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EISHOCKEY: Der steinige Weg zum Profi

Ueli Huber spielt beim EHC Olten in der National League B. Die Solothurner möchten den Horwer an sich binden. Heute trifft der Stürmer im Cupspiel auf den EV Zug, seinen Ex-Verein.
Ueli Huber zu Besuch in Luzern am linken Reussufer. Über seiner linken Schulter: das Leibchen seines neuen Klubs EHC Olten. (Bild Corinne Glanzmann)

Ueli Huber zu Besuch in Luzern am linken Reussufer. Über seiner linken Schulter: das Leibchen seines neuen Klubs EHC Olten. (Bild Corinne Glanzmann)

René Barmettler

Am vergangenen Freitagnachmittag sitzt Ueli Huber (20) nach der Fotosession in einem Restaurant an der Reuss vor einem Cola Zero. Er wirkt ruhig und abgeklärt. Obwohl in seinem Leben derzeit einiges an Hektik aufgekommen ist. Im Sommer ging er als so genannter Try-out-Spieler (Sichtungsspieler) zum EHC Olten, einem Nationalliga-B-Klub mit Aufstiegsambitionen. Zweimal kam der Horwer bisher in Pflichtspielen zum Einsatz. Mit seinen Fähigkeiten bei wenig Eiszeit Werbung in eigener Sache zu machen, ist deshalb eine grosse Kunst. Da er sich bis jetzt noch keinen Stammplatz erkämpfen konnte, suchten die Klubverantwortlichen einen Zweitverein. Dort soll er sich nebst Trainingseinheiten in Olten Spielpraxis aneignen.

Beim HC Biasca, einer ambitionierten 1.-Liga-Organisation, findet er nun mit einer B-Lizenz Unterschlupf, falls er bei Olten überzählig ist. Am Freitagabend fand sich Huber erstmals zum Abschlusstraining im Tessin ein. Am Samstagabend traf sich Huber mit seinen temporären Mitspielern in Seewen zum Ernstkampf. Dem Flügelstürmer wurde ein Platz in der zweiten Sturmreihe zugewiesen. Huber feierte gegen einige ehemalige Teamkameraden im Stadion Zingel einen feinen 4:1-Sieg. Und: In der 13. Minute erzielte er sogar das zwischenzeitliche 3:0 in Unterzahl.

Erfolgreicher EVZ-Junior

Das Talent, welches im Sommer im Ausbildungsverein EV Zug nicht weiterbeschäftigt wurde, fand den Weg als Fünfjähriger auf das Eis. Seine Mutter Brigitte, eine ehemalige Eiskunstläuferin, nahm den Buben ins Eisstadion mit. Als seine Augen einen Puck erblickten, wusste er sofort: «Ich will Eishockey spielen.» Gesagt, getan. 2000 fiel der Startschuss bei den Bambini des HC Luzern. Engelberg und Reinach hiessen weitere Stationen. Seine wichtigste indes war der EV Zug, für den er ab 2009 (Mini Top) seine Tore erzielte. Vor vier Jahren wurde er erstmals in die Elite, die höchste Juniorenliga, berufen. Huber entpuppte sich als regelmässiger Skorer. In der vergangenen Saison schrieb er sich in 49 Partien 53 Punkte gut (31 Tore, 22 Assists). In der Qualifikationsrunde erreichte er schweizweit mit 27 Treffern den Bestwert. «Ich habe dann aber schnell bemerkt: Das wird nichts mit einer Profikarriere in Zug.»

Einer der Gründe ist, dass beim EV Zug das Nachwuchsprojekt «Academy» vorangetrieben wird. Spieler, die dort aufgenommen werden, erhalten den Vorzug, wenn es darum geht, zu Einsätzen in der ersten Mannschaft zu gelangen. Das wird gegen aussen zwar nicht so kommuniziert, liegt aber in der Natur der Sache. Schliesslich lässt sich der EVZ dieses Ausbildungskonzept eine schöne Stange Geld kosten. Huber blickt nicht mit Groll zurück, sondern schloss dieses Kapitel milde ab: «Es war eine Lebensschule, auch wenn ich es nicht immer einfach hatte.»

Eine WG, die keine mehr ist

Einfach hat es Huber auch beim EHC Olten nicht. Der Klub will Erfolg, beschäftigt viele arrivierte und routinierte Spieler. Dies schreckt ihn aber nicht ab, er will sich unbedingt durchbeissen. Viel versprechende Signale, die gibt es durchaus. Es liegt ihm ein Vertragsangebot über zwei Jahre vor, das er in den nächsten Tagen mit seiner Unterschrift versehen wird. Ein wichtiger Meilenstein, doch Vollprofi ist er deswegen noch nicht. Huber arbeitet halbtags als kaufmännischer Angestellter bei der Firma Mistral AG in Zuchwil, wo ihm sein Chef Robert Weibel die Möglichkeit gibt, sich auch beruflich weiterzuentwickeln. Der Verein stellte ihm rund einen Kilometer vom Stadion entfernt eine Wohnung zur Verfügung. Zu Beginn war es eine Wohngemeinschaft zu viert, doch seine WG-Gspänli sind inzwischen nicht mehr beim EHCO beschäftigt. Deshalb wohnt er nun allein. Seine Freundin, ein Tennis-Talent aus unserer Region, absolviert ein Austauschjahr in den USA.

Olten, eine «Filiale» des EV Zug

Langweilig wird es ihm deswegen nicht. Nun hofft er ganz fest auf einen Einsatz heute Abend (20.00, Kleinholz) in der ersten Cuprunde – ausgerechnet gegen den EV Zug. «Mich reizt es, gegen den EV Zug spielen zu dürfen. Die Krönung wäre natürlich, ein Tor gegen meinen ehemaligen Verein zu erzielen», sagt Huber schmunzelnd.

Beim EHC Olten spielen mit Reto Kobach (35, Verteidiger), Kevin Huber (25, Goalie), Marco Truttmann (30, Stürmer), Cédric Schneuwly (23, Stürmer) und Simon Schnyder (28, Verteidiger) weitere Spieler mit EVZ-Vergangenheit. Huber macht sich auf, ebenfalls fester Bestandteil des Teams zu werden. Seine Stärken sind ein guter Schuss und eine vorzügliche Technik. Dass er auch mental stark ist, beweist seine Vorgeschichte und Gegenwart. «Ich bin überzeugt, mir einen Platz erkämpfen zu können. Dazu brauche ich einfach genug Geduld.» Verbessern kann er sich im Körperspiel. Als NLB-Flügelstürmer hat er einiges mehr an Defensivarbeit zu verrichten, als er sich zu Juniorenzeiten gewohnt war. «Ich muss in jedem Training Gas geben. So, dass ich mir später niemals etwas vorzuwerfen brauche.»

Dass er heute Abend für einen Einsatz gegen seinen Ex-Verein bereit wäre, hat er schliesslich im Erstligaspiel bei Seewen unter Beweis gestellt. Doch der Weg, Vollprofi zu werden, das ist sich Ueli Huber bewusst, wird noch ein steiniger. Wer aber seine Beharrlichkeit kennt, hat wenig Zweifel, dass er es schliesslich schaffen wird.

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