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EISHOCKEY: Dieser Teenager erinnert an Federer

Der Walliser Nico Hischier (18) steht am Freitag in Chicago im Mittelpunkt der globalen Hockey- Aufmerksamkeit. Er hat gute Chancen, als erster Schweizer am NHL-Draft als Nummer 1 gezogen zu werden.
Klaus Zaugg
Er zelebriert Eishockey: Nico Hischier beim NHL Scouting Combine, wo die Toptalente getestet wurden. (Bild: Bill Wippert/Getty (Buffalo, 3. Juni 2017))

Er zelebriert Eishockey: Nico Hischier beim NHL Scouting Combine, wo die Toptalente getestet wurden. (Bild: Bill Wippert/Getty (Buffalo, 3. Juni 2017))

Klaus Zaugg

Wie Roger Federer? Das scheint selbst in einer mit Superlativen überladenen Welt für einen 18-jährigen Teenager masslos übertrieben, der im Sport der Erwachsenen noch keine Rolle gespielt hat. Und doch: Wer sich mit Nico Hischier befasst, dem kommt Tennisstar Roger Federer in den Sinn.

Nico Hischier ist weder besonders gross noch aussergewöhnlich kräftig (1,83 m, 79 Kilo) – im Gegensatz zum Kanadier Nolan Patrick (1,91 m/90 Kilo), dem zweiten «Weltjunior» und Kandidaten auf die Nummer 1 bei diesem NHL-Draft. Aber Hischier hat die Leichtigkeit und Lässigkeit, die nur ganz grosse Spieler und Sportler wie Federer haben. Hier ist einer, der Hockey zelebriert, scheinbar schwerelos, elegant, smart. Einer, der den Puck nicht übers Eis schleppt oder mühselig erkämpft, sondern für sich arbeiten lässt. Einer, der nicht mit krachenden Checks und Wucht für Aufsehen sorgt, sondern dort auftaucht, wo ihn die Gegenspieler nicht erwarten. Einer, der nicht schneller läuft, aber schneller denkt als die anderen. Einer, der seine Mitspieler besser macht und als Center das Eis mit seiner Präsenz in allen drei Zonen dominiert. Ein für sein Alter schier unfassbar kompletter Spieler.

Die Karriere des meistgefeierten Talentes in der Geschichte des Schweizer Eishockeys hat unspektakulär begonnen. Hischier wächst in Naters bei Brig auf, in einer zweistöckigen Wohnung am Nordhang des Rhonetals. Von der Terrasse aus geht der Blick übers ganze Tal. Hier ist Nico Hischier als jüngstes von drei Kindern eines Versicherungskaufmanns und einer Sportlehrerin aufgewachsen. Der Sport ist in diesem Haus allgegenwärtig. «Als Kind habe ich viele Sportarten gemacht. Neben Fussball und Eishockey auch Tennis und Judo. Und kurzzeitig bin ich mit meiner Schwester sogar zum Kunstturnen gegangen», sagt er. «Ausserdem hat mich meine Mutter zum Pilates gebracht.»

Bruder Luca ist das Vorbild

Nico spielt in der Tiefgarage mit seinem vier Jahre älteren Bruder Luca stundenlang Hockey. Dieses ungezwungene Spiel fördert Kreativität, Genialität, aber auch Leidenschaft und Spielfreude. Er kann nicht nur auf eine sportbegeisterte Familie, sondern auch auf seinen Bruder zählen, der ihm als absolutes Vorbild dient. «Ich habe immer zu ihm aufgeschaut und tue es heute noch», sagt Nico Hischier. Luca Hischier ist grossgewachsen und kräftig (1,85 m/89 Kilo) – ein anderer Spielertyp als Nico, und deshalb sind die beiden nicht vergleichbar. Der «ältere Hischier» steht beim SCB unter Vertrag und hat letzte Saison in 54 Partien 5 Tore und 12 Assists erzielt.

Mit 15 folgt Nico Hischier im Sommer 2011 seinem Bruder zum SCB. Die beiden leben gemeinsam bei einer Tante in Bern. Am 13. November 2015 spielt Nico Hischier gegen Lausanne (2:5) erstmals in der NLA. Im Sommer 2016 entscheidet er sich zum Wechsel nach Halifax auf die höchste nordamerikanische Junioren-Stufe. Hier hat er vergangene Saison in 57 Spielen 86 Punkte produziert.

Ein klassischer Karriereverlauf: Hockey daheim (die ersten Jahre beim EHC Visp), Umzug zum Klub in die Grossstadt und schliesslich das Wagnis Amerika. Inzwischen übersteigt Nico Hischiers Berühmtheit in Übersee alle Schweizer Dimensionen. Das liegt daran, dass in Nordamerika die besten künftigen NHL-Stars in der Saison vor ihrem Draft eine ähnliche mediale Aufmerksamkeit geniessen wie die echten NHL-Stars. Sie rücken ins Scheinwerferlicht der wichtigsten Liga der Welt und geraten in eine der besten Medien- und Vermarktungsmaschinen der Welt.

Je talentierter ein junger Spieler ist, desto schwieriger wird es für ihn, auf dem Boden zu bleiben. Nico Hischier hat die Bodenhaftung nicht verloren, und das hat in einem hohen Masse mit seinem familiären Umfeld zu tun. Er hat seine Einstellung einmal in einem Satz zusammengefasst, der alles sagt: «Der Gedanke, ich sei jemand Besseres, existiert nicht.» Ein junger, bescheidener, freundlicher Mann mit offenem Blick und sanftem Selbstvertrauen. Nahezu perfekt, aber authentisch in seinem Auftreten. Wie Roger Federer.

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