EISHOCKEY: Des Feuerkopfs gute Laune

Doug Shedden muss aus viel Talent ein Team formen. Eine schwierige Aufgabe für den Ex-Trainer des EVZ – trotz dem 4:2 zum Einstand über Langnau.

Merken
Drucken
Teilen
Engagiert und lautstark wie eh und je hinter der Bande: Doug Shedden gestern bei seinem Debüt als Trainer in Lugano. (Bild: Keystone/ Francesca Agosta)

Engagiert und lautstark wie eh und je hinter der Bande: Doug Shedden gestern bei seinem Debüt als Trainer in Lugano. (Bild: Keystone/ Francesca Agosta)

Klaus Zaugg, Lugano

So sieht einer aus, der seine Vermögensbildung abgeschlossen hat und das Leben in Florida geniesst. Doug Shedden (54) strahlt und ist bestens gelaunt. Er hat abgenommen. «Nein, nein, ich wünschte, es wäre so. Aber danke fürs Kompliment.» Kaum zu glauben, dass ein Hockey-Bandengeneral Ende Oktober noch so entspannt sein kann. Aber Shedden hat die letzten Monate tatsächlich in Florida verbracht – mit der Verwaltung seiner Immobilien. Wie viele Landsitze hat er dort? «Das ist mein Business. Lass uns über Hockey sprechen.»

Er sei in Pittsburgh bei seiner Tochter auf Besuch gewesen, als er gestern vor einer Woche den ersten Anruf aus Lugano bekommen habe. Überrascht sei er nicht gewesen. «Ich wusste ja um Luganos Platz in der Tabelle. Und, ja, mein Ziel war es, zurück in die Schweiz zu kommen. Hier fühle ich mich einfach wohl.» Es sei immer hart, wenn einer den Job verliere, er kenne Patrick Fischer gut. «Aber so ist das Geschäft nun mal.»

«Die Kids» von Shedden

In Lugano hat er zwar noch nie gearbeitet. Aber ein wenig fühle er sich wie daheim. Die Kabine ist schon fast seine neue Wohnstube. Ein paar Gesichter sind ihm bestens vertraut: Damien Brunner, Alessandro Chiesa oder Alessio Bertaggia kennt er aus Zug bestens. Ja, Brunner ist sein Hockey- Ziehsohn. «Das sind meine Kids.»

Die Romantik des Wiedersehens ist gut und recht und täuscht ein wenig über die Schwierigkeiten hinweg, die er hier in Lugano erst einmal überwinden muss. Der grosse Bandengeneral hat ein schwieriges Kommando übernommen. Etwas salopp formuliert: Er muss aus den Gärtnern und dem Küchenpersonal eines Luxus-Golfresorts einen Gebirgs-Grenadierzug machen. Doug Shedden hat eine der talentiertesten und schnellsten Mannschaften der Liga übernommen. «Ich habe in drei Tagen im Training tatsächlich sehr viel Talent gesehen, viel mehr als je in Zug.» Aber es ist eben noch keine Mannschaft. Bei seinem ersten Spiel hat Doug Shedden gleich Glanz und Elend erlebt. Ein miserables erstes, ein passables zweites und ein gutes drittes Drittel und schliesslich ein 4:2 nach einem 0:1 und 1:2-Rückstand. Die tapferen Langnauer kontrollierten den hochkarätigen Gegner während 57 von 60 Minuten. Aber zweimal entwischte Linus Klasen. Einmal tanzte er durch Langnaus Abwehr (1:2) und mit einem Kunstschuss traf er zum 2:2. Die SCL Tigers verloren wieder einmal ein Spiel, das sie in der ersten Hälfte durchaus hätten für sich entscheiden können.

Shedden: «Warum laut werden?»

Hat ein erstes verbales Donnerwetter in der Kabine die Jungs aufgerüttelt und im Schlussdrittel die Wende herbeigeführt? «Warum hätte ich laut werden sollen?», stellt er die Gegenfrage. Ja, weil seine Jungs miserabel gespielt haben. «Nur im ersten Drittel. Das hat mir gar nicht gefallen. Das war wildes Feuerwehrhockey. Aber ab dem zweiten Drittel war es gar nicht so schlecht. Es hat keinen Grund gegeben, laut zu werden.» Er hat an seinem neuen Arbeitsplatz also noch gar nicht getobt. Aber das kommt schon noch.

Natürlich sei Lugano noch weit davon entfernt, das beste Hockey zu spielen. Aber Shedden hat keine Zweifel, dass er, anders als seine prominenten Vorgänger, dieses Lugano weit bringen wird. Seit dem letzten Titel von 2006 hat Lugano keine Playoffserie gewonnen. So prominente Namen wie Kenta Johansson, Barry Smith, Ivano Zanatta, Larry Huras, Philippe Bozon, Hannu Virta und Patrick Fischer sind gescheitert.

Shedden wird es schaffen. Weil er davon überzeugt ist. Erfolg ist auch Kopfsache.

Hinweis

Mehr Eishockey auf Seite 36.