EISHOCKEY: Daniel Steiner spricht erstmals über wüsten Vertragsstreit mit Biel

Seit einem wüsten Vertragsstreit mit seinem damaligen Arbeitgeber Biel und dessen Ex-Trainer Kevin Schläpfer litt der Ruf von Daniel Steiner. Jetzt bezieht der 36-jährige Fribourg-Stürmer erstmals Stellung zu den Vorwürfen.

Andreas Ineichen
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Nach den Turbulenzen in Biel nun bei Fribourg-Gottéron: Daniel Steiner. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Fribourg, 22. Dezember 2016))

Nach den Turbulenzen in Biel nun bei Fribourg-Gottéron: Daniel Steiner. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Fribourg, 22. Dezember 2016))

Interview: Andreas Ineichen

andreas.ineichen@luzernerzeitung.ch

Daniel Steiner, sind Sie wirklich der «Stinkstiefel», wie Sie vom «Blick» bezeichnet wurden?

Nein. Wenn man so manches Jahr wie ich in einer professionellen Mannschaftssportart auf so hohem Level spielt, in der der Teamgeist so sehr im Vordergrund steht, dann würde es ein solch negatives Verhalten eines Einzelspielers gar nicht leiden können.

Was trifft dann auf Sie zu?

Man kann sicher sagen, dass ich Ecken und Kanten habe und vielleicht nicht das bin, was dem Stereotyp eines Eishockeyspielers entspricht, und man kann wahrscheinlich auch sagen, dass ich nicht immer alles richtig mache – aber alles, was ich unternehme, geschieht im Sinne der Sache und im Dienst der Mannschaft. Meine Motivation ist niemals einem Egotrip geschuldet.

Was meinen Sie damit genau, wenn Sie sagen, dass Sie auch nicht immer alles richtig machen?

Ich weiss, dass ich schon mal anecke. Aber ich bin ein offener Typ, und die Leute um mich herum wissen dadurch, woran sie sind. Und das nimmt nicht jeder der gut 30 Personen, die sich in einer Hockey-Garderobe bewegen, gut auf. Ich trage mein Herz schon etwas auf der Zunge, und vielleicht fühlt sich ein Spieler, der sich über eine längere Zeit in der Komfortzone bewegte, durch meine Meinung etwas brüskiert. Aber ich bin so erzogen worden, ich will immer gewinnen, ich bin ehrgeizig. Und das kann mal Reibereien geben, aber eben immer im Sinn der Sache. Manchmal braucht es diese «gesunden» Reibereien, um sich aufzurappeln und in der Folge Spiele zu gewinnen und Erfolg zu haben.

Doch ein paar Ihrer früheren Mitspieler in Biel haben während des von Ihnen angestrengten Gerichtsverfahrens in einem Schreiben mit Unterschrift bestätigt, dass Sie nicht mehr tragbar gewesen sein sollen.

Das wird in den Medien so herumgeboten, aber es wurde heisser gekocht als gegessen, weil die Spieler dieses Schreiben ja nicht selber inszeniert haben.

Erklären Sie das, bitte.

Es ging ja darum, ein Gerichtsverfahren zu gewinnen, und ich hatte nun mal über meinen Anwalt Gelegenheit, reinzuschnuppern, wie das so abläuft bei einer juristischen Auseinandersetzung. Also sehe ich das Ganze nicht so eng.

Nochmals zum besseren Verständnis: Standen da also nur Spieler drauf, die Ihnen absichtlich Böses wollten? Oder auch solche, die sich von der Bieler Klubführung einspannen liessen und Sie mit ihrer Unterschrift überraschten, weil der persönliche Kontakt ein kollegialer war?

Ich möchte keinen Spieler namentlich nennen, weil der eine oder andere vielleicht auch Probleme bekommen könnte. Ich will als Sportsmann fair bleiben. Nur so viel: Streitereien hat es zwischen mir und Teamkollegen und auch der sportlichen Leitung nie gegeben, zumindest hat man mir das nie zu spüren gegeben oder mich in einem Gespräch darauf hingewiesen. Ich bin auch nie ermahnt worden oder hätte mir irgendetwas zu Schulden kommen lassen.

Man pflegt, flapsig zu sagen: «Ist der Ruf mal ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert.» Wie fühlt sich das aber an, wenn man im wirklichen Leben offenbar in ein schlechtes Licht gedrängt wird?

Ich würde lügen, würde ich behaupten, es sei nicht schwierig gewesen in den letzten Wochen und Monaten. Niemand liest solche Schlagzeilen, wie sie der «Blick» machte, gerne über sich. Trotzdem muss man das als gut bezahlter Profi­sportler vielleicht schlucken. Ich weiss es nicht, aber sicher ist, dass diese Geschichte auf beiden Seiten nur Verlierer hervorgebracht hat.

Wegen der Berichterstattung über Ihren Fall sind Sie aber vor allem der Verlierer.

(Überlegt) Ja, wahrscheinlich schon.

Warum haben Sie sich nie gewehrt, als der «Blick» Sie zunächst als «Stinkstiefel» und «Horrorclown» bezeichnete und nach Ihrem Wechsel zu Fribourg damit nachlegte, Ihr Zuzug sei so etwas, wie wenn man mit einem Alkoholiker saufen gehe.

Ich konnte mich gar nicht wehren. Durch den Fakt, dass mein Vertrag mit Biel nach wie vor gültig war und wir uns in einer juristischen Auseinandersetzung befanden, musste ich zunächst meine Füsse still halten, auch wenn ich mich gerne geäussert hätte. Dadurch ist mehr über mich statt mit mir geredet worden, und das war in der Aussenwirkung unvorteilhaft für mich. Ich hätte mir nach dem Wechsel zu Fribourg schon gewünscht, dass der betreffende «Blick»-Reporter mich getroffen und mir eine faire Chance gegeben hätte, meine Sicht der Dinge darzulegen. Aber dazu ist es bis heute leider nicht gekommen. Vielleicht habe ich bloss eine andere Vorstellung von Fairplay. Er hat mich ja moralisch verurteilt, indem er mich als charakterlich untragbar hinstellte, nur Gehör geschenkt hat er mir bisher noch nicht – obwohl ich sogar auf den «Blick» zugegangen bin, um das Gespräch mit dem entsprechenden Journalisten zu suchen.

Würden Sie es als Rufmord qualifizieren, was mit Ihnen geschehen ist?

Ganz so weit würde ich nicht gehen, weil die Liga mich und meinen Charakter nach 17 Jahren kennt und einschätzen kann. Deshalb bekam ich nicht nur negative Feedbacks, sondern auch aufmunternden Zuspruch von verschiedenen Seiten. Das hat mir sicher gut getan, vor allem in schwierigen Zeiten, in denen man sich im Sinne einer persönlichen Weiterentwicklung selber in Frage stellte. So durfte ich in Zug trainieren, mit der Hockey Academy, und dass die Türen beim EVZ offen waren, habe ich sehr geschätzt. Man kennt einander in der Branche, die Leute wissen, wie ich ticke, und schätzen meine Qualitäten – aber ein Teil halt vielleicht weniger.

Wie ist es zum Bruch zwischen Biel und dessen Ex-Trainer Kevin Schläpfer und Ihnen gekommen?

Ich glaube, das Ganze gründete auf einem Feedback- und Kommunikationsmangel. Als mich Kevin Schläpfer im Verlauf der Saison auf die Tribüne degradierte, identifizierte ich das immer mit meiner sportlichen Leistung. Dieser Schluss lag nahe, weil nie etwas anderes an mich herangetragen wurde. Vielleicht hätte ich auch mehr auf die Verantwortlichen zugehen und die Sache diskutieren sollen, weil wenn man sich im Leben mal eine Meinung gebildet hat, ist man vielleicht auch zu versteift darauf, damit es eine Rückkehr zur ursprünglichen Ausgangslage geben kann.

Aber was passierte konkret, dass die Bieler Sie trotz Vertrag bis 2017 vom Eistraining ausgeschlossen haben?

So ganz kann ich mir das bis heute nicht erklären. Irgendwann kam wohl der Punkt, an dem es für die Bieler Verantwortlichen wegen verschiedener Aussagen kein Zurück mehr geben konnte. Allein wegen des öffentlichen Drucks.

Aussagen von Ihnen?

Ich habe mich doch so gut wie nie dazu geäussert. (Überlegt.) Konkreter möchte ich nicht werden, weil ich nicht ins Detail gehen will. Ich will und werde nicht nachtreten – weder gegen Kevin Schläpfer noch gegen den EHC Biel.

Warum ist der Vertrag nicht einfach aufgelöst worden?

Die finanziellen Vorstellungen lagen zu weit auseinander. Es wäre optimal gewesen, wenn man so den Schlussstrich unter diese Geschichte hätte ziehen können. Ich hätte mir eine friedliche Lösung gewünscht.

Aber so zogen Sie wieder den Kürzeren, weil Sie aufs Geld fixiert zu sein schienen. Später hiess es, dass ein Transfer zum NLB-Klub Olten wegen 10 000 Franken scheiterte. Stimmt das?

Ich hätte wohl kaum so lange in Langnau (von 1999 bis 2005 und 2008/09 sowie 2010/11, Anm. d. Red.) gespielt, wenn mir Geld so viel bedeutete, und schon gar nicht in der East Coast Hockey League (2009/10). Klar, Geld zu haben, ist schön, und die Höhe des Lohnes drückt auch aus, was der Spieler einem Klub wert ist. Mir ging es aber um den Sport, mit Olten einigten wir uns darauf, dass ich dorthin trainieren gehe. Aber es war von allem Anfang an klar, dass ich mich nicht von der NLA verabschieden wollte. Glauben Sie wirklich, ich hätte wegen 10 000 Franken ein Gerichtsverfahren gegen Biel angestrengt?

Um bei Fribourg bis Saisonende zu unterschreiben, mussten Sie den Vertrag mit Biel auflösen. Auf wie viel Geld haben Sie da verzichtet?

Auf einiges mehr als 10 000 Franken. Aber ich brenne für den Job und spüre eine grosse Leidenschaft fürs Eishockey. Ich wollte wieder nach vorne schauen und Ernstkämpfe bestreiten.

Wie wurden Sie nach dieser Vor- geschichte in Fribourg aufgenommen?

Die Spieler wurden vor meiner Verpflichtung befragt, was sie von mir halten. Es gab nicht die geringsten Bedenken. Das habe ich als grosse Wertschätzung aufgefasst. Viele kennen mich ja schon seit einigen Jahren. Jetzt wollen wir gemeinsam Erfolg haben.