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EISHOCKEY: Ambri hat wieder eine Seele

Ambri-Piotta muss auch in dieser Saison in die Abstiegsrunde. Die Partie vom 27. Januar in Bern hat aber gezeigt: Die Tessiner werden nie aufgeben. Eine Analyse.
Klaus Zaugg
Räumen vor ihrem Tor gegen den Berner Alain Berger auf: Ambris Marco Müller, Marc Gautschi und Michael Fora (von links). (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Bern, 27. Januar 2018))

Räumen vor ihrem Tor gegen den Berner Alain Berger auf: Ambris Marco Müller, Marc Gautschi und Michael Fora (von links). (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Bern, 27. Januar 2018))

Klaus Zaugg

sport@luzernerzeitung.ch

Der 27. Januar ist ein Freudentag für die Götter im Hockeyhimmel. Ambri verliert zwar. Aber es offenbart seine Hockey-Seele: unbeugsam im Herzen, besiegbar nur auf dem Eis. An diesem 27. Januar zieht Ambri in Bern mit 4:6 den Kürzeren und erzählt uns in zwei Stunden seine ganze Geschichte. 0:5 steht es nach zwei Dritteln. Na und? Eine gewöhnliche Mannschaft lässt in dieser Situation den Dingen ihren Lauf. Wozu noch eine Anstrengung?

Und so fahren gelangweilte Chronisten auf der Medientribüne erschrocken zusammen, als ein sonst höflicher, charmanter junger Mann in einem kurzen, heftigen Zornesausbruch mit der Faust aufs Pult schlägt. Es ist Paolo Duca, der Sportchef von Ambri-Piotta. Was regt er sich bloss auf? Diese Hockeymesse ist doch längst gelesen.

Aber so ist es nicht. Ambri holt bis auf 4:5 auf, der Titan SCB wankt und taumelt schliesslich noch zu einem 6:4-Sieg. Wir widmen dieser Partie nachträglich noch so viele Worte, weil sie uns das neue Ambri erklärt. Die Leventiner haben die Philosophie ihres Sportchefs und ihres Trainers vorgelebt: niemals aufgeben! Es ist ein Spiel, das uns beweist, dass Ambri wieder eine Seele hat. Vorbei die dunklen Jahre der Gleichgültigkeit, des Haderns und Jammerns mit den Schiedsrichtern und der Liga und sonst noch allen, die Ambri nicht gut gesinnt sind. Vorbei die Zeit der Schuldzuweisungen, Trainer- und Sportchefentlassungen. Und seit dieser Offenbarung zu Bern hat Ambri nicht mehr verloren, sondern dreimal hintereinander gegen Servette, Fribourg und in Davos gewonnen.

Den grossen Worten des letzten Sommers sind grosse Taten im Herbst und im Winter gefolgt. In der finanziellen und sportlichen Not ist Ambri zu seinen Ursprüngen zurückgekehrt. Der Hockeytempel Valascia ist wieder ein Hockey-Wallfahrtsort der Hoffnung. Auf dem Eis wird leidenschaftlich das spirituelle Erbe von Asterix & Obelix zelebriert. Ambri, der letzte Ort der «anderen», der «besseren» Hockeywelt. Ambri als «gallisches Dorf» unseres Hockeys, unbeugsam und in der Seele unbesiegbar im Imperium des helvetischen Profihockeys.

Über die Jahre hatte Ambri nicht nur viel zu viele Spiele und viel zu viel Geld verloren. Ambri hatte auch den tiefen Bezug zu seiner ganz besonderen Kultur und Geschichte und seine Identität verloren. Mit dem Engagement von Paolo Duca als Sportchef und Luca Cereda als Trainer, zwei Söhnen des Tales, hat Präsident Filippo Lombardi diesen Fehler im letzten Moment korrigiert. Nun erleben wir die erfolgreiche Rückkehr der letzten wahren Hockey-Romantiker.

Bewährungsprobe steht noch aus

Bis Anfang Dezember hatte Ambri gute Chancen auf die Playoffs. Die Transferrechnungen des Sportchefs sind alle aufgegangen. Benjamin Conz ist besser als sein Vorgänger Sandro Zurkirchen, Dominik Zwerger ist die Rolex vom Transferwühltisch und inzwischen Team-Topskorer. Die Jungen bewährten sich. Michael Fora hat es bis in die Nationalmannschaft gebracht. Zu keinem Zeitpunkt ist der Trainer in Frage gestellt worden. Ambri hat sieben Punkte mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr, und der Rückstand auf den rettenden 10. Platz beträgt 8 Punkte. Vor einem Jahr waren es 12.

Aber die ganz grosse Bewährungsprobe steht noch aus. Ambri hat sich erst in der Qualifikation bewährt. Siege waren schön, Niederlagen ärgerlich, aber nicht existenzbedrohend. Nun wird es nur noch um die Resultate gehen. Ehrenrettungen wie beim eingangs erwähnten 4:6 in Bern ­haben keinerlei Wert mehr. Unbesiegbar im Herzen zu sein, genügt nicht mehr. Nun braucht es die Unbesiegbarkeit auf dem Eis. Es wird ein Ringen um die sportliche Existenz gegen zwei Klubs, die ihre Identität auch verloren, aber noch nicht wiedergefunden haben: gegen Lausanne und gegen Kloten. Beide haben ihre Trainer gewechselt, Kloten auch noch den Sportchef. Beide sind auf dem Papier besser, aber Ambri hat die stärkere Seele. Ach, Ambris Rettung täte uns allen in der Hockeyseele gut. Es wäre der Beweis, dass es doch noch Hockey-Romantik gibt. Und es würde den Göttern im Hockeyhimmel gefallen. Vielleicht helfen sie ja Ambri ein wenig.

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