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Einfach Schneider - der Thuner Trainer und seine Werte

Seit 2017 steht Marc Schneider beim FC Thun an der Seitenlinie. Jetzt hat der 38-jährige Berner Oberländer sein Team in den Cupfinal vom Sonntag (14 Uhr, SRF 2) gegen den FC Basel geführt.
François Schmid-Bechtel
Thun-Trainer Marc Schneider. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Thun, 11. Mai 2019))

Thun-Trainer Marc Schneider. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Thun, 11. Mai 2019))

Andres Gerber blickt von der «Herzbluet Lounge» auf den Kunstrasen der Stockhorn Arena runter. «Wahnsinn! Jede Flanke kommt fast punktgenau.» Es ist kein brasilianischer Ballkünstler, den der Sportchef des FC Thun bestaunt. Es ist Marc Schneider, 38, aus Uetendorf bei Thun. «Risiko, Experiment» lautete der Tenor, als Schneider vor zwei Jahren vom Assistenten zum Cheftrainer befördert wurde. Jetzt steht der Vater von zwei schulpflichtigen Kindern mit dem FC Thun im Cupfinal. Für die Berner Oberländer ist es das erst zweite Mal überhaupt nach 1955.

Gerber sagt, die Lösung mit Schneider hätte sich aufgedrängt. «Er kommt von hier. Kennt alles und jeden. Er ist ein vernünftiger, smarter, intelligenter Typ. Er hat Humor und ist kein bequemer Hagel. Er schlägt nirgends den Grind an, ist korrekt und pflichtbewusst. Einfach ein richtig guter Trainer.»

Zweifacher Meister – und kein Blender

Schneider kann den Spielern noch etwas vormachen, ohne zu blenden. «Viele unserer Spieler wissen gar nichts über meine Karriere, weil ich kaum darüber spreche. Es würde sie auch nicht interessieren», sagt Schneider. «Und wenn es die Spieler irgendwie doch mitkriegen, reagieren sie erstaunt und fragen: ‹Was, du bist zweimal Meister geworden?› Ja, und jetzt?»

Dabei ist es noch gar nicht lange her. 2006 stemmt er als Captain des FC Zürich den Meisterpokal. 2007 gewinnt er gar das Double. «Es ist halt alles viel schnelllebiger geworden mit den sozialen Medien wie Instagram. Alles passiert nur noch im Hier und Jetzt», sagt Schneider. Und weil er in dieser Hinsicht anders tickt, keinen Nutzen für sich darin erkennt, verzichtet er ganz auf Social Media. «Ausserdem kann das Smartphone zu einer Sucht werden. Das sehe ich auch bei meinen Spielern.»

Smartphone-Verbot in der Arena

Es kam vor, dass Schneider die Kabine betrat und 15 Spieler registrierte, die in ihr Smartphone starrten. Das kann es nicht sein, dachte er sich. Und so stellte er die Regel auf: In der Arena ist das Smartphone tabu. Das Gerät bleibt im Auto. «Wenn die Spieler die Arena betreten, sind sie ausschliesslich Fussballer. So ist wenigstens gewährleistet, dass fünf, sechs Stunden pro Tag das Smartphone nicht omnipräsent ist. Ich will nicht, dass dieses Gerät im Alltag eine alles dominierende Stellung einnimmt. Ich will, dass die Spieler miteinander kommunizieren, sich mit ihrem tollen Job auseinandersetzen. Das geht nicht, wenn jeder ausschliesslich in sein Smartphone vertieft ist.»

Heile Welt? Ein bisschen, vielleicht. Aber die heile Welt ist selbst in Thun nicht vom Himmel gefallen. Auch wenn andernorts viele denken, dass der FC Thun ein Biotop der Unschuld sei, weil der Trainer nicht nach jeder Niederlage infrage gestellt wird, weil das Publikum keine Titel fordert, weil die Medien den FC Thun selten im Fokus haben, weil die Spieler noch keine abgehobenen Schnösel sind. Denen sei gesagt: Mehrmals nach dem Champions-League-Abenteuer (2005) kurz vor dem Konkurs, dazu Sex- und Wettskandal. Nein. Allein die Idylle des Berner Oberlands schreckt die bösen Geister beim FC Thun nicht ab.

«Das ist typisch Thun»

Seine ersten drei Spiele als Trainer in der Super League verlor Schneider. Nervös wurde deswegen keiner. Kein Investor, kein Vorstand, kein Fan, kein Spieler. Selbst Schneider blieb unaufgeregt. «Der kann gut reden», hört man von Konkurrenten «das ist typisch Thun.»

Mit seinen blauen Augen fixiert er den Gesprächspartner und sagt: «Das ist nicht ganz falsch. Aber Gegenfrage: Warum kann es andernorts nicht ähnlich funktionieren? Es heisst immer: Kleiner FC Thun, kein Druck, kein Druck. Dabei haben wir den grössten Druck von allen. Sollten wir absteigen, können wir nicht wie der FC Zürich schnell eine Schleife in der Challenge League drehen. Ein Abstieg wäre für uns existenzbedrohend.»

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