EISHOCKEY: Colin Schleiss: «Ich habe gelernt zu kämpfen»

Colin Schleiss (20) ist ein Ur-Zuger. Seine Zukunft sieht er in seinem Stammverein EVZ. Nun kämpft der Steinhauser um eine Vertragsverlängerung in der NLB-Equipe.

Michael Wyss
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«Mein Herz gehört dem EVZ», sagt Colin Schliess (links). (Bild: Werner Schelbert (Zug, 28. Oktober 2016))

«Mein Herz gehört dem EVZ», sagt Colin Schliess (links). (Bild: Werner Schelbert (Zug, 28. Oktober 2016))

Michael Wyss

sport@zugerzeitung.ch

«Ich bin begeistert vom russischen Eishockey», beginnt Colin Schleiss zu schwärmen, «insbesondere von den Weltklassespielern Alexander Owetschkin und Ilja Kowaltschuk. Die leben das Eishockey einfach. Ihre Technik und ihre Spielübersicht beeindrucken mich.» Schleiss ist ein grosser Fan der NHL-Sturmlinie Nicklas Backstrom, T. J. Oshie und eben Owetschkin bei den Washington Capitals. «Gerne würde ich mal mit ihnen spielen», sagt der 20-Jährige lachend.

Der Steinhauser backt derzeit etwas kleinere Brötchen in der NLB bei der EVZ Academy. Doch der Stürmer erlebt, nebst dem Gewinn der Bronzemedaille mit den Zuger Elite-A-Junioren, derzeit den sportlichen Höhepunkt seiner bisherigen Karriere. «Auf diesem Niveau zu spielen und Teil dieser Truppe zu sein, ist fantastisch und macht mich stolz.» Daran können die schlechten Ergebnisse zuletzt nichts ändern (siehe Box).

Nach seiner Nachwuchszeit, die er beim EVZ durchlief, ist es für Schleiss das erste Jahr in einer Profimannschaft. «Die bisherige Zeit in der NLB hat mir sehr gut getan. Ich konnte taktisch und spielerisch schon viel profitieren. Das ist eine andere Liga als noch bei den Elite-Junioren. Hier wird richtiges Männer-Eishockey gespielt. Vor allem in physischer Hinsicht wird man stark gefordert. Das Medieninteresse ist grösser, du spielst vor mehr Fans und gegen namhafte Gegner», fasst der frühere KV-Sportlerlehrling zusammen.

Mit einem Blick auf die Ernährung

Vom Eishockeyvirus befallen ist auch sein jüngerer Bruder. Calvin (17) spielt bei den Elite-Junioren des EVZ und absolviert die Lehre in The Hockey Academy. Der ältere Bruder Cyrill (23) studiert Maschinenbau in Rapperswil, spielt nebenbei intensiv Posaune und hat sich der Jazzmusik verschrieben. «Mein Vater Bruno liebt den Eishockeysport und hat mit uns von klein auf stundenlang vor dem Haus sowie auf dem Eisfeld in der damaligen Herti gespielt. Eishockey war also schon immer unsere Leidenschaft», sagt Schleiss lachend. «Meine Familie ist mein ganz grosser Rückhalt. Mutter Silvia ist für mich und meinen Bruder Calvin immer da, wenn es um die Ernährung und die Erholung geht. Gesunde Ernährung ist uns wichtig, und ich schätze sehr, mittags oft zu Hause essen zu können. Am liebsten mag ich jedoch Pizza mit Schinken und Salami», schliesst Schleiss mit einem Grinsen.

Dem EV Zug blieb Schleiss, der sich als positiv denkender und fröhlicher Mensch bezeichnet, immer treu. «Ein Wechsel stand für mich nie zur Diskussion. Mein Herz gehört dem EVZ. Hier habe ich die Freude zum Eishockey entdeckt, hier möchte ich auch bleiben.» Träumen tut der 185 Zentimeter grosse und 84 Kilogramm schwere Flügelstürmer natürlich von einer NLA-Karriere, «cool wäre natürlich beim EVZ», sagt der Steinhauser. NLA-Luft schnuppern konnte Schleiss, der an zwei Abenden in der Woche die Berufsmatura absolviert, bereits in dieser Saison. «Ich durfte einmal mit der Equipe von Trainer Harold Kreis trainieren, weil der eine oder andere Spieler mit der Nationalmannschaft im Einsatz stand. Die 90 Minuten bleiben natürlich in positiver Erinnerung.»

Lob von Leo Schumacher

Schleiss’ NLB-Vertrag läuft Ende Saison aus. «Ich hoffe, dass ich bei der Academy bleiben kann. Es gefällt mir sehr gut im Team. Ich denke auch, dass mir ein zweites NLB-Jahr sehr guttun würde für meine weitere Entwicklung.» Positiv auf Schleiss ist der zukünftige Trainer der GCK Lions, Leo Schumacher, zu sprechen, der ihn bei den Elite-Junioren während dreier Saisons betreute: «Colin ist eine Kämpfernatur, sehr ehrgeizig, seriös und zuverlässig. Auf ihn kann man sich verlassen. Er ist ein mannschaftsdienlicher Spieler und macht seinen Job. Für ein Team kann er Gold wert sein. Er hat sich bei mir zu einem Leistungsträger entwickelt.» Dass er ein Kämpfer ist, hat Schleiss schon eindrücklich bewiesen: «Ich hatte zwei Hirnerschütterungen. Doch ich gab nicht auf und kämpfte mich wieder zurück.» Diese beiden Verletzungen seien das Schlimmste gewesen, was er bisher erfahren musste.

Was bedeutet ihm das Eishockey? «Alles! Es ist mein Leben. Ich könnte nicht darauf verzichten. Ich schaue auch täglich die NHL-Zusammenfassungen. Es dreht sich alles ums Eishockey», sagt er sofort. Dieser Sport habe ihn auch geprägt: «Eishockey war bisher eine sehr gute Lebensschule für mich. Ich habe gelernt zu kämpfen und hatte mit Leo Schumacher einen der strengsten Trainer. Heute bin ich ihm für vieles dankbar. Er hat mich weitergebracht und mir die Augen geöffnet und aufgezeigt, dass man im Leben auch beissen und durchhalten muss, um seine Ziele zu erreichen.» Wo muss sich Schleiss verbessern? «Ich bin nicht der Knipser, mir fehlt noch der Killerinstinkt. Ich muss frecher werden, vielleicht manchmal auch etwas eigensinniger in gewissen Situationen sein. Ich arbeite daran», verspricht er.