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EISHOCKEY: Ambri hat vieles richtig gemacht

Wie gut ist das neue Ambri-Piotta kurz vor Schluss der Qualifikation? Besser, als es die Statistik vermuten lässt.
Klaus Zaugg
Ambri-Verteidiger Michael Fora ist mit 22 Jahren der jüngste Captain der Liga. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Zürich, 13. Januar 2018))

Ambri-Verteidiger Michael Fora ist mit 22 Jahren der jüngste Captain der Liga. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Zürich, 13. Januar 2018))

Klaus Zaugg

sport@luzernerzeitung.ch

Im letzten Sommer hat der Vorsitzende Filippo Lombardi an einem magischen Ort die neue Bescheidenheit, die Rückkehr zur Vernunft, das Vertrauen in die eigene Kultur verkündet. In ­Giornico. Dort, wo vor mehr als 600 Jahren 175 Tessiner 10000 aus Norditalien anrückende ­Krieger vernichtend geschlagen haben. Das Stärkeverhältnis zwischen Ambri und den Titanen der Liga dürfte im finanziellen Bereich ähnlich sein wie damals zwischen den tapferen Leventinern und den Eindringlingen.

Das Verkünden einer Strategie ist eines. Sie umzusetzen eine ganz andere Sache. Vor einem Jahr hatte Ambri zum gleichen Zeitpunkt 48 Punkte auf dem Konto. Jetzt sind es 54. Und das ist jetzt alles? Auf den ersten Blick und rein statistisch gibt es also keinen grossen Unterschied zwischen dem alten und dem neuen Ambri. Doch auf den zweiten Blick ist ­alles anders. Ambri ist ohne Trainerwechsel, ohne Polemik, ohne Diskussionen über die Strategie und ohne Budgetüberschreitung durch die Qualifikation gekommen. Am Ende warten zwar mit grosser Wahrscheinlichkeit wieder die Playouts. Aber die finale Auseinandersetzung um den Ligaerhalt wird nicht mehr als Misserfolg oder gar Schmach gesehen. Sondern als Herausforderung.

Signal an junge Spieler der ganzen Schweiz

Sportchef Paolo Duca hat den Auftrag, die neue Strategie umzusetzen. Den Weg zurück zur Vernunft zu gehen. Dass es diese Saison keine Diskussionen mehr gegeben hat, überrascht ihn nicht. «Wir haben gar keine andere Wahl, wenn wir in der NLA bestehen wollen.» Wenn er jetzt eine erste Bilanz zieht, ist er einerseits zufrieden und andererseits nicht. Nicht zufrieden ist er mit den Resultaten. Kein Sportchef kann, darf zufrieden sein, wenn seine Mannschaft zwei Runden vor Qualifikationsschluss auf dem zweitletzten Platz steht. Aber es gibt da auch noch eine andere Sicht der Dinge. Er sagt: «Ich bin zufrieden mit der Art und Weise, wie wir täglich arbeiten und wie wir bisher als Mannschaft aufgetreten sind. Wir haben bisher nur selten nicht gut gespielt und meistens leidenschaftlich gekämpft und nicht aufgegeben. Eine neue Strategie umzusetzen braucht viel mehr Zeit als nur eine Saison.»

Aber Duca mag es nicht, jetzt schon Bilanz zu ziehen. Der Ligaerhalt sei noch nicht gesichert. Er ist weit davon entfernt, die Situation zu unterschätzen. «Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie schwierig der Abstiegskampf ist.» Aber das, was er bisher gesehen hat, stimme ihn zuversichtlich. Die Frage ist natürlich, wie es weitergehen soll. Der Trainer ist für den Erfolg des Augenblicks zuständig. Dem Sportchef aber obliegt es, langfristig zu denken. Er sagt, es gehe jetzt darum, die neue Politik der Vernunft noch konsequenter umsetzen. «Wir möchten, dass junge Spieler zu uns kommen, weil sie wissen, dass sie bei uns die besten Entwicklungsmöglichkeiten haben, dass sie bei uns früher Verantwortung übernehmen können als bei anderen Klubs.» Paolo Duca arbeitet daran, Ambri zum besten Ausbildungsklub der Liga zu ­machen. Ein starkes Zeichen: ­Michael Fora ist mit 22 der jüngste Teamcaptain der Liga. In Lugano ist der Leitwolf mit der Binde am Ärmel 31 (Chiesa), in Zug 32 (Diaz) und in Kloten 28 (Hollenstein). Michael Fora hat diese Saison auch seine ersten Länderspiele bestritten. Und er hat seinen Vertrag vorzeitig bis 2021 verlängert. Ein Bekenntnis zu Ambri. Die Botschaft des neuen Ambri ist an der Basis, bei den Spielern angekommen.

Aber noch nicht ganz beim Publikum. Zumindest auf den ersten Blick. Der Zuschauerschnitt ist leicht zurückgegangen. Von 4955 in der letzten auf 4817 pro Spiel in der laufenden Saison. Aber eigentlich ist es nur eine ­Zufallsdifferenz und letztlich als Erfolg zu werten: Wer seinen Fans vor der Saison erstmals seit Menschengedenken nicht mehr Ruhm und Siege, sondern Mühsal, Schweiss und Tränen verspricht (frei nach Winston Churchill) und nur 135 Zuschauer pro Spiel einbüsst, hat eigentlich alles richtig gemacht.

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