EISHOCKEY: Aufstieg in dritthöchste Männerliga

Während ihre Kolleginnen mit dem Nationalteam in Pyeongchang den Olympiatraum leben, bastelt die Schwyzer Torhüterin Vanessa Bolinger (19) in der Schweiz an ihrer Karriere.
Daniel Monin
Vanessa Bolinger will hoch hinaus. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 27. Januar 2016))

Vanessa Bolinger will hoch hinaus. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 27. Januar 2016))

Daniel Monin

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Eishockey-Torhüterinnen in den oberen Schweizer Amateurligen sind eine Seltenheit. Der Torhüterjob in Männerteams ist eine klare Männerdomäne. Ausnahmen bestätigen die Regel: Etwa der EHC Saastal in der 1. Liga, wo die ehemalige Nationaltorhüterin Sophie Anthamatten seit über 10 Jahren im Tor steht. Vanessa Bolinger, die bald 20-jährige Schwyzerin, ehemalige U18-Nationalkeeperin, aktuell im Elite-B-Team des EHC Chur, will noch eine Stufe höher hinaus: In die auf diese Saison hin neu eingeführte oberste nationale Amateurliga, die MySports League (dritthöchste Liga). «Für die kommende Saison habe ich eine Zusage des EHC Chur», sagt sie stolz.

Vanessa Bolinger, beim EHC Seewen und später im HC Innerschwyz Future gross geworden, hat allen Grund, stolz zu sein. Sie könnte die erste Frau werden, die in einem MSL-Team im Kasten steht. «Ein paar Minuten konnte ich im Cup gegen Zug bereits spielen. Das war ein echtes Highlight», erzählt sie. Daraus soll mehr werden, «auch wenn ich mir durchaus dessen bewusst bin, dass meine Chancen auf kontinuierliche Einsätze in der dritthöchsten Schweizer Liga wohl eher gering sind».

Enttäuschung wegen fehlenden Aufgebots

Das musste auch bereits die aktuelle Nationaltorhüterin Florence Schelling am eigenen Leib erfahren, als sie im 1.-Liga-Team des EHC Bülach in zwei Jahren auf nur 20 Einsätze kam, bevor sie sich dem schwedischen Spitzenclub Linköping anschloss. «Allein die Tatsache, dass man mir in Chur einen Vertrag im MSL-Team angeboten hat, beweist mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin.» Es sei auch eine Genugtuung, «nachdem mein olympischer Traum geplatzt ist, ohne dass ich jemals eine echte Chance erhalten habe». Die junge Frau stand letztmals am 20. August 2017 im Tor des Schweizer Frauen-Nationalteams, in einem Testspiel gegen Frankreich. «Danach erhielt ich kein Aufgebot mehr, obwohl ich die beste Saison meines Lebens spiele», hält sie nüchtern fest. Als Beweis führt sie unter anderem die Statistiken der Elite-B-Meisterschaft an: Hinter den beiden Rapperswil-Torhütern liegt die Schwyzerin auf Rang 3. In 19 Spielen und über 1100 Einsatzminuten kam Vanessa Bolinger auf einen Gegentorschnitt von 2,38 Treffern.

Den nächsten Schritt will sie ab morgen Mittwoch machen, in den Playoffs der Elite-B-Meisterschaft, in denen sich das zweitplatzierte Chur einiges vorgenommen hat. «Ich weiss, dass ich die erste Partie bestreiten werde. Das Vertrauen, das mein Trainer Marco Capaul und der ganze Verein in mich setzen, macht mich stark.» Im Gegensatz zur Meisterschaft, während der sie sich die Einsätze mit den Davoser Elite-Torhütern, die jeweils auch in Chur spielen, geteilt hat, ist sie für die Playoffs als Nummer eins gesetzt.

Wechsel ins Ausland? Nicht auszuschliessen

Wie ihre Zukunft nach dem Lehrabschluss im Sommer aussehen wird, lässt sie zumindest teilweise noch offen: «Ich will meine Chance packen. Ich kann in der Schweiz zurzeit mehr profitieren als im Ausland.» Deshalb wird sie wohl den Vertrag in Chur annehmen, «auch wenn ich später möglicherweise ausgeliehen werde». Sie weiss, dass sich ein Torhüter auch über Spiele definiert und es deshalb wichtig ist, «dass ich auf möglichst hohem Niveau zum Einsatz komme».

Trotzdem scheint ein Zweitengagement bei einem Frauenclub wie diese Saison bei Reinach eher unwahrscheinlich. Den Weg an eine Universität in Übersee, in eine der beiden Profiligen in den Staaten oder in Kanada oder beispielsweise nach Schweden lässt sie sich offen, sagt aber klar: «Meine unmittelbare Zukunft liegt in der Schweiz. Ich bin bereit, die neue Herausforderung anzunehmen.»

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