Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

EISHOCKEY: Ein Wilder setzt sich durch

Ein in den USA aufgewachsener Luzerner, der beim EV Zug nicht glücklich geworden ist, prägt mit dem SC Bern den Playoff-Final. Gestatten, Thomas Rüfenacht.
Klaus Zaugg
Im Hoch: SCB-Stürmer Thomas Rüfenacht jubelte am Dienstag nach seinem Siegtreffer gegen Lugano. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Im Hoch: SCB-Stürmer Thomas Rüfenacht jubelte am Dienstag nach seinem Siegtreffer gegen Lugano. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Thomas Rüfenacht (31) war schon immer ein wilder Junge mit gesundem Selbstvertrauen. Diese Geschichte ist verbürgt: Er ist 16 und spielt im Schulteam. In der gegnerischen Mannschaft steht einer, der als kommender Superstar gilt, sich auch entsprechend aufführt und provokativ ein teures goldenes Halskettchen trägt. Im Laufe des Spiels kommt es prompt zu einem Gerangel, wobei Rüfenacht versucht, dem Gegenspieler den Halsschmuck zu entreissen. Die zwei kräftigsten und bösesten gegnerischen Spieler verhindern es. Der 14-jährige Schulbub hat schon Bodyguards. Er heisst Sidney Crosby.

Inzwischen verdient NHL-Superstar Crosby rund 12 Millionen Franken pro Saison. Thomas Rüfenacht wird während seiner ganzen Karriere nicht so viel Geld verdienen. Aber auch er hat seinen Weg gemacht. 2014 spielte er für die Schweiz bei der WM, und am Dienstag erzielte er im zweiten Schweizer Finalspiel den einzigen Treffer zum 1:0 für den SC Bern. Nicht oft jubelt ein Spieler so leidenschaftlich. «Ich habe eben für mein ganzes Team gejubelt», sagt Rüfenacht.

Im Wesen ist er Nordamerikaner

Seine Karriere ist typisch für nordamerikanische Kids, die es nicht einmal in eine der drei grossen nordamerikanischen Nachwuchsligen schaffen (WHL, OHL, QMJHL) und dann auf dem zweiten Bildungsweg in der Schweiz doch noch eine Profikarriere machen. Eigentlich ist Rüfenacht Luzerner. Er ist in Luzern geboren. Aber dann bekommt sein Vater den Auftrag, für eine Schweizer Firma eine Filiale in den USA aufzubauen. So zieht die Familie mit dem sechs Monate alten Thomas nach Nordamerika. Geplant sind fünf Jahre. Daraus ist ein Leben in den USA geworden. Vater Rüfenacht betreibt inzwischen eine gute Autostunde ausserhalb von Pittsburgh eine eigene Firma. Sein Bub spricht zwar nach wie vor fast akzentfrei Schweizerdeutsch. Aber er ist in seinem Wesen und Wirken ein Nordamerikaner geblieben. Deshalb hat er es geschafft.

Dabei hatte er keinerlei Aussichten auf eine Karriere im nordamerikanischen Profihockey. Auch Verletzungen haben ihn zurückgeworfen. Aber er kennt die Familie von Andy Murray, der als Aufstiegstrainer von 1987 die Geschichte des EV Zug mitgeprägt hat. «Ich war schon mehrmals in der Schweiz gewesen. Aber ich wusste gar nicht, dass es hier möglich ist, Profihockey zu spielen», sagt Rüfenacht. «Ich konnte mir das irgendwie gar nicht vorstellen. Erst Andy Murray hat mich auf diese Chance aufmerksam gemacht.»

Durchbruch in Lugano

Spieleragent Gérald Métroz bringt ihn in die Schweiz, später wird er zu Daniel Giger wechseln. Er beginnt seine Tour de Suisse 2003 bei den Elite-Junioren der SCL Tigers. Dort lernt er auch seine heutige Frau kennen. Über Schnuppereinsätze in der höchsten Liga kommt er nicht hinaus und wird in Langnau als nicht NLA-tauglich taxiert. Aber Leidenschaft, Härte und Mut setzten sich immer durch. Im Sommer 2009 ist er beim EV Zug und Doug Shedden in der NLA angelangt. Seither verbindet ihn mit dem Kanadier eine Freundschaft, die beide oft auf den Golfplatz führt. Doch in Zug kommt Rüfenacht trotzdem nicht über die Zuständigkeit eines rauen Rollenspielers hinaus. Im zweiten und dritten Jahr ist er in Zug NLA-Strafenkönig. Aber er schafft nicht einmal 20 Skorerpunkte. Erst der Wechsel nach Lugano im Jahr 2012 bringt die Wende. Weil mehrere Stammspieler ausfallen, wird er von Larry Huras in der ersten Linie und im Powerplay eingesetzt. Er verdoppelt seine Torproduktion auf 14 Treffer. Im Frühjahr 2014 folgt die Berufung ins WM-Team.

In Bern ist Rüfenacht am Ort seiner Bestimmung angelangt. Er hat sich spielerisch enorm entwickelt, aber seine Bissigkeit nicht verloren. «Ich hasse Bequemlichkeit. Ich bin einer, der immer neue Herausforderungen braucht. Ich bin mit 31 noch nicht am Ende meiner Karriere», betont er. Die Mitspieler mögen Rüfenacht, weil er unkompliziert ist, gute Stimmung verbreitet, Selbstironie hat und eben jene Leichtigkeit des Seins vorlebt, die uns Schweizern ja nicht immer leichtfällt.

Bitter für den EVZ

In diesem Final treten einige Spieler mit EVZ-Vergangenheit auf: Alessio Bertaggia (2013 bis 2015), Damien Brunner (2008 bis 2013) und Alessandro Chiesa (2010 bis 2014) bei Lugano. Timo Helbling (2011 bis 2013) und eben Thomas Rüfenacht (2001 bis 2012) bei Bern. An und für sich kein Grund zur Polemik. In einer Liga mit zwölf Teams hat fast jeder eine Vergangenheit bei der Konkurrenz. Aber es ist für Zug schon bitter, dass ausgerechnet Timo Helbling und Thomas Rüfenacht beim SCB mit ihrer Leidenschaft und Härte eine so zentrale Rolle spielen. Die beiden Haudegen haben insgesamt drei Saisons mit mehr als 100 Strafminuten bei Zug in der Statistik stehen. Den Zugern wird ja vorgeworfen, sie seien bereits im Viertelfinal gegen Lugano wegen fehlender Härte und Leidenschaft gescheitert. Kein Schelm, wer fragt: Wie weit wäre Zug in diesem Frühjahr mit Helbling und Rüfenacht in der aktuellen Form gekommen?

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.