Langlauf

«Einen Abschiffer verträgt es nicht mehr»: Nadine Fähndrich will an der Tour de Ski nach vorne

Die Luzernerin Nadine Fähndrich ist an der Tour de Ski derzeit so gut klassiert wie nie zuvor. Obwohl für sie der Auftakt nicht nach Wunsch verlief.

Jörg Greb
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Es war kein perfekter Auftakt zur diesjährigen Tour de Ski für Nadine Fähndrich. Statt des realistischen Podestplatzes im Sprint kam es im Finalrennen zum Auftakt des Mehretappen-­Klassikers zur Kollision mit Anamarija Lampic und dem Sturz. Rang 6 blieb. Ein Dämpfer anstelle eines Exploits. Das schmerzte. Fähndrich aber erkannte auch: «Ich studierte dem Ganzen zwar etwas nach, konnte es aber abhaken.» Einfacher war dies für sie, weil sie sich nichts vorzuwerfen brauchte, da sie selbst keinen Fehler beging.

Nadine Fähndrich am Sonntag nach der Etappe in Val Müstair.

Nadine Fähndrich am Sonntag nach der Etappe in Val Müstair.

Federico Modica/Freshfocus

Die beiden Distanzrennen im Münstertal an den Tagen zwei und drei gelangen der aktuellen Vorzeigelangläuferin im Schweizer Frauen-Team auch nicht ganz nach Wunsch. Mit «okay» beurteilte sie ihre Leistungen. Und trotzdem: Nadine Fähndrich ist vielversprechend unterwegs. Rang 8 belegt sie im Zwischenklassement nach den drei (der insgesamt acht) Etappen. «So gut klassiert bin ich noch nie gewesen an der Tour de Ski», sagt sie. Und kommt hinzu: Die zeitlichen Abstände sind sehr gering. Lediglich 1:28 Minuten verliert sie bis jetzt auf die führende Jessica Diggins (USA), 31 Sekunden zu Platz 4.

Die Marschroute ist klar: Die 25-Jährige will sich nach vorne orientieren. Allerdings tut sie dies mit ihrer auf sie zugeschnittenen Souveränität. «Ich setze mich nicht zusätzlich unter Druck und nehme Etappe für Etappe.» Wenn sie am Dienstag im Klassisch-Distanz-Rennen von Toblach Terrain einbüssen würde, würde sie das nicht aus dem Konzept bringen. «Es geht darum, meine Fähigkeiten einzubringen und konstant mein Level abzurufen», sagt sie. Die Aussage tut sie einerseits im Bauen auf die eigenen Fähigkeiten, die exzellente Erholungsfähigkeit, die Robustheit. Vor gibt sie sich aber auch: «Einen Abschiffer, den würde es nicht vertragen.»

Furger: «Schwierige Ausgangslage»

Mit gemischten Gefühlen verliess der beste Innerschweizer Langläufer der Gegenwart, Roman Furger, das Münstertal. Auf Position 43 des Zwischenklassements befindet er sich. Der Rückstand: 4:57 Minuten. «Dazu gibt es nichts schönzureden», sagt er, «diese Tour ist für mich gelaufen.» Begonnen hatte der prestigeträchtige Mehrtageevent ärgerlich. Zwar schaffte er im Auftaktrennen, einem Sprint, die Qualifikation für die Direktausscheidungen. Im Viertelfinal aber blieb er hängen. «Das war knapp», sagte er zum Verdikt zu seinen Ungunsten. 39 Hundertstel fehlten ihm nach den gut 3:11 Minuten zum letzten Lucky Looser und dem Minimum fürs Weiterkommen. Immerhin konnte er hinterher festhalten: «Ich konnte zeigen, dass ich bereit bin.»

Seine Einschätzung bezüglich eigener Verfassung sah er im 10-km-Klassischrennen an Tag zwei bestätigt – trotz der klassischen und nicht bevorzugten Technik. Nach Rang 28 bilanzierte er: «Das geht in Ordnung.» Die Absicht, sich weiter nach vorn zu arbeiten im Verfolgungsstartrennen in der Skating-Technik, musste er aber früh abschreiben: «Ich erwischte einen schlechten Tag und fiel weiter zurück.» Die Tagesform war indes nicht der eigentliche Faktor. Die Ski glitten im Vergleich mit den Konkurrenten schlecht. «Das machte es körperlich streng und schwierig für den Kopf.»

Um 13 Positionen fiel Furger auf Rang 43 zurück. Sein Rückstand auf Leader Alexander Bolschunow beträgt 4:57 Minuten. «Diese Ausgangslage macht’s schwierig. Eine befriedigende Schlussklassierung scheint unrealistisch.» An der Grundidee, die Tour bis ins Ziel auf Alpe Cermis am nächsten Sonntag durchzuziehen, ändert sich vorerst für den 30-jährigen Urner nichts. «Ich versuche, das Beste aus der Situation herauszuholen», sagt er. Er nimmt sich vor, in den auf ihn zugeschnittenen Rennen zu brillieren, «schliesslich will ich zeigen, dass ich in Form bin».