EISHOCKEY: Der Besuch des «Miracle Man»

John Harrington arbeitet an der U-18-WM in Zug und Luzern als Scout von Colorado. Der Amerikaner war Teil des «Miracle on Ice» in Lake Placid und wirkte später als Trainer bei Ambri-Piotta.

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John Harrington, der Olympiasieger von 1980, in der Zuger Bossard-Arena. (Bild Martin Meienberger)

John Harrington, der Olympiasieger von 1980, in der Zuger Bossard-Arena. (Bild Martin Meienberger)

interview NICOLA BERGER

John Harrington (57) steht in der Bossard-Arena und verfolgt die Partie zwischen Kanada und der Schweiz. Harrington kennt das Land bestens in der Saison 1980/81 verstärkte er den HC Lugano in der NLB (28 Spiele/51 Punkte), und 2008 firmierte er für wenige Monate als Coach des HC Ambri-Piotta.

Noch weiter gereist ist sein Sohn Chris (32), der als Verteidiger einst in der DEL und der AHL spielte, ehe er ein Abenteuer in Japan wagte: Zwischen 2010 und 2013 spielte Harrington junior für die Oji Eagles in der Asia League, wo er in der finalen Saison seiner Karriere gar als wertvollster Akteur der Liga ausgezeichnet wurde.

Vater John hatte einige Dekaden zuvor für grössere Schlagzeilen gesorgt: Mit den USA hatte er 1980 in Lake Placid Olympiagold gewonnen der überraschende Erfolg wurde 2004 von Disney unter dem Titel «Miracle» verfilmt.

John Harrington, 1980 besiegten Sie mit den USA im Endspiel der Olympischen Spiele sensationell die Sowjetunion mit 4:3. Wie ist das, wenn man Eishockeygeschichte schreibt?

John Harrington: Ich finde es erstaunlich, dass sich bis heute so viele Leute daran erinnern. Ich war gerade im Februar in Lake Placid, das gesamte Team wurde anlässlich des 35-Jahr-Jubiläums eingeladen. Das inzwischen nach unserem viel zu früh verstorbenen Trainer Herb Brooks benannte Stadion war ausverkauft.

Obwohl kein Spiel stattfand?

Harrington: Richtig. Es gab Videos mit Spielszenen von damals. Wir standen auf einer Bühne, und die Menschen jubelten uns zu. Es war eine verrückte Sache. Aber ich muss sagen, dass ich jedem den Besuch des Stadions nur empfehlen kann. An der damals von uns benutzten Garderobe wurde bis heute nichts verändert. Auch die Anzeigetafel ist noch immer die gleiche. Es gab Überlegungen, sie durch einen modernen LED-Würfel auszutauschen, man hat diese Gedanken aber schnell wieder verworfen.

2008 wurden Sie Trainer im HC Ambri-Piotta. In der Valascia ist auch alles alt, einfach aus anderen Gründen.

Harrington: (lacht) Das ist so. Es ist schade, dass es mit mir und Ambri nicht geklappt hat. Das Abenteuer war zu Ende, bevor es richtig begann.

Sie wurden damals schon im Dezember entlassen. Wie kam das?

Harrington: Die Spieler hatten zu viel Macht. Das habe ich unterschätzt, und letztlich bin ich daran gescheitert. Es war eine lehrreiche Zeit.

Gibt es Exponenten, mit denen Sie bis heute in Kontakt stehen?

Harrington: Leider nicht. Und ich habe gehört, dass Peter Jaks (damals Sportchef in Ambri, Anm. d. Red.) später Selbstmord beging. Eine furchtbare Tragödie. Er war der Mann, der mich nach Europa holte.

Seit 2011 haben Sie kein Team mehr trainiert. Ist Ihre Karriere als Coach zu Ende?

Harrington: Ich denke schon. Kurz nachdem ich im Jahr 2010 im italienischen Asiago entlassen worden war, wurde ich Grossvater. Meine Frau zog es darauf zurück nach Nordamerika. Ich wäre gerne Trainer geblieben, aber Colorado hat mir die Chance geboten, als Scout zu arbeiten. Die Aufgabe hat mich gereizt, darum habe ich zugesagt.

Welche Aufgaben fallen Ihnen zu?

Harrington: Ich lebe in Minneapolis und besuche viele Partien auf Juniorenstufe im Mittleren Westen der USA.

In Zug gehören Sie zu einer Delegation von fünf Scouts der Colorado Avalanche. Warum dieses Grossaufgebot?

Harrington: Alle NHL-Organisationen schicken viel Personal hierhin. Die U-18-WM ist ein äusserst wichtiges Turnier.

Colorado besitzt in der NHL den 10. Draftpick. Könnte der Schweizer Timo Meier ein Thema sein?

Harrington: Ich mag Timo Meier sehr. Er kann skoren und gleichzeitig physisch spielen. Ich glaube, dass er zwischen den Positionen 10 und 15 gezogen wird. Er wäre für viele Teams eine gute Partie.