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EISHOCKEY: Die grosse Erfahrung im Abstiegskampf spricht für Ambri

Ab morgen (20.15, daheim gegen Kloten) hat sich Ambri-Piotta erneut im Playout-Existenzkampf zu bewähren. Eine Kulturgeschichte des Auf- und Abstieges.
Klaus Zaugg
Szene aus der letzten Ambri-Partie gegen Kloten: Christian Pinana (Ambri, rechts) im Zweikampf mit Klotens Daniele Grassi. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Kloten, 24. März 2018))

Szene aus der letzten Ambri-Partie gegen Kloten: Christian Pinana (Ambri, rechts) im Zweikampf mit Klotens Daniele Grassi. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Kloten, 24. März 2018))

Klaus Zaugg

sport@luzernerzeitung.ch

Als Eishockey noch eine Leidenschaft und kein Geschäft war, gehörte der automatische Auf- und Abstieg dazu wie Puck und Schläger. Ein Abstieg mochte Enttäuschung bringen. Aber der finanzielle Schaden hielt sich in engen Grenzen.

Mit der Einführung der Playoffs (1986) beginnt die Kapitalisierung des Eishockeys. Die Klubs der beiden höchsten Ligen werden immer mehr Unter­nehmen. Heute haben alle die Rechtsform einer AG. Der Abstieg ist unter diesen neuen Bedingungen nicht nur ein sport­liches Drama. Ein Abstieg kann die wirtschaftliche Grundlage dieser Unternehmen ruinieren.

Seit Ende der 1990er-Jahre wird deshalb immer wieder über die Abschaffung des Abstiegs, über eine «geschlossene Liga» nachgedacht. Als Vorbild dienen die nordamerikanischen Profiligen (NHL und Farmteam-Ligen), die den sportlichen Abstieg nicht kennen.

Geld könnte gespart werden, und alles wäre wunderbar

Das Argument leuchtet ein: Wenn es keine Abstiegsgefahr mehr gibt, dann können die weniger konkurrenzfähigen Teams bedenkenlos billige junge Spieler ausbilden. Der Druck, teure Stars zu verpflichten oder dauernd Trainer und Ausländer zu wechseln, fiele dann auch weg. Viel, viel Geld könnte gespart werden, und alles wäre wunderbar.

Theoretisch ist das richtig. In der Praxis funktioniert es so leider nicht. Wird der Abstieg abgeschafft, dann geht es für mehrere Teams im letzten Drittel der ­Saison um nichts mehr. Die Leistungskultur zerfällt, die Zuschauer kommen nicht mehr, und die Kasse bleibt leer.

Warum funktioniert es in Nordamerika? Weil dort statt die Mannschaften die Spieler absteigen können: Wer seine Leistung nicht bringt, wird ins Farmteam geschickt. Diese Möglichkeit gibt es so bei uns nicht. Und in den Profiligen kaufen sich neue Teams ein. Bei uns läuft die Neuaufnahme über die sportliche Leistung. Die Möglichkeit, sportlich aufsteigen zu können, ist ein Teil unserer Sportkultur und dynamisiert die unteren Ligen. Die Vertreter der schwächeren Teams haben immer wieder vergeblich Vorstösse zur Abschaffung des Abstiegs unternommen (Chur, Ambri-Piotta, Rapperswil Jona-Lakers, Langnau). Seit 1996 gibt es immerhin den direkten Auf- und Abstieg nicht mehr. Der Letzte der NLA steigt seither nicht mehr direkt ab. Er bekommt die Chance, gegen den Sieger der NLB (heute Swiss League) den Platz in der NLA zu verteidigen (Liga-Qualifikation). Deshalb gibt es nicht mehr jede Saison ­einen Auf- und Absteiger.

Bis 2013 ist der letzte Platz in den Playouts ermittelt worden (9 gegen 12, 10 gegen 11, dann «Final» der Verlierer und anschliessend Liga-Qualifikation). Wer die Playoffs verpasst hatte, musste sofort wieder «in die Hosen», um nicht den Abstieg zu riskieren.

Seit 2014 abgeschwächter Abstiegsmodus

Seit 2014 ist dieser Playout-­Modus entschärft worden. Das Argument: Es kann nicht sein, dass man ganz knapp die Playoffs verpasst und dann Gegnern zum Opfer fällt, die sich schon seit Wochen geschont und auf die Playouts vorbereitet haben. Deshalb hat die Schweiz seit dem Frühjahr 2014 einen abgeschwächten Abstiegsmodus. Die Teams von 9 bis 12 nach der Qualifikation nehmen alle Punkte mit, spielen nochmals gegeneinander zu Hause und auswärts (6 Partien), und dann bestreiten der 11. und 12. die Playouts. Der Verlierer muss in der Liga-Qualifikation um den Platz in der NLA kämpfen.

Im Frühjahr 2014 profitierten Zug (10.) und der SCB (9.) von diesem Modus: Beide hatten die Playoffs verpasst, aber so viel Vor­sprung auf Biel (11.) und die Lakers (12.), dass sie nie in Gefahr gerieten.

Und nun also spielen Ambri-Piotta (11.) gegen Kloten (12.) in den Playouts. Wer zuerst viermal gewonnen hat, ist gerettet. In­teressant ist die völlig unterschiedliche Bewältigung der Situation. Kloten hat den Trainer gewechselt (Kevin Schläpfer für Pekka Tirkkonen) sowie den Sportchef entlassen und bereitet sich seit drei Monaten auf diese Playouts vor. Ein wochenlanger Larifari-Betrieb gipfelte zuletzt in kläglichen Niederlagen und schliesslich der Schonung aller wichtigen Spieler in den letzten Partien gegen Langnau (3:4) und Ambri (2:5).

Ambri vertraut Trainer und Sportchef

Ambri hat eine neue Identität gefunden und Trainer und Sportchef nie in Frage gestellt. Noch in der Abstiegsrunde gab es eine Chance, den Playouts zu entgehen und Lausanne vom rettenden 10. Platz zu verdrängen. Ambri hat mehr Abstiegskämpfe bestanden als jedes andere aktuelle NLA-Team und sich mehrmals in den Playout-Halbfinals, Playout-Finals sowie in der Liga-Qualifikation gerettet. Wenn es eine sportliche Logik und Gerechtigkeit gibt, dann gewinnt Ambri diese Playouts und ist abermals gerettet.

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