EISHOCKEY: Ein Vertrag von existenzieller Bedeutung

Das Schweizer Hockey «lebt» von den TV-Übertragungen. Schon bald muss Verbands-CEO Florian Kohler Verhandlungsgeschick beweisen, damit die Kasse weiterhin kräftig klingelt.

Klaus Zaugg
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Florian Kohler, CEO beim Schweizer Eishockeyverbaand: «Wir streben eine Vertragsdauer von höchstens drei Jahren an.» (Bild: Keystone/Salvatore Di Nolfi)

Florian Kohler, CEO beim Schweizer Eishockeyverbaand: «Wir streben eine Vertragsdauer von höchstens drei Jahren an.» (Bild: Keystone/Salvatore Di Nolfi)

Klaus Zaugg

Die Verbandsfunktionäre im Schweizer Eishockey prassen schon ein wenig. Dem Geschäftsbericht entnehmen wir auf Seite 67, dass sich Präsident Marc Furrer für seine ehrenamtliche Tätigkeit ein Honorar von 60 000 Franken plus eine Spesenpauschale von 20 000 Franken gönnt. Das ist mehr, als dem Präsidenten des Deutschen Fussballbundes – einer der mächtigsten nationalen Sportverbände der Welt – zusteht. Überhaupt ist der Verwaltungsrat des Schweizer Eishockeyverbandes ein bisschen teuer. Die sechs Herren kosten im Jahr zusammen 225 000 Franken. Der legendäre ehemalige Liga-Boss Franz A. Zölch hat seinerzeit für solche Ausgaben den Begriff «bezahlte Ehrenamtlichkeit» geprägt, dem heute freudig nachgelebt wird. Ganz so wohl ist es unseren tüchtigen Verbandsgenerälen ob der Publikation solcher Zahlen nicht. Aber Gaudenz Domenig, Präsident des HC Davos, sagt: «Ich habe im Sinne der Transparenz bei der Neustrukturierung darauf bestanden, dass diese Zahlen offengelegt werden.»

Nicht nur die Bezüge der Verwaltungsräte sind hoch – auch der Personalaufwand des Verbandes von insgesamt 10,354 Millionen Franken ist bemerkenswert. Gaudenz Domenig mag das nicht kritisieren und sagt mit seiner Lust zu ein wenig Sarkasmus: «Wenigstens stehlen unsere Funktionäre kein Geld. Das ist in der heutigen Zeit ja schon bemerkenswert ...»

Lukrativer TV-Vertrag

Die Geldquelle, die das Wohlleben auf Kosten des Eishockeys möglich macht, ist in erster Linie der TV-Vertrag mit dem Schweizer Fernsehen und Cine­trade im Gesamtwert von jährlich rund 15 Millionen Franken. Neben viel Geld garantiert dieser Deal eine erstklassige TV-Präsenz und liefert so den Sauerstoff für Sponsoring-Partnerschaften, die noch einmal 10 Millionen einbringen. Ausgehandelt hat diesen letzten Deal noch der ehemalige Präsident und tüchtige Kapitalist Philippe Gaydoul.

Damit wird klar: Die Verlängerung des TV-Vertrages, der im Sommer 2017 ansteht, ist von existenzieller Bedeutung. Bereits im nächsten Frühjahr werden die Gespräche beginnen. Jetzt geht es darum, die Verhandlungsdelegationen zusammenzustellen.

Wird es gelingen, die TV- und Vermarktungsgeldquellen zu erhalten? Verbands-CEO Florian Kohler sagt, er werde in diesen Verhandlungen den Lead übernehmen. «Wir lassen uns aber von Fachleuten beraten.» Der neue TV-Sportchef Roland Mägerle hat die verschiedenen Sportverbände schon mal mit einem Brief mit einer Art «Gewinnwarnung» auf die neue Situation im helvetischen TV-Geschäft aufmerksam gemacht. Man müsse sparen. Mägerles Name ist Programm.

Jeder Klub erhält 700 000 Franken

Florian Kohler hat eine Strategie im Kopf. Sie ist hoch riskant – kann aber auch erfolgreich sein. Er sagt: «Wir wollen den Parteien künftig kein Erstverhandlungsrecht mehr gewähren und die Rechte ausschreiben; so, wie das heute auch in anderen Ländern üblich ist.» Er will den TV-Deal zudem an die neue Dynamik dieses Geschäftes angleichen. «Die bisher übliche Vertragsdauer von fünf Jahren entspricht nicht mehr den Erfordernissen der Zeit. Wir streben eine Vertragsdauer von höchstens drei Jahren an.» Nun ist der TV-Markt Schweiz aus verschiedenen Gründen ein Sonderfall und weder mit Deutschland, England noch den skandinavischen Ländern vergleichbar. Erträgt unser TV-Markt die freie Marktwirtschaft beim Dealen mit TV- und Ver­marktungsrechten? Florian Kohler nennt einen interessanten Punkt. «Wir müssen uns auch überlegen, ob wir die TV-Rechte weiterhin im Paket verkaufen, oder ob es in Zukunft nicht besser ist, wenn die einzelnen Klubs selber für die Verbreitung sorgen.» Zurzeit erhält jeder NLA-Klub aus dem TV- und Vermarktungstopf lediglich rund 700 000 Franken pro anno.

Am Ende des Tages hängt alles vom Verhandlungsgeschick der Männerrunde um Florian Kohler ab. 1994 riskierte die Deutsche Eishockey Liga (DEL) zu früh die Strategie hin zum medialen Kapitalismus und weg vom Staatsfernsehen. Eine fatale Fehleinschätzung der Lage. Das deutsche Eishockey ist dadurch in seiner Entwicklung um gut 20 Jahre zurückgeworfen worden und leidet noch heute darunter. Eines ist klar: Ohne das Schweizer Fernsehen kann das Eishockey nicht sein. Als Grundsatz gilt in der Schweiz nach wie vor: Ich komme im staatlichen Fernsehen, also bin ich.