EISHOCKEY: Die Gefahr der heilen SCL-Welt

Noch nie seit Einführung der Playoffs im Jahr 1986 war es einem Hockey-Unternehmen so wohl wie den SCL Tigers. Doch das kann die Langnauer den Aufstieg in die NLA kosten.

Klaus Zaugg
Drucken
Teilen
Die Fans der Langnau Tigers während der letztjähirgen NLB-Playoffs. (Bild: Keystone)

Die Fans der Langnau Tigers während der letztjähirgen NLB-Playoffs. (Bild: Keystone)

Seit dem Wiederaufstieg in die NLA (1998) war das Leben der Langnauer mühselig wie jenes der Schuldenbauern aus den Büchern von Jeremias Gotthelf. Ein ständiger Kampf ums sportliche und wirtschaftliche Überleben. Und als es schien, nun könne nichts mehr passieren (nach der Eröffnung des neuen Stadions im Herbst 2012), kam das Unglück. Im Frühjahr 2013 sind die Langnauer in die NLB abgestiegen. Die Welt ist deswegen nicht untergegangen. Ganz im Gegenteil. In der zweiten Saison in der NLB geht es den Langnauern inzwischen gut wie nie zuvor.

Die SCL Tigers sind für die NLB eine Nummer zu gross. Die meisten Zuschauer, der grösste Umsatz und sportlich durchschlagend erfolgreich. Durchschnittlich sind diese Saison 5066 Zuschauer gekommen, fast so viele wie in der letzten NLA-Saison (5355). Mehr als in Biel (4690), Davos (4171) und Rapperswil-Jona (4269) eine Liga höher. Auch sportlich läuft alles rund. Die Emmentaler stehen mit neun Punkten Vorsprung auf Olten auf Platz 1.

Wieder schwarze Zahlen

Seit dem 1. Mai dieses Jahres werden die Geschäfte von Roland Wyss (58) geführt. Er war zuvor mehr als zehn Jahre lang im Management des EV Zug tätig. Der gebürtige Stadtberner ist am Ort seiner Bestimmung angelangt. Er kann unter besten Voraussetzungen das Hockeygeschäft optimieren, und mit seiner freundlichen, ruhigen Art passt er gut ins Emmental. Er sagt: «Wir sind noch nicht dort, wo wir sein wollen.» Er meint damit in erster Linie die Gastronomie, die nach wie vor ausbaufähig ist. Inzwischen setzen die Langnauer mit dem Verkauf von Wurst und Bier pro Saison bereits 3,5 Millionen um und werden im Frühjahr zum zweiten Mal hintereinander schwarze Zahlen schreiben. In die erste Mannschaft werden rund 7 Millionen investiert.

In der NLB unterfordert

Seit der ehemalige Verteidiger Jörg Reber die Sportabteilung führt, ist auch dort Ruhe eingekehrt. Der Präsident, die Verwaltungsräte, der Trainer, der Sportchef, Manager Roland Wyss und die Spieler sagen übereinstimmend: «Wir wollen unbedingt aufsteigen!» Keine Frage: Die Langnauer haben die wirtschaftliche Basis und die Infrastruktur für die NLA. Und theoretisch auch die Mannschaft. Zumal genug Geld da ist, um im Hinblick auf die Playoffs nachzurüsten. Und doch lautet die bange Frage: Gelingt der Aufstieg?

Das Problem ist nicht die sportliche Substanz. Das Problem ist die Leichtigkeit des Seins. Die Mannschaft von Trainer Bengt-Ake Gustafsson (er coachte die Langnauer bereits von 1999 bis 2001) wird zu wenig gefordert. Der Ernstfall kann nicht simuliert werden. Erschwerend kommt hinzu, dass Leitwölfe wie die Moggi-Zwillinge, Lukas Haas, Thomas Nüssli, der Franzose Kevin Hecquefeuille oder der Kanadier Chris DiDomenico ausgesprochene Schönwetterspieler sind. Und niemand weiss, wie gut eigentlich die beiden Torhüter Lorenzo Croce und Damiano Ciaccio sind. Im letzten Frühjahr sind die Langnauer im NLB-Final auch an den durchschnittlichen Goalieleistungen gescheitert.

Lieber siegen als Existenzkampf?

Trainer Bengt-Ake Gustafsson war als Nationaltrainer in Schweden Olympiasieger und Weltmeister. Aber kann sich der freundliche Spielerversteher in der Extremsituation Playoffs in Langnau durchsetzen? Im letzten Frühjahr ist er im Final gegen Visp kläglich gescheitert. Mit der Verlängerung des auslaufenden Vertrages will der Verwaltungsrat jedenfalls noch ein wenig warten. Wenn die Langnauer sportlich scheitern sollten, dann zum ersten Mal nicht, weil sie zerstritten, überschuldet oder nicht talentiert genug sind. Sondern weil es ihnen zu wohl ist. Kein Schurke, wer denkt, dass die Spieler lieber in der NLB siegen, als in der NLA in jedem Spiel um die sportliche Existenz kämpfen. «Wir wollen unbedingt aufsteigen» ist vorerst nur ein Lippenbekenntnis.