EISHOCKEY: Damien Brunner: «Gänsehaut pur»

Im dritten NHL-Spiel erzielt Damien Brunner sein erstes «richtiges» Tor. Im Interview spricht Brunner über seine ersten Wochen in der Liga.

Nicola Berger, Detroit
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Damien Brunner im Red Wings Dress. (Bild: Keystone)

Damien Brunner im Red Wings Dress. (Bild: Keystone)

3,4 Sekunden waren noch zu spielen, als es doch noch klappte: Dienstagnacht erzielte Damien Brunner (26) als elfter Schweizer Spieler in der NHL-Geschichte einen Treffer. Brunner war von Pawel Dazjuk mustergültig bedient worden – und versenkte die Scheibe souverän hinter Dallas-Goalie Kari Lehtonen zum 1:2. Wie schon am Vorabend bei seinem sensationellen Penalty-Tor in Columbus wurde ihm der Puck danach von den Teamkollegen zugesteckt.

Er ist der «Blade Brunner»

Tore im Penaltyschiessen zählen in der NHL (und auch in Europa) nicht als «echte» Treffer und werden in der offiziellen Statistik nicht aufgeführt. In seinem dritten Spiel kam der «Blade Brunner», wie er in Übersee in Anlehnung an den Ridley-Scott-Film («Blade Runner») genannt wird, in 19:59 Minuten Eiszeit auf sechs Schüsse (insgesamt bereits 15, am zweitmeisten der Liga), zwei Strafminuten und einen Check.

Gerade wegen seines Tores gab es in der Joe-Louis-Arena nach dem Spiel aber auch hängende Köpfe: Noch sind keine Trikots und T-Shirts mit seinem Namen erhältlich. Angesichts des derzeitigen Hypes um Brunner dürfte sich dies indes rasch ändern.

Damien Brunner, welches Fazit ziehen Sie nach den ersten drei Spielen in der NHL?

Damien Brunner: Es macht wahnsinnigen Spass, in Amerika spielen zu dürfen und sich jeden Abend mit den besten Spielern der Welt zu messen. Leider ist uns der Start nicht nach Wunsch gelungen, aber ich habe keine Angst, dass die Resultate bald besser werden.

Was bedeutet Ihnen der Torerfolg?

Brunner: Ich bin einfach froh, dass es endlich geklappt hat. Ich hatte eigentlich in jedem Spiel ein paar gute Chancen.

Wird man da nervös, wenn die Treffer nicht fallen?

Brunner: Ich konnte das eigentlich gut vermeiden. Gegen Dallas habe ich im zweiten Drittel nicht gut gespielt und einige Fehler gemacht. Danach habe ich mir in der Kabine selber befohlen, ruhig zu bleiben. Zum Glück hat es geklappt.

Wer hat alles gratuliert?

Brunner: Oh, viele Leute, das Handy stand kaum still. Trainer, Ex-Teamkollegen, Ex-Gegenspieler. Ich habe mich sehr gefreut.

Gegen Dallas spielten Sie erstmals in der Detroiter Joe-Louis-Arena und wurden dabei auch dem Publikum offiziell vorgestellt. Was war das für ein Gefühl?

Brunner: Das war der absolute Wahnsinn, Gänsehaut pur. Die Stimmung war sensationell. In solchen Momenten ist man einfach nur dankbar, dass man das alles erleben darf.

Gibt es Dinge, an die Sie sich noch immer erst gewöhnen müssen?

Brunner: Ja, klar. Ich staune immer wieder, wie perfekt alles organisiert ist. So ist sogar das Reisen angenehm. Was das Eishockey angeht, ist alles in etwa so, wie ich es mir vorgestellt habe. Das Spiel läuft viel schneller, man hat weniger Zeit in den Ecken und wird härter angegangen. Für mich ist jeder Tag, jedes Training eine Lehrstunde, in der ich mich verbessern kann und will. Bis jetzt bin ich zufrieden.

Der Privatjet «Red Bird III» scheint es Ihnen angetan zu haben.

Brunner: (lacht) Das kann man sagen, ja. Das Flugzeug ist wirklich erstklassig.

An wem orientieren Sie sich im Team? An Zetterberg?

Brunner: Ja, er hat immer ein offenes Ohr für mich und hilft mir, dass ich mich zurechtfinde.

Auf welches Spiel freuen Sie sich am meisten?

Brunner: Immer auf das nächste!

Heim-Debüt: Zwischen Ambiance und Armut

Detroit nbe. 20 066 Fans kamen am Dienstagabend zum langersehnten, längst ausverkauften ersten Saisonheimspiel der Detroit Red Wings.

Während auf dem Schwarzmarkt dafür Preise von bis zu 150 Dollar bezahlt wurden, konnte man wenige 100 Meter vom Stadion entfernt auch ein anderes Detroit sehen. In Decken eingewickelte Obdachlose schliefen über Gullydeckeln, weil von unten wenigstens etwas Wärme abgesondert wird. In Detroit war die Temperatur in der Nacht auf minus 15 Grad gefallen. Dass bei diesen Bedingungen Menschen kein Dach über dem Kopf haben, während gleich daneben im Sportstadion der Überfluss zelebriert wird, ist trauriger, betrüblicher Teil unserer Gesellschaft.

Die Show aber, das muss man den Red Wings lassen, war gut. Sie verabschiedeten vor dem ersten Bully den früheren Publikumsliebling Tomas Holmström, der seine Karriere einen Tag vor dem 40. Geburtstag beendete. Seine Ex-Teamkollegen wollten dem Schweden zum Abschied einen Sieg schenken, doch das Vorhaben misslang. Gegen die aufsässigen Dallas Stars brachte Detroit lange «kein Bein vors andere».

Brunner einziger Torschütze

Erst 3,4 Sekunden vor Schluss erzielte Damien Brunner den einzigen Treffer für das Heimteam. Der Auftritt war so schwach, dass die Zuschauer nach zwei Dritteln buhten – und Coach Mike Babcock (49) später sagte: «Nach 40 Minuten hätten wir auch mit 0:7 zurückliegen können.» Der Trainer reagierte im Schlussdrittel, indem er die Linien umstellte und auch die designierte Topformation mit Brunner, Datsyuk und Zetterberg trennte. «Das geschieht in Detroit sehr schnell. Ich denke aber, er wird uns wieder zusammen spielen lassen», sagte Captain Zetterberg.

Nach drei Spielen in vier Tagen erhielten die Red Wings gestern einen Tag zur freien Verfügung. Heute dürfte im Training eifrig am Powerplay gefeilt werden. Nach drei Spielen und zwölf Möglichkeiten wartet das Team nämlich weiter auf den ersten Überzahltreffer. In der Nacht auf Samstag (1.30 Uhr MEZ) empfängt Detroit die stark gestarteten Minnesota Wild.