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EISHOCKEY: Die Langnauer sind ein «Hockey-Tigerstaat»

Vieles spricht dafür, dass Aufsteiger Langnau nicht auf dem letzten Platz der NLA landen wird. Stattdessen könnte er eine Bereicherung für die Liga sein.
Klaus Zaugg
Er brüllt, beisst und skort wie ein Tiger: Chris DiDomenico, der Anführer der SCL Tigers. (Bild: Keystone/Marcel Bieri)

Er brüllt, beisst und skort wie ein Tiger: Chris DiDomenico, der Anführer der SCL Tigers. (Bild: Keystone/Marcel Bieri)

Der Begriff Tigerstaaten ist in den 1980er-Jahren für die asiatischen Staaten geprägt worden, die von Entwicklungsländern zu Industriestaaten aufgestiegen sind (Südkorea, Taiwan, Singapur). Die Bezeichnung ist eine Anlehnung an die kraftvolle Energie eines Tigers.

Die SCL Tigers sind im besten Wortsinne ein Hockey-Tigerstaat. Noch 2009 war das Emmental Hockey-Entwicklungsland. Das heruntergewirtschaftete Hockey-Unternehmen musste durch die öffentliche Hand mit einem Kredit von 800 000 Franken vor dem Konkurs bewahrt werden. Die Infrastruktur war schäbig.

Leitwolf mit kurzer Zündschnur

Inzwischen ist aus dem Lotterstadion durch Investitionen in der Höhe von 30 Millionen Franken eine der besten Hockey-Arenen im Lande entstanden. Die SCL Tigers haben sich unter der Führung von Präsident Peter Jakob – er investierte selber 15 Millionen in die Stadionsanierung – zu einem Hockey-Musterunternehmen entwickelt. Selbst der Abstieg von 2013 ist durch den Aufstieg von 2015 rasch korrigiert worden. Das Geschäft brummt. Die SCL Tigers setzten in der NLB-Aufstiegssaison fast 10 Millionen Franken um. Am Ende resultierte ein Reingewinn von 280 000 Franken. In der NLA können gut neun Millionen in die erste Mannschaft investiert werden, und der Gesamtumsatz dürfte auf über 12 Millionen ansteigen.

Vieles spricht dafür, dass die Mannschaft von Benoît Laporte eine sportliche Bereicherung sein kann und der Aufstieg in den NLA-Mittelstand gelingen wird. Geführt wird das Team von einem charismatischen Leitwolf mit kurzer Zündschnur. Der Kanadier Chris DiDomenico ist ein enorm talentierter, eigenwilliger Hitzkopf, der die Emotionen im Team und auf den Rängen schürt und alle Voraussetzungen zur Kultfigur hat. Sage mir, ob er sich provozieren lässt, und ich sage dir, wie es Langnau geht.

Die Mannschaft ist nach dem Aufstieg mit Schweizern bloss ergänzt worden. Von Biel kommt Verteidiger Manuel Gossweiler, aus der sportlichen Konkursmasse der Lakers hat Sportchef Jörg Reber Torhüter Ivars Punnenovs, Verteidiger Dan Weisskopf sowie die Stürmer Nils Berger und Jordy Murray geholt. Hierarchie, Innenleben und Lohnstruktur des Aufstiegsteams konnten bewahrt werden. Offen bleibt, ob Aufstiegsgoalie Damiano Ciaccio gut genug für die NLA sein wird. Sage mir, wie gut Ciaccio ist und ich sage dir, wie es um Langnau steht.

Eine Rolex vom Transfer-Wühltisch

Das spielerische Rückgrat bilden die vier Ausländer. Chris DiDomenico (Ka) und Kevin Hecquefeuille (Fr) gehörten zum Aufstiegsteam. Neu sind Stürmer Kevin Clark (Ka), der überragende DEL-Stürmer der letzten zwei Jahre, und Verteidiger Ville Koistinen. Der Finne ist nach einem Krach mit Arno Del Curto trotz laufendem Vertrag mit Davos nach Langnau transferiert worden – für die Emmentaler eine Rolex vom Transferwühltisch.

Mit Langnau kehren auch Sandro und Claudio Moggi (22) in die NLA zurück. Die Zwillinge aus Herisau beginnen in Langnau ihre neunte Saison. Nach dem Abstieg in die NLB schienen diese Karrieren im Frühjahr 2013 zu Ende zu gehen. Sandro sagt: «Wäre Köbi Kölliker Sportchef geblieben, dann wären wir jetzt nicht mehr in Langnau.» Aber nicht die Moggis mussten gehen. Sondern Kölliker (neu Sportchef in Olten).

Der Abstieg und die Rückkehr in die NLA haben die Langnauer verändert. Claudio Moggi sagt: «Der Abstieg hat die ganze Organisation der SCL Tigers weiter gebracht. Wir wissen jetzt nach zwei Saisons in der NLB, was es wirklich bedeutet, in der obersten Spielklasse spielen zu dürfen. Das war uns so vor zwei Jahren nicht in diesem Masse bewusst. Wir wollen nie mehr einen Abstieg erleben.» Sandro Moggi ergänzt: «Es darf einfach keinen Abstieg mehr geben.»

Neuer Coach für neue Ausgangslage

Ein Satz, der für die ganze neue Saison steht: «Es darf einfach keinen Abstieg mehr geben.» Ist die Mannschaft jetzt besser als jene, die vor gut zwei Jahren abgestiegen ist? Claudio: «Vom Talent her wahrscheinlich nicht. Aber der Zusammenhalt ist heute besser. Es war damals eine andere Ausgangslage. Wir sahen uns im Herbst 2012 nicht derart in der Rolle des Aussenseiters wie jetzt. Uns ist klar, dass es mit unserem Talent alleine nicht reicht.»

Zur neuen Ausgangslage gehört mit dem Kanadier Benoit Laporte ein neuer Trainer. Die Frage, warum der Vertrag mit Aufstiegstrainer Bengt-Ake Gustafsson nicht verlängert worden ist, hat die Diskussionen noch im Sommer dominiert. Auch bei den Spielern? Claudio: «Nur kurzfristig. Wir sind schnell wieder zur Tagesordnung übergegangen.» Und was ist jetzt unter dem neuen Trainer anders? Sandro: «Es ist eine andere Philosophie für eine andere Ausgangslage. In der NLB waren wir das grosse Team. Spielerisch besser, reicher, grösser, wichtiger. Dazu passte ein sanfter Führungsstil. Aber jetzt ist der Druck riesig, wir müssen in jedem Spiel an unser Limit gehen, und da passt es schon, einen fordernden kanadischen Trainer zu haben, der einem sozusagen jeden Tag die Pistole an die Schläfe setzt.»

Klaus Zaugg

NLA-Saisonstart 2015/16

Mittwoch, 9. September, 19.45: ZSC Lions – Bern.

Freitag, 11. September, 19.45: Lugano – Zug. Genève-Servette – Ambri-Piotta. Bern – SCL Tigers. Kloten Flyers – Biel. ZSC Lions – Lausanne. Davos – Fribourg.

Samstag, 12. September, 19.45: Zug – Davos. Ambri – ZSC Lions. SCL Tigers – Genève-Servette. Biel – Bern. Lausanne – Lugano. Fribourg – Kloten Flyers.

Er brüllt, beisst und skort wie ein Tiger: Chris DiDomenico, der Anführer der SCL Tigers. (Bild: Keystone / Marcel Bieri)

Er brüllt, beisst und skort wie ein Tiger: Chris DiDomenico, der Anführer der SCL Tigers. (Bild: Keystone / Marcel Bieri)

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