetrieb.» Mutig und unerschrocken sei sie gewesen, wird von der ehemaligen Konkurrenz berichtet. Weier: «In Österreich hat man mich damals, wohl in Anlehnung an meinen uniformierten Mann, Frau Major genannt». Mauern in Mächtigkeitsspringen überquerte sie mehrmals über zwei Meter. Auch bei ihrem Debüt vor 60 Jahren in St. Gallen ist sie in der Puissance über 170 cm geflogen.

Ehemann Paul, der Rosenkavalier

Monica und Paul Weier sind seit 47 Jahren verheiratet. Sie ergänzen sich vorbildlich. «Ja», bestätigt Monica Weier, die viel Wert auf ihre äussere Erscheinung legt. «Mit Paul habe ich das grosse Los gezogen. Er ist eine lässige, hilfsbereite und grosszügige Person. Einst war er mein Vorbild und wurde dann mein Mann», so Weier. Aber es gebe auch Unterschiede: «Reiterlich haben wir ein anderes Bauchgefühl. Er ist Ausbildner und Perfektionist, ich war eher die Instinktreiterin mit viel Geduld, vor allem für schwierige Pferde.» Diese Aussagen bestätigt auch Ehemann Paul, der einzige Schweizer Meister in sämtlichen drei olympischen Reitdisziplinen: Military, Dressur, Springen. Der strenge und beharrliche Ausbildner und Pferdekenner hat aber auch tiefe innere Werte. Er mag Geselligkeit, hat Humor und Feingefühl. Monica Weier verrät: «Wir nähern uns der goldenen Hochzeit. Noch immer schenkt er mir wöchentlich Rosen.»

Seit 2004 reiten Monica und Paul Weier nicht mehr. «Nach einer Halswirbeloperation war Schluss. Aus Vernunftsgründen», sagt Monica Weier. Geblieben ist die Liebe zu Tieren, zu Pferden insbesondere. Zusammen gehen sie durchs Leben: Sie werkeln, säen im Garten, gehen fein essen und bereisen die Welt.

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