EISHOCKEY: Ambri-Piottas Plan mit Ivano Zanatta

In Ambri verliert Serge Pelletier an Machtfülle: Der Franko­kanadier soll sein Amt als Sportchef abgeben. Nachfolge-Favorit ist Ivano Zanatta (55).

Nicola Berger
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Rückkehr ins Tessin? Ivano Zanatta 2007 als Lugano-Trainer. (Bild: Keystone/Marcel Bieri)

Rückkehr ins Tessin? Ivano Zanatta 2007 als Lugano-Trainer. (Bild: Keystone/Marcel Bieri)

Auf die Playoff-Euphorie der Saison 2013/14 folgte im HC Ambri-Piotta in der abgelaufenen Spielzeit der grosse Kater: Platz 11 – und eine Nervenschlacht im Playout-Final gegen den Absteiger Rapperswil (4:2 Siege). In der Kritik stand vorab Serge Pelletier (49, Vertrag bis 2016), der den Klub seit Frühjahr 2013 im Doppelamt als Trainer/Sportchef führt und der im September das realitätsfremde Saisonziel ausgab, den siebten Rang aus dem Vorjahr übertreffen zu wollen.

Es war nicht die einzige Fehleinschätzung des Frankokanadiers; in seiner Rolle als Manager zeichnete er für mehrere missglückte Transfers verantwortlich (Bouillon, O’Byrne, Birbaum) und sorgte zuletzt mit dem Engagement von Nolan Schaefer (35) für Irritationen. Denn Ambri verfügt mit Sandro Zurkirchen (25) über eine unumstrittene Nummer 1, und den Posten des Ersatzkeepers bekleidet Michael Flückiger (31), für den der Klub nun einen Abnehmer benötigt. Die Suche gestaltet sich als diffizil; die angestrebte Lösung mit den SCL Tigers dürfte sich zerschlagen, weil der Aufsteiger zu einer Verpflichtung von Ivars Punnenovs (20, zuletzt Rapperswil) tendiert. Das finanziell chronisch angeschlagene Ambri riskiert also, 2015/16 drei Torhüter auf der Lohnliste stehen zu haben – ein seltsamer Weg, die ohnehin bescheidenen Mittel zu verwenden.

Zanatta im zweiten Anlauf?

Die Unzulänglichkeiten haben nun offenbar die Chefetage auf den Plan gerufen. Dem Vernehmen nach will Präsident Filippo Lombardi im sportlichen Bereich neue Strukturen schaffen – und die einst aus Kostengründen eingeführte Doppelfunktion Coach/Sportchef wieder entzweien. Der Entscheid ist so weit gereift, dass das Engagement eines neuen sportlichen Leiters kurz bevorsteht. Im Tessin werden diverse Namen herumgeboten, darunter jene von Nicola Celio, Régis Fuchs und Paolo Duca.

Aussichtsreichster Kandidat dürfte indes Ivano Zanatta sein. Der Italokanadier wäre im Winter 2012 beinahe Nachfolger des geschassten Theoretikers Kevin Constantine als Ambri-Coach geworden und erhielt den Job in erster Linie darum nicht, weil sein Konkurrent Pelletier zu vorteilhafteren Konditionen zu haben war.

Zanatta wäre auch zweieinhalb Jahre später eine interessante Wahl. Bis zu seinem Rücktritt 1996 dominierte er als Spieler die italienische Liga. Beim HC Lugano heuerte er 2000 als Assistenztrainer an, 2005 trat er das Erbe von Larry Huras als Chefcoach an. Nach seiner Entlassung im Winter 2007 wechselte er in die KHL, wo er in verschiedenen Rollen für St. Petersburg und Lev Prag arbeitete. Nun könnte Zanatta den Auftrag erhalten, Ambri zurück in die Spur zu bringen. Die Aufgabe wird nicht einfach, das Gros des Kaders steht; gefahndet wird bloss noch nach einem Verteidiger (Sven Berger?), zwei Angreifern (Bastl, Schommer, Simek, Monnet?) sowie zwei Ausländern.