Handball
«Einfach überwältigend»: Der LK Zug ist wieder die Nummer eins im Schweizer Frauenhandball

Der LK Zug gewinnt auch das dritte Spiel des Playoff-Finals gegen den LC Brühl und ist zum fünften Mal Schweizer Meister.

Stephan Santschi
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Das Double ist perfekt: Die Zugerinnen feiern mit dem Meisterpokal.

Das Double ist perfekt: Die Zugerinnen feiern mit dem Meisterpokal.

Bild: Alexander Wagner (Winterthur, 24. Mai 2021)

Welch ein Triumph, was für eine Saison: Der LK Zug gewinnt nach dem Cup auch den Meistertitel, macht das Double komplett. Die Spielerinnen und der Staff sangen und tanzten in der Axa-Arena in Winterthur, auch im dritten Spiel hatten sie Finalgegner Brühl bezwungen, diesmal mit 33:29 und so ungefährdet wie nie in dieser Best-of-5-Serie. Damit machten sie das Dutzend voll, zwölf Partien gewannen sie zuletzt in Folge und liessen damit keine Zweifel offen: Erstmals seit 2015 ist der LK Zug wieder die Nummer eins im Schweizer Frauenhandball. «Das ist einfach überwältigend, wir freuen uns extrem. All die harte Arbeit hat sich ausbezahlt, wir sind überglücklich», frohlockte Abwehrchefin und Rückraumspielerin Celia Heinzer.

Ohne Fehlstart ging es aber auch diesmal nicht. Zwar brauchte Zug nicht wie in den ersten beiden Duellen mehr als sieben Minuten für das erste Tor. Doch erneut fanden die St.Gallerinnen schneller auf Betriebstemperatur, gingen in der Anfangsphase wieder in Führung, 7:4 stand es nach sieben Minuten. Dann aber kam die Deckung des LKZ ins Spiel und mit ihr auch Goalie Jennifer Abt. In den ersten beiden Finalspielen agierte sie noch etwas unglücklich, nun stellte sie die Schweizer Nationalkeeperin Sladana Dokovic im Brühler Tor klar in den Schatten: Sowohl bei Spielhälfte als auch am Ende bewegte sich die Abwehrquote von Abt um die 40 Prozent.

Fällt eine Spielerin aus, springt eine andere ein

Nach zehn Minuten hatte Zug das Skore ausgeglichen (7:7), kurz darauf ging es erstmals in Führung, zur Halbzeit betrug der Vorsprung 16:13. Auch nach dem Seitenwechsel gab es keine markante Schwächephase, die St.Gallerinnen wurden zeitweise auf fünf Tore distanziert, näher als auf zwei Einheiten kamen sie nicht mehr heran. «Wir haben den Druck hochhalten können», bemerkte Trainer Christoph Sahli. «Fehler hakten wir schnell ab, wir eroberten weiter Bälle, erspielten vorne die Lücken.» Als die erneut überragende Charlotte Kähr wegen zwei Zweiminutenstrafen aus Respekt vor einer frühen roten Karte vorübergehend draussen blieb, übernahm Heinzer ihre Rolle im Angriff, traf ebenso wie Routinier Ria Estermann im rechten Aufbau sieben Mal. «Wir sind zu einem Team zusammengewachsen, wir verfügen über eine grosse Breite, können wechseln, alle machen ihre Tore», schwärmte Heinzer von der starken Kollektivleistung.

Bemerkenswert: Die 19-jährige Muotathalerin gewann 2019 den Meistertitel bei den U18-Elitejuniorinnen und doppelt nur zwei Jahre später mit der ersten Goldmedaille bei den Aktiven nach. Auch Jennifer Abt, Svenja Spieler, Kyra Gwerder und Joline Tschamper waren damals wie heute im Zuger Meisterkader und untermalen damit die vorzügliche Nachwuchsarbeit beim LKZ. «Es fühlt sich an, als wäre er eben erst passiert, dieser Titelgewinn bei den Juniorinnen. Und nun haben wir schon diesen riesigen Sprung in der SPL 1 geschafft», meinte Heinzer fast ein wenig ungläubig. Dann kehrte sie zurück zur Meisterparty, an der auch ein ganz spezieller Kollege teilnahm: eine Pappfigur mit dem Kopf von Macaulay Culkin, dem Hauptdarsteller von «Kevin – Allein zu Haus». Seit dem Playoff-Halbfinal gegen die Spono Eagles Ende April ist er auf der Bank der Zugerinnen zu Gast. «Bis dahin hatten wir Spono in dieser Saison nie geschlagen», erklärte Sahli. Also habe man sich vor dem Spiel nicht Aufnahmen von Spono, sondern den Film «Kevin – Allein zu Haus» angeschaut. «Kevin wehrte sich mit Cleverness und Frechheit gegen erfahrene Einbrecher, musste dabei auch einiges einstecken, hat aber immer an sich geglaubt. Das brachte bei uns Lockerheit rein.»

Das steckt hinter der Zuger Handschrift

Neben der Lockerheit war die von Sahli immer wieder erwähnte Zuger Handschrift ein zentraler Erfolgsfaktor. «Seit Februar entwickelten wir einen Stil, mit dem wir auch die wichtigen Spiele gewinnen können. Bis dahin haben wir viel Aufbauarbeit betrieben, schufen wie bei einer Pyramide ein breites Fundament mit einem variablen Spiel», so Sahli. Zuletzt habe man sich aber auf das Wesentliche fokussiert – auf eine starke Abwehr und lediglich zwei, drei Auslösungen in der Offensive, diese dafür aber umso effektiver umgesetzt. Der Plan, so darf man beim LKZ hochzufrieden festhalten, ist mit dem fünften Meistertitel und dem dritten Double der Vereinsgeschichte perfekt aufgegangen. Die lange Aufbauarbeit hat sich ausgezahlt, die Durststrecke ohne Titel endet nach sechs Jahren.

Frauen. SPL 1. Playoff-Final (best of 5). 3. Spiel: Brühl – Zug 29:33 (13:16); Endstand: 0:3, Zug ist zum fünften Mal Meister.

LC Brühl - LK Zug 29:33 (13:16)
Axa-Arena, Winterthur. – 50 Zuschauer. – SR Brunner/Salah. – Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen Brühl, 4-mal 2 Minuten gegen Zug. – Brühl: Dokovic (2 Paraden)/Fabia Schlachter (6); Betschart (7 Tore), Altherr (3), Gutkowska (2), Simova (1), Lüscher (3), Schmid (6/1), Marina Schlachter, Pavic (6/2); Brunner (1), Schnyder, Stacher. – Zug: Abt (11 Paraden)/Ligue (3)/Booijink; Cavallari, Estermann (7 Tore), Stutz, Kähr (9/2), Gwerder (2), Eugster, Heinzer (7/1); Tschamper, Hess (4), Spieler (2), Baumann (2), Jonsdottir. –Bemerkungen: Zug ohne Scherer, Berchtold, Brühl ohne Fudge, Forizs, Tomasini (alle verletzt). Stutz-Penalty an Pfosten (2./2:1). Abt pariert Penalty von Pavic (18./9:9). Gutkowska-Penalty übers Tor (19./10:10). Ligue pariert Penalty von Pavic (42./18:22).