EISHOCKEY: Bürgler kann Zug glücklich machen

Wenn Dario Bürgler (28) in den Playoffs so spielt wie am Samstag in Ambri, dann kann Zug Meister werden. Der Stürmer der dritten Linie traf eiskalt.

Klaus Zaugg
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Puck ins Netz geschossen und die Freude rausgelassen: So bejubelte EVZ-Stürmer Dario Bürgler sein 1:1 am Samstag in Ambri. (Bild: Keystone/Samuel Golay)

Puck ins Netz geschossen und die Freude rausgelassen: So bejubelte EVZ-Stürmer Dario Bürgler sein 1:1 am Samstag in Ambri. (Bild: Keystone/Samuel Golay)

Es ist nur eines von 50 Qualifikationsspielen. Und für die Zuger erst noch eines ohne Dramatik. Sie segeln in der vorderen Tabellenhälfte weitgehend sorglos den Playoffs entgegen. Es ist also schon etwas abenteuerlich, ausgerechnet aus dem Meisterschaftsalltag im Januar Lehren für die Playoffs zu ziehen.

Und doch ist es so. Bei den Titanen – bei den ZSC Lions, Zug, Lugano, Davos – werden sich die ersten zwei Blöcke mehr oder weniger in Schach halten. «Secondary Scoring» wird entscheidend sein. Wie soeben in Ambri. In einer Szene lässt Dario Bürgler alle Kritik vergessen. Er zwickt in der 9. Minute die Scheibe schnell, präzis und unhaltbar zum 1:1 ins Netz. Wie aus heiterem Himmel fällt dieses Tor. Ambris stürmische Anfangsoffensive ist zu Ende.

«Die andere Statistik» von Bürgler

Für solche Szenen hat Zug den Sohn von Lauberhorn-Sieger Toni Bürgler (1981) im Sommer 2014 aus Davos zurückgeholt und zu einem der bestbezahlten Spieler der Klubgeschichte gemacht. In Davos war Dario Bürgler zeitweise Team-Topskorer und erzielte zweimal mehr als 20 Treffer pro Saison. Die himmelhohen Erwartungen hat er in der ersten Saison in Zug mit 10 Treffern nicht erfüllt. Allerdings plagten ihn Verletzungen, und er konnte nur 35 von 56 Partien bestreiten.

Und jetzt? Dario Bürgler ist wieder gesund. Aber die statistischen Werte sind so schwach wie noch nie seit 2007. Fünf Tore und fünf Assists. In Ambri erzielte der kräftige Flügel (185 cm/91 kg) erstmals seit dem 28. November oder zehn Spielen wieder einen Treffer. Noch gibt es keine Polemik, und mit einem Vertrag bis 2018 braucht er sich keine Sorgen zu machen. Aber wenn er sich diese Saison nicht klar steigert, riskiert er im Laufe des nächsten Jahres trotz gültigem Vertrag ein Transfer-Tauschgeschäft. Und spielt er bis im Frühjahr 2018 nicht besser, hat er im besten Alter nur noch den Marktwert eines Mitläufers. Sein Salär würde halbiert.

Noch bleibt viel Zeit. Dario Bürgler hat das Glück, dass das Management in Zug vernünftig und geduldig ist. Doch er weiss um den Ernst der Lage: «Von mir werden Tore erwartet. Aber es gibt auch eine andere Statistik, die in meiner Situation wichtig ist.» Er meint die Plus/Minus-Statistik. Sie sagt, bei wie vielen Plus- und Minustoren seiner Mannschaft ein Spieler auf dem Eis steht. Und die ist mit +1 in der Tat bemerkenswert. Wenn die dritte Linie mehr Tore erzielt als kassiert, dann kann ein Team sehr weit kommen.

Erklärungen statt Ausreden

Diese neue Rolle in der dritten Linie ist die Folge eines schwachen Saisonstartes. «Ich habe meinen Platz in den ersten zwei Linien schon Anfang Saison verloren», sagt Dario Bürgler. «Ich musste in der vierten Linie wieder von vorne anfangen. Ich kann diese Entscheidung des Trainers verstehen, und es ist an mir, aus der Situation das Beste zu machen. Immerhin bin ich inzwischen ja schon in der dritten Linie angekommen ...» Einfach sei es nicht, wenn die Eiszeit halbiert werde. Von über 20 Minuten auf noch rund 10 Minuten.

Dario Bürgler liefert Erklärungen. Aber er sucht keine Ausreden. Seine positive professionelle Arbeitseinstellung ist bemerkenswert – und sie kann die Zuger in den Playoffs weit bringen. Wenn sie es am Ende gar erstmals seit dem Titelgewinn 1998 bis in die Finalserie schaffen, wird kein Mensch danach fragen, warum Dario Bürgler wieder nicht so viele Tore erzielt hat wie zuvor in Davos. Dann sind sie in Zug zufrieden mit sich und der Welt.