EISHOCKEY: Damien Brunner im Garten Eden

Damien Brunner versetzt bei seiner Präsentation die Resega in Ekstase. Aber die Unterschrift in Lugano ist auch ein Eingeständnis seines Scheiterns.

Nicola Berger, Lugano
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Nehmen Hockeystar Damien Brunner in ihre Mitte: Lugano-Sportchef Roland Habisreutinger (links) und die schwerreiche Klubbesitzerin Vicky Mantegazza (rechts). (Bild: Keystone)

Nehmen Hockeystar Damien Brunner in ihre Mitte: Lugano-Sportchef Roland Habisreutinger (links) und die schwerreiche Klubbesitzerin Vicky Mantegazza (rechts). (Bild: Keystone)

Nicola Berger, Lugano

Damien Brunner betritt das Eis, und die Resega beginnt zu beben: Die Masse skandiert seinen Namen zu dieser fürchterlichen «Hey Anton»-Melodie, in der Fankurve gibt es Menschen, die sich verneigen. Brunner geniesst den Moment in vollen Zügen, ach wie das Leben schön sein kann, er winkt freudig durch das Oval.

Der Angreifer hat sich entschieden, in Lugano sesshaft zu werden, im Florida der Schweiz, wo seine Freundin nicht weit hat zum Beachvolleyballtraining. Die Sonnenstube der Schweiz ist quasi über Nacht zu Brunners persönlichem Garten Eden geworden.

Denn Lugano hat Brunner alles geboten, was er sich immer erträumte: Perspektive, Geld, Zuneigung. Die Konstellation ist neu, denn in Kloten wurde er nicht verkannt, in Zug fühlte er sich unterbezahlt, in Detroit war er nur ein Ergänzungsspieler, und die anderthalb Jahre in New Jersey nennt er heute «eine Katastrophe».

Ein Ende mit einem Missverständnis

Die Zeit bei den Devils endete am Wochenende nur passend: mit einem Missverständnis. Brunner orderte ein Taxi zum Flughafen in Newark und realisierte erst spät, dass sein Rückflug in die Schweiz ab dem 50 Kilometer entfernten John-F.-Kennedy-Flughafen startet.

Generell lässt sich festhalten, dass der Abstecher gen Nordamerika Brunner wohl ein paar Millionen reicher gemacht hat, aber eben auch um einige Illusionen ärmer. Dass er nun mit 28, im besten Eishockey-Alter, Hals über Kopf in die Schweiz zurückkehrt, ist für ihn eine persönliche Niederlage auch wenn er das nie so formulieren würde. Denn ausgezogen war er im Januar 2013 mit kühnen Träumen, er setzte sich das Ziel, in der NHL einen Punkt pro Spiel zu produzieren, mittelfristig, aber die Seifenblasen wichen Stück für Stück der bitteren Erkenntnis, dass in der besten Liga der Welt niemand auf ihn gewartet hat.

45 000 Franken pro Spiel?

Für Brunner war das frustrierend, weshalb die Sehnsucht nach der Heimat wuchs und er das Angebot Luganos einer noch lukrativeren Offerte von ZSKA Moskau vorzog. Er sagt: «Ich habe keine Lust mehr auf ein Leben im Hotel.»

In Lugano will Brunner die Leichtigkeit des Seins wiedererlangen, mit seinem alten Kumpel Patrick Fischer als förderndem Trainer und mit dem grosszügigsten Lohnscheck, der in der NLA je ausgestellt wurde. Kolportiert wird eine Lohnsumme von 3,9 Millionen Franken für vier Jahre, für die verbleibenden 20 Spiele dieser Qualifikation wären das 45 000 Franken pro Partie.

Brunner sitzt im Medienzentrum der Resega, es ist Punkt 12 Uhr. Der Klub hat ein Statistikblatt von der Internetseite «Eliteprospects» ausgedruckt, auf dem steht, dass Brunner passen und schiessen könne. Der Spieler möchte das gerne wieder einmal einem breiten Publikum beweisen, er sagt: «Mir geht es einfach darum, wieder Spass zu haben am Eishockey.» Unter Blitzlichtgewitter schwärmt er von den Vorzügen Luganos, neben ihm lächelt die milliardenschwere Klubbesitzerin Vicky Mantegazza glücklich vor sich hin.

Den Presseraum haben die Luganesi mit Collagen und sonstigen Devotionalien dekoriert, Zeitungsausschnitte erinnern an die ruhmreiche Vergangenheit: «Grande Lugano», lautet eine Schlagzeile und «Una citta in festa». Lugano hat ja viele Erfolge gefeiert, darunter sieben Meistertitel, aber das ist lange her die meisten der Zeitungsberichte sind Schwarz-Weiss-Drucke.

Die Hoffnung des Sportchefs

Seit 2006 hat Lugano keine Playoffserie mehr gewonnen, das können in der Schweiz nicht viele Klubs von sich behaupten. Mit Brunner soll sich das ändern, sagt der stolze Sportchef Roland Habisreutinger. Es ist der gleiche Manager, welcher den Angreifer 2008 von Kloten nach Zug tauschte, für den Gegenwert eines Butterbrotes. Habisreutinger sagt: «Ich habe damals etwas für Damien getan, jetzt hoffe ich, dass er etwas für mich tut.»

Er verpackt es als Scherz, aber natürlich ist es ihm absolut ernst. Die Erwartungen an Brunner sind himmelhoch, und alles andere als der Meistertitel wäre für dieses Lugano es ist das teuerste Ensemble der Klubgeschichte – eine krachende Enttäuschung.

Brunner sagt, der Druck belaste ihn nicht, was keine Floskel ist, weil er sich selbst seit jeher am meisten Pression auferlegt.

Am 22. Dezember wird er debütieren, gegen den HC Davos, einen Tag später empfängt Lugano die Lakers.

Die Menschen werden ihm zujubeln, und Damien Brunner wird glücklich sein, im Tessin seinen ganz persönlichen Garten Eden doch noch gefunden zu haben.