Kommentar

Die Profivereine stehen erneut vor dem Nichts: Einsam durch diesen Herbst

Der Bundesrat verbietet Veranstaltungen mit über 50 Zuschauern. Das wirkt sich massiv auf die Profivereine im Sport aus. Denn die wirtschaftliche Not wird durch die neusten Massnahmen verschärft.

François Schmid-Bechtel
Drucken
Teilen
Die Stadien in der Schweiz bleiben bis auf Weiteres leer.

Die Stadien in der Schweiz bleiben bis auf Weiteres leer.

Anthony Anex / KEYSTONE

Immerhin ist der Flickenteppich entsorgt. Es geht nun nicht mehr, dass im Kanton St.Gallen oder Luzern Grossanlässe mit über 1000 Zuschauern erlaubt sind und in Basel nicht. Trotzdem ist der gestrige Tag kein guter Tag für den Schweizer Profisport. Dabei haben die Klubs viel Geld, Energie und Herzblut in die Umsetzung der Schutzkonzepte gesteckt. In Aarau haben Fans in Fronarbeit 1600 Sitzschalen montiert, um das Brügglifeld coronatauglich zu machen. Und nun? Alles für nichts. Ab sofort dürfen nur noch maximal 50 Zuschauer ins Stadion.

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga sagte an der gestrigen Pressekonferenz: «Durch diesen Herbst kommen wir nur gemeinsam.» Treffender wäre: einsam.

François Schmid-Bechtel

François Schmid-Bechtel

Einsam, respektive allein gelassen, fühlen sich vermehrt auch die Profiklubs. Denn die wirtschaftliche Not wird durch die neusten Massnahmen verschärft. Die versprochenen Darlehen sind noch immer nicht geflossen. Zahltag soll im Dezember sein. Ausserdem: Die Darlehen betragen höchstens 25 Prozent des betrieblichen Aufwands. Im Fussball erwirtschaften die Super-League-Klubs aber zwischen 35 und 40 Prozent ihrer Einnahmen aus dem Spielbetrieb. Je länger die Stadien leer bleiben, desto weniger geht die Rechnung auf. Es wäre also an der Zeit, über die Wiedereinführung der Kurzarbeit für Profisportler zu diskutieren. Das wäre auch ein Mittel, um zu verhindern, dass die Darlehen dereinst in Subventionen umgewandelt werden müssen, um den Kollaps zu verhindern.

Die rigorose Zuschauerbeschränkung im Profisport irritiert, weil bis heute nicht erwiesen ist, dass sich Menschen in Stadien angesteckt haben. Zugegeben, in den Schutzkonzepten ist die An- und Abreise nicht geregelt. Aber gilt dort nicht dasselbe, was auch im normalen Pendlerverkehr gilt? Nämlich Maskenpflicht. Und warum dürfen in ein Kino mit 100 Plätzen gleich viele Leute rein wie in ein Fussballstadion mit einer Kapazität von 18000 Zuschauern?

Ein Zückerchen spendiert Frau Sommaruga doch noch. «Je rascher man das Virus unter Kontrolle bringe, desto mehr liege wieder drin.» Schön. Dann fahren wir wieder rauf und die Massnahmen runter. Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Virus und Mensch geht in die nächste Runde. Massnahmen werden verschärft. Und der Sport muss wieder bluten.