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EISHOCKEY: Die Schweiz ist die Attraktion am Spenglercup

Die Schweizer taumelten in den 1960er- und 1970er-Jahren zehnmal zwischen Skandal und Zirkus durch das Turnier. Nun treten sie zum 11. Mal beim Spengler-Cup an – und erstmals als Favoriten.
Klaus Zaugg
Die Schweizer Nationalspieler wollen auch in Davos jubeln, von links: Gaetan Haas, Vincent Praplan, Denis Hollenstein. (Bild: Vedi Galijas/Freshfocus (Helsinki, 10. November 2017))

Die Schweizer Nationalspieler wollen auch in Davos jubeln, von links: Gaetan Haas, Vincent Praplan, Denis Hollenstein. (Bild: Vedi Galijas/Freshfocus (Helsinki, 10. November 2017))

Klaus Zaugg

Bei der Premiere der Schweizer Nationalmannschaft im Jahre 1964 war auch der HC Davos noch dabei. Der HCD und die Schweiz trennten sich vor 1800 Zuschauern auf der offenen Eisbahn bei minus 20 Grad 3:3 unentschieden, und das staatstragende Fernsehen übertrug live in Schwarz-Weiss.

Nach dem ersten Abstieg des HC Davos im Jahre 1969 in die Nationalliga B geisterte eine Zeit lang die Idee eines Turniers für Nationalteams herum, und in den 1970er-Jahren wurde die Nationalmannschaft als HCD-Ersatz Stammgast. Ihre insgesamt zehn Auftritte waren aber weitgehend miserabel, und die drei letzten Turnierteilnahmen endeten 1977, 1978 und 1979 mit dem schmäh­lichen letzten Platz. Hohn und Spott ­waren die Folge. Die langen Nächte von Davos wurden ein nationales Medienthema.

Tiefste Depression der Geschichte

Ein Spieler, dessen Name uns entfallen ist, schildert eine Begebenheit aus den 1970er-Jahren. «Der Nationaltrainer hatte einem Teamkollegen und mir erklärt, dass wir im letzten Spiel nicht mehr eingesetzt werden. Also machten wir in der letzten Nacht durch. Als wir bei Tagesanbruch nicht mehr nüchtern ins Hotel zurückkamen, wurde uns mitgeteilt, dass wir nun doch spielen müssen. Wir waren dann nicht einmal die Schlech­testen.»

Das ist heute natürlich ganz und gar undenkbar. Nationalmannschaftsdirektor Raeto Raffainer sagt: «Es geht um die Plätze im Olympiateam. Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer seine Chancen durch nächtliche Eskapaden schmälern wird.»

Die Nationalmannschaft taumelte in den 1960er- und 1970er-Jahren mit einer einzigen Ausnahme (1971/72) zwischen Skandal und billiger Zirkusnummer durchs Turnier. Ja, damals erlebte das Schweizer Hockey auf internationalem Niveau die tiefste Depression der Geschichte – und ausgerechnet in dieser Zeit fallen die Spengler-Cup-Gastspiele. Woran fehlte es? Wir zitieren aus einer Analyse von Jürg Casanova, dem damals wichtigsten Hockey-Journalisten, aus dem Jahre 1979: «Schlechte Organisation in der eigenen Zone, mangelnde Aggressivität und Reaktion, Vergessen auch der elementarsten Grundregeln durch einzelne Verteidiger – das führte zu schon in ihrer Entstehung vermeidbaren Toren. Und dazu gesellte sich vorne die Hilflosigkeit der Stürmer im Abschluss, die nicht zu wissen schienen, dass das Toreschiessen im Eishockey weitgehend des beherzten, blitzschnellen und damit für den Goalie überraschenden Abdrückens ist.»

1979 schaffte der HC Davos den Wiederaufstieg in die NLA und war ab 1980 wieder stark genug für den Spengler- Cup – und auch das neue Stadion war bereit. Der Lückenbüsser Nationalmannschaft wurde nicht mehr benötigt, und es ist mehr als fraglich, ob das Turnier ohne HCD, dafür mit dem Nationalteam, eine erfreuliche Zukunft gehabt hätte.

Nationalteam ohne Spieler des HC Davos

Nun kehren die Schweizer an den Spengler-Cup zurück, um sich auf das olympische Abenteuer vorzubereiten. Nicht mehr als Lückenbüsser. Sondern als Attraktion. Sie treten in Bestbesetzung an und verzichten nur auf die Spieler des HC Davos, die das Turnier mit ihrem Club bestreiten.

Die Schweiz, in den 1960er- und 1970er-Jahren zeitweise international drittklassig, gehört heute als WM-Finalist von 2013 zu den Titanen des Welt­hockeys. Wir dürfen jetzt schon sagen: Die Schweizer werden unter Patrick Fischer ihren besten Spengler-Cup aller Zeiten spielen.

Ja, wer sagt, dass ausser gegen das Team Canada jede Niederlage als Schmach gewertet werden muss, ist nicht einmal ein Polemiker.

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