EISHOCKEY: Duca hält den Ambri-Kurs

Ambri müsste bereits auf dem stürmischen Meer der Krise segeln. Aber an Bord ist alles ruhig. Denn Sportchef Paolo Duca (36) hat das Steuer fest in der Hand.

Klaus Zaugg
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Steht für die neue Ambri-Philosophie: Sportchef Paolo Duca (rechts) mit Präsident Filippo Lombardi. (Bild: Gabriele Putzu/Keystone (Ambri, 9.9.2017))

Steht für die neue Ambri-Philosophie: Sportchef Paolo Duca (rechts) mit Präsident Filippo Lombardi. (Bild: Gabriele Putzu/Keystone (Ambri, 9.9.2017))

Klaus Zaugg

sport@luzernerzeitung.ch

Um Ambris Situation besser verstehen zu können, beginnen wir nicht mit einer Polemik oder vergnüglichen Wortspielereien. Sondern mit staubtrockener Statistik: Ambri hat den schwächsten Saisonstart seit 5 Jahren hinter sich. 7 Punkte aus 9 Partien. In den letzten fünf Jahren waren es zum gleichen Zeitpunkt im Herbst 8 (2016), 11 (2015), 11 (2014) und 14 Punkte (2013). Nur 2012 war es noch schlimmer als jetzt: 4 Punkte aus 9 Spielen. Am 23. Oktober 2012 wurde Kevin Constantine gefeuert und durch Serge Pelletier ersetzt.

In früheren Jahren war die aktuelle Ausgangslage ein Grund zu heftiger Polemik. Zu Forderungen der Tessiner Operetten-Medien nach Kurswechsel und Trainerentlassung. Doch nun ist es anders. Trainer Luca Cereda und sein gleichaltriger Sportchef Paolo Duca sind unbestritten. Trotz hohem sportlichem Wellengang segelt Ambri mit einer sanften Brise durch den Hockey-Herbst. Wie kommt das?

Im letzten Frühjahr hat Präsident Filippo Lombardi dem Wahn abgeschworen, besser zu sein als Lugano. Ambri hat zu seinen Wurzeln, zu seiner Identität zurückgefunden und das Vereinsschiff Männern des Vertrauens aus dem eigenen Tal übergeben: Luca Cereda und Paolo Duca. Männer, die in der eigenen Juniorenbewegung gross geworden sind. Die das Eishockey und Ambri kennen.

Der Saisonstart mit einem Derby-Sieg in Lugano (4:3) war wie die Hochzeitsnacht vor einer langen Ehe. Inzwischen ist der Alltag eingekehrt. Von den acht nächsten Spielen hat Ambri nur noch eines (gegen Langnau) gewonnen und das zweite Derby bereits verloren. Duca ist mit dieser Ausbeute nicht zufrieden. Am Ende des Tages zählt auch für ihn das Resultat. Da ist er nicht anders als jeder andere Sportchef. Aber er sieht einen Unterschied zu früheren Jahren. «Die Leute haben unseren neuen Kurs verstanden. Niemand sagt jetzt, so gehe es nicht weiter und man müsse wieder alles ändern.» Ein gutes Zeichen. Die Botschaft der Vernunft, der Rückkehr zu den Ursprüngen ist angekommen. Und das hat viel mit Trainer Luca Cereda und Sportchef Paolo Duca zu tun. Sie vertreten die neue Philosophie glaubwürdiger als jeder Präsident oder Verwaltungsrat. Weil sie diese neue Philosophie im Hockey-Alltag vorleben. Das neue Ambri personifizieren. Wenn die Anhänger Männern wie Luca Cereda und Paolo Duca nicht mehr vertrauen – wem dann noch?

Wie lange dieses Verständnis anhält, wie viele Niederlagen die neue Kultur erträgt – niemand weiss es. Aber die Einsicht, dass dieser neue Weg der einzige ist, der noch bleibt, setzt sich ganz offensichtlich durch.

Positive Bilanz nach 100 Tagen

Nach seinem fünfjährigen Gastspiel in Zug (bis 2007) hat Paolo Duca die letzten zehn Jahre in Ambri als charismatischer Captain geprägt, ehe er im letzten Sommer direkt von der Kabine ins Büro des Sportchefs wechselte. Er ist jetzt nicht mehr Captain der Mannschaft. Er ist der Kapitän des Vereinsschiffes, der den sportlichen Kurs steuert. Die ersten 100 Tage im Amt, die jedem erst einmal kritiklos zugestanden werden, sind nun vorüber, und die erste Bilanz ist eine positive. Duca hat die heikle Torhüterfrage klug gelöst: Benjamin Conz ersetzt Sandro Zurkirchen. Und er hat auch bereits seine Rolex auf dem Transferwühltisch gefunden: Flügelstürmer Dominic Zwerger (21). Mit 9 Punkten aus 9 Partien Ambris bester Spieler mit Schweizer Lizenz.

Duca hat den ehemaligen HCD-Nachwuchsspieler mit österreichischem Pass und Schweizer Lizenz direkt aus dem kanadischen Juniorenhockey geholt. Die Konkurrenz hat ihn übersehen. «Nein, so ist es nicht» sagt Ambris Sportchef. «Andere kannten und wollten ihn auch. Er hat sich aus sportlichen Gründen für uns entschieden. Wir haben ihm keine Position in der Mannschaft fest zugesagt oder Eiszeit versprochen. Aber wir haben ihm die sportlichen Perspektiven bei uns aufgezeigt, und die haben ihn überzeugt. Er kann sich bei uns weiterentwickeln. Wir sind ein Ausbildungsverein. Das ist unsere Chance, wenn wir einen Spieler zu uns holen wollen.»

Paolo Duca und sein Trainer haben bisher alles richtig gemacht. Aber mehr als jedes Lob würde ihnen halt doch ein Punktgewinn helfen. Beispielsweise heute gegen Zug.