EISHOCKEY: Die Turbulenzen beim Schweizer Nationalteam

Swiss Icehockey kommt nicht zur Ruhe: Hinter dem Rücken des EHC Biel verhandelte der Verband mit dem Trainer Kevin Schläpfer – und handelt sich eine Absage ein.

Nicola Berger
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Bleibt Trainer des EHC Biel: der impulsive Kevin Schläpfer. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Bleibt Trainer des EHC Biel: der impulsive Kevin Schläpfer. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Nicola Berger

Es ist Samstagabend in der Bossard-Arena, und Biels Trainer Kevin Schläpfer (45) ist nach dem glückhaften 4:3-Sieg nach Penaltyschiessen über den EV Zug in aufgeräumter Stimmung. Er sagt: «Das war ein wichtiger Erfolg für uns, wir haben zuletzt schwierige Zeiten durchgemacht.»

Wäre es nach Swiss Icehockey gegangen, es hätte nach fünf Bieler Niederlagen in Serie ein anderer Coach den Befreiungsschlag herbeiführen müssen: Der Verband hätte Schläpfer gerne per sofort als Nachfolger für den aussortierten Nationaltrainer Glen Hanlon installiert (siehe Ausgabe vom Samstag); der CEO Florian Kohler und der Nationalmannschaftsdirektor Raeto Raffainer trafen sich mehrfach mit dem Bieler Coach.

Der Ärger der Bieler

Das ist aus mehrerer Hinsicht brisant: Der Verband versäumte es, bei den Klubverantwortlichen die Erlaubnis für Verhandlungen mit dem bis 2018 gebundenen Trainer einzuholen. Der Bieler Ärger darüber ist aus nachvollziehbaren Gründen gross, wobei es auch Stimmen gibt, die berichten, Schläpfer habe den Verein explizit selber über die Gespräche informieren wollen. Doch selbst wenn dem so sein sollte: Dass der Verband einem Klub mitten in der Saison einen Coach ausspannen will, ist unanständig, Wild West gar. Zumal Schläpfer nicht angeboten wurde, das Mandat im Doppelamt auszuführen – er hätte seinen langjährigen Arbeitgeber Biel Hals über Kopf verlassen müssen. Selbst der ZSC-CEO Peter Zahner, der führende Kopf der Nationalmannschaftskommission, sagt: «Wenn unser Coach während der Saison angegangen würde, wäre ich darüber auch nicht glücklich.»

Es gibt nur Verlierer

So kommt es, dass es in dieser Geschichte nur Verlierer gibt. Da ist: der Verband, dessen Führungsspitze sich nicht zum ersten Mal schlechten Stil vorwerfen lassen muss, und die noch am Freitag verneint hatte, mit Nachfolgekandidaten für Glen Hanlon gesprochen zu haben. Da ist der neue Interimsnationaltrainer Felix Hollenstein, dem schon vor dem ersten Puck-Einwurf das Etikett der Ersatzlösung anhaften würde und der sich die Frage stellen dürfte, ob er die Stelle überhaupt noch antreten soll.

Und da ist auch Kevin Schläpfer. Der Baselbieter hätte das Angebot der Nationalmannschaft gerne angenommen, hört man, doch Biel verweigerte ihm die Freigabe.

Schläpfer in der Bredouille

Dem Vernehmen nach hat sich Schläpfer das selbst zuzuschreiben: Als er seinen Vertrag im letzten Frühjahr verlängerte, bot ihm der Klub an, eine Ausstiegsklausel einzubauen. Schläpfer hätte dann für eine fixe Ablösesumme aus dem Vertrag aussteigen können. Schläpfer verzichtete auf den Passus, er wollte damit ein Zeichen setzen.

Am Samstag bestätigte der Coach diesen Vorgang, er sagte: «Es ist richtig, dass ich auf die Klausel verzichtet habe. Ich wollte mich damit zum EHC Biel bekennen.»

Doch auch hier kursiert eine zweite Version: Angeblich holte sich Kevin Schläpfer bei den Klubverantwortlichen das mündliche Zugeständnis, dass er im Fall eines Angebotes der Nationalmannschaft die Freigabe erhalten würde. Bestätigen wollte das gestern niemand, am Samstag hatte der Trainer des EHC Biel einzig gesagt: «Ein Angebot als Nationaltrainer würde ich nicht ablehnen. Das wäre ein toller Fortschritt für meine Karriere.» Mit dieser Aussage bringt sich Schläpfer selbst in die Bredouille. Die Frage ist, ob ihm der Flirt mit dem Nationalteam in Biel verziehen wird. Oder ob der Verband für sein unbeholfenes Vorgehen mittelfristig doch noch mit einem Nationaltrainer Kevin Schläpfer belohnt wird.