EISHOCKEY: DiDomenicos grosser Moment

Die SCL Tigers gewinnen in einem Drama gegen die Lakers 4:3 n. V. jetzt brauchen sie noch zwei Siege für die langersehnte Rückkehr in die NLA.

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Das Bad in der euphorisierten Langnauer Anhängerschaft nach dem entscheidenden Tor mittels Penalty: Topskorer Chris DiDomenico lässt sich feiern. (Bild: Keystone / Marcel Bieri)

Das Bad in der euphorisierten Langnauer Anhängerschaft nach dem entscheidenden Tor mittels Penalty: Topskorer Chris DiDomenico lässt sich feiern. (Bild: Keystone / Marcel Bieri)

Klaus Zaugg, Langnau

Welch ein Drama! Welch ein Held! Welch ein Jubel im ausverkauften Tempel! Und welch ein tragischer Held beim Verlierer! Der charismatische Leitwolf Chris DiDomenico erkämpft sich die Scheibe in der Verlängerung im Drittel der Lakers und zieht alleine auf Goalie Tim Wolf los. Foul. Penalty. Die Uhren bleiben in der Verlängerung bei 13 Minuten und 19 Sekunden stehen. Ausgerechnet Johan Fransson hat diesen Penalty mit seinem Scheibenverlust verursacht. Der Held, der die Lakers 8,8 Sekunden vor Schluss mit dem 3:3 in die Verlängerung gerettet hatte, wird nun zur tragischen Figur.

Langnaus Gegner? Sich selber

DiDomenico ist ein Mann für solche Extremsituationen. Er verwertet den Penalty eiskalt zum 4:3-Sieg. Und zur Vorentscheidung in dieser Serie! Welch ein Selbstvertrauen. Diese Mischung aus Coolness und Heissblütigkeit macht die Faszination des kanadischen Stürmers aus. Er hat am meisten Strafminuten des Teams auf dem Konto aber er weiss, wann er kühlen Kopf bewahren muss. Er wirkt nach dem Spiel völlig entspannt, fast mürrisch, murmelt die Worte in sich hinein. Er habe in seiner Karriere schon viele Penaltys verschossen. Er sei angelaufen, habe die Lücke gesehen und getroffen. Der grösste Moment seit seiner Ankunft im Emmental? «Ein ziemlich grosser Moment.» Er ist ein Mann mit einem «unkaputtbaren» Selbstvertrauen. Er hat schliesslich schon dem kanadischen Tennis-Weltstar Milos Raonic die Freundin, das Model Paula Kalini, ausgespannt.

Die SCL Tigers haben jetzt nur noch einen Gegner: sich selber. Aus eigener Kraft können die Lakers den Abstieg nicht mehr vermeiden. Gestern verloren sie auch die zweite Partie der Liga-Qualifikation eine Partie, die sie nicht mehr hätten verlieren dürfen. Die Langnauer brauchen noch zwei Siege – und für diese zwei Siege gibt es vier Chancen.

Nun mag es nach diesem dramatischen zweiten Spiel eine gar seltsame Behauptung sein, die Lakers seien aus eigener Kraft nicht mehr dazu in der Lage, diese Serie zu gewinnen. Lakers-Präsident Lucas Schluep sprach nach dem Spiel sogar von einer «neuen Mannschaft». Und die Serie noch zu drehen, ist für den NLA-Vertreter durchaus möglich. 2009 rettete sich beispielsweise der EHC Biel gegen Lausanne nach zwei Auftaktniederlagen (4:5 n. V., 2:4) im 7. Spiel. Aber der Spruch über die «neue Mannschaft» ist das, was ein Präsident nach einem Trainerwechsel halt sagen muss. Die Lakers haben das erste Spiel unter der Leitung des sanften Melancholikers Michel Zeiter verloren.

Die Geschenke ausgeschlagen

Und doch können es die Lakers selber nicht mehr schaffen. Sie haben nicht die spielerischen und taktischen Vorteile, die der NLA-Letzte eigentlich gegenüber dem NLB-Meister haben müsste. Mehr noch: Gestern lief alles für die Lakers. Sie hatten den Beistand der Hockeygötter. Beim Stande von 2:0 traf Yves Müller den Pfosten, und im Gegenzug gelang das 2:1. Neue Hoffnung statt Vorentscheidung. Und tatsächlich schafften die Lakers zweimal den Ausgleich. Erst zum 2:2 und schliesslich 8,8 Sekunden vor Schluss auch noch zum 3:3. Und doch waren sie nicht dazu in der Lage, diese Geschenke der Hockeygötter anzunehmen.

Die Emmentaler haben den Stier bei den Hörnern gepackt aber sie dürfen jetzt nicht loslassen.

SCL Tigers - Rapperswil-Jona Lakers 4:3 (2:0, 0:2, 1:1, 1:0) n. V.

6050 Zuschauer (ausverkauft). SR Eichmann/Stricker, Fluri/Tscherrig.

Tore: 17. (16:28) Haas (Sven Lindemann, Hecquefeuille) 1:0. 18. (17:33) Bucher (DiDomenico/Ausschluss Ryser) 2:0. 24. Obrist (Ryser, Murray) 2:1. 31. Murray (Ryser) 2:2. 42. Sven Lindemann (Claudio Moggi, Haas/Ausschluss Nils Berger) 3:2. 60. (59:52) Fransson (Strafe angezeigt) 3:3 (ohne Goalie). 67. DiDomenico (Penalty) 4:3.

Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen die SCL Tigers, 9-mal 2 Minuten gegen die Rapperswil-Jona Lakers.

SCL Tigers: Ciaccio; Stettler, Bärtschi; Hecquefeuille, Kim Lindemann; Yves Müller, Ronchetti; Bonnet; Tom Gerber, DiDomenico, Bucher; Haas, Claudio Moggi, Sven Lindemann; Sterchi, Adrian Gerber, Sandro Moggi; Rexha, Albrecht, Wyss.

Rapperswil-Jona Lakers: Wolf; Fransson, Blatter; Hächler, Geyer; Fröhlicher, Sataric; Weisskopf, Profico; Nils Berger, Johansson, Rizzello; Ryser, Obrist, Murray; Pedretti, Walsky, Thibaudeau; Kuonen, Flavio Schmutz, Sieber.

Bemerkungen: SCL Tigers ohne Lakos, Tremblay (überzählige Ausländer), Gustafsson (krank) und Nüssli. Rapperswil-Jona Lakers ohne Lüthi, Friedli, Sven Berger, Neukom, Frei, Hürlimann (alle verletzt), Danielsson (gesperrt), Persson, Walser, Penker und Rapuzzi (überzählige Ausländer). Pfostenschüsse: 23. Yves Müller, 24. Ryser, 47. Claudio Moggi. – Timeout Lakers (58:01), ohne 58:58 bis 59:52.

Stand der Ligaqualifikation (Best of 7): 2:0 für die SCL Tigers.