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EISHOCKEY: «Ein Wunder, dass ich noch spiele»

Steve Hirschi (34) ist eine der ganz grossen Persönlichkeiten des Schweizer Eishockeys. Und doch taucht sein Name kaum in Schlagzeilen auf. Die erstaunliche Geschichte des HC-Lugano-Captains.
Kraftvoll und dynamisch dank umgestellter Ernährung: Steve Hirschi, der Captain des HC Lugano. (Bild: Keystone / Salvatore Di Nolfi)

Kraftvoll und dynamisch dank umgestellter Ernährung: Steve Hirschi, der Captain des HC Lugano. (Bild: Keystone / Salvatore Di Nolfi)

Klaus Zaugg, Davos

Im Frühjahr 2003 werden die Weichen gestellt. Vieles, was heute so ist, wie es ist, hat seinen Ursprung in diesem Jahr. Steve Hirschi und Beat Gerber verteidigen für die SCL Tigers. Sie gehören zu den begehrtesten Spielern auf dem Transfermarkt. Wären sie in Langnau geblieben, wären die SCL Tigers heute vielleicht ein stabiles Playoff-Team. Hätten sie beim EV Zug unterschrieben, wären die Zuger vielleicht ein zweites und drittes Mal Meister geworden.

Aber es kommt alles anders. Beide gehen getrennte Wege. Beat Gerber wechselt zum SC Bern, wo er heute noch spielt, Steve Hirschi zum HC Lugano. Dort wird er neben Reto von Arx (Davos) der zweite Leitwolf aus dem Emmental bei einem Spitzenteam. Er ist seit fünf Jahren auch Captain. Aber Hirschis Karriere verläuft weitaus dramatischer als jene von Reto von Arx oder Beat Gerber. Ja, es ist ein Wunder, dass er jetzt beim Spengler-Cup spielt.

Das Meisterjahr

Hirschi gehörte bereits zum harten Kern der letzten Meistermannschaft des HC Lugano von 2006. Warum hat es seither nie mehr geklappt? «Es wird immer wieder unterschätzt, welch gute Mannschaft wir 2006 hatten. Wenn ich in der Garderobe sass und um mich schaute, dann sah ich mindestens 15 Spieler, die dazu in der Lage waren, eine Meistermannschaft zu führen. Echte Leader. Gerade im Rückblick muss ich sagen: Es war unglaublich. Nach diesem Titelgewinn haben wir sehr viele Spieler verloren. Das Talent haben wir mehr oder weniger ersetzen können. Aber nicht diese Persönlichkeiten. Auf einmal hatten wir nur noch zwei oder drei Leader, und dieser Verlust an Führungspersönlichkeiten ist mit Talent nicht zu kompensieren. Wir stehen auch als Beispiel dafür, wie schnell im Sport etwas verloren gehen kann und wie schwierig und langwierig ein Neuaufbau sein kann.» Nun seien wieder mehr Leadertypen da. «Ich spüre eine Veränderung. Den Willen in der Kabine. Spieler, die Verantwortung übernehmen wollen. Es ist eine echte Veränderung.»

2006 war nicht nur Luganos letztes Meisterjahr. Auch für Steve Hirschi änderte fast alles. Er erlitt im ersten Viertelfinalspiel gegen Ambri einen Kreuzbandriss und Meniskusschäden im linken Knie. «Ich habe zwei Spiele ausgesetzt, und wir lagen 0:3 zurück. Das konnte ich nicht ertragen. Ich liess mich schmerzfrei spritzen und kehrte aufs Eis zurück. Wir haben die Serie noch gedreht, und ich habe bis zum Titelgewinn durchgespielt. Für jede Partie habe ich mich schmerzfrei spritzen lassen. Das war wohl nicht ideal. Mein Arzt sagt heute zu mir: Hirschi, du hast ein Knie wie ein 90-Jähriger. Aber es war allein meine Entscheidung. Ich wollte es so. Im letzten Sommer konnte ich zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder auf dem Laufband traben. Es ist ein Wunder, dass ich noch spielen kann.»

Der Weg zum Veganer

Zweimal sei er vor dem Karrierenende gestanden. «Zuletzt 2009. Ich hatte ständig Schmerzen im Knie, ich war oft krank, und ich litt an Asthma und an Allergien. Es ging einfach nicht mehr.» Sein Akupunkteur habe ihm schliesslich geraten, Veganer zu werden. Ein Veganer verzichtet auf sämtliche tierische Produkte. «Ich sagte: Veganer? Bist du verrückt? Ich als Emmentaler, aufgewachsen mit Käse und Brot, Raclette und Fondue, ein Veganer? Unmöglich! Aber dann sagte ich mir: Warum nicht?»

Und jetzt ist er tatsächlich Veganer. «Seit zweieinhalb Jahren. Mein Körper hat sehr positiv auf meine veränderten Ernährungsgewohnheiten reagiert. Das Knie ist nicht mehr geschwollen, alle Entzündungen, das Asthma und die Allergien sind weg – ich fühle mich rundum wohl. Ich hätte nie geglaubt, dass so etwas möglich ist. Wir unterschätzen ganz offensichtlich die grosse Bedeutung der Ernährung.» Die Umstellung sei nicht ganz einfach. «Ich koche selber. Dafür investiere ich jeden Tag gut eine Stunde. Ohne diese Umstellung könnte ich heute wahrscheinlich nicht mehr spielen.»

Steve Hirschi hat mit seiner Jugendfreundin eine Familie gegründet. Aber nie geheiratet. Wenn Lugano Meister werden sollte, wird er einen Heiratsantrag machen. Wird er das auch tun bei einem Gewinn des Spengler-Cups? «Nein. Es muss schon ein Meistertitel sein.»

Eine deutliche HCD-Niederlage ohne Polemik

Spengler-Cup kza. Eigentlich müsste das 1:5 (0:1, 1:3, 0:1) des HC Davos gegen Jekaterinburg ein Grund zur Aufregung sein. Denn der HC Davos ist das Epizentrum des Spengler-Cups. Ja, mit etwas Boshaftigkeit liesse sich sogar ein wenig polemisieren. Es gibt dieses Jahr ausnahmsweise sogar für die Davoser Wichtigeres als den Spengler-Cup. Der HCD strebt im Januar im Halbfinal der Champions Hockey League nach der europäischen Krone. Darauf konzentriert sich Trainer Arno Del Curto. Also ist diese Niederlage fast so logisch wie das legendäre 4:5 n. V. gegen den Erstligisten Dübendorf im Schweizer Cup.

Aber die Grundstimmung nach der gestrigen Niederlage: gegen Jekaterinburg verloren – na und? Es gibt ja auch eine fachtechnisch unpolemische Erklärung für die Niederlage: Davos hat gegen eine Mannschaft verloren, die defensiv perfekt und schnell gespielt hat. Eine Kombination, die es in der NLA so nicht gibt.
Aber der tiefere Grund für die erstaunliche Gelassenheit ist ein anderer: Noch nie seit dem Wiederaufstieg von 1993 war es rund um den HCD beim Spengler-Cup so windstill. Im Vergleich zum Vorjahr eine erstaunliche Entwicklung.

Spengler-Cup 2014. Der HCD ist das zentrale Thema. Der Unterhaltungswert ist gross. Ja, es werden sogar in aller Seriosität «Untergangsszenarien» entworfen. Die gehen so: Ein Zeitalter geht zu Ende. Davos steht zwar in der Meisterschaft gut da – auf Platz zwei. Aber es rumort. Arno Del Curto und Reto von Arx haben auslaufende Verträge. Sogar Kenner schliessen nicht mehr aus, dass Del Curto am Ende der Saison den HCD verlassen wird. Und es wird nicht ohne Reto von Arx gehen. Wird der Vertrag mit dem Leitwolf verlängert? Und wenn nicht, tritt er zurück, oder kehrt er dann am Ende gar zu den SCL Tigers zurück? Der HCD liefert den Chronisten sechs Tage lang jeden Tag reichlich Stoff.

Spengler-Cup 2015. Ein Jahr ist vergangen. Die Verträge der wichtigen Spieler laufen weiter. Niemand zweifelt daran, dass Arno Del Curto im Frühjahr in Davos verlängern wird. Der HCD ist Titelverteidiger, und diese Saison geht es auch ohne Reto von Arx. Del Curtos Kultstatus ist grösser denn je. So gross, dass der HCD-Trainer selbst nach einem 1:5 im Auftaktspiel des Spengler-Cups ausserhalb jeder Kritik steht. Der HCD bietet zum ersten Mal seit Jahrzehnten den Chronisten einfach keinen Stoff für Polemik.

Davos - Jekaterinburg 1:5 (0:1, 1:3, 0:1)
6300 Zuschauer (ausverkauft). – SR Kimmerli (Ka)/Wehrli, Fluri/Tscherrig.

Tore: 20. (19:13) Michnow (Koukal, Elo/Ausschluss Koistinen) 0:1. 30. (29:02) Golyschew (Koukal) 0:2. 31. (30:33) Setoguchi 1:2. 34. Jemelin (Golyschew) 1:3. 39. Alexejew (Timaschow) 1:4. 52. Michnow 1:5.
Strafen: je 3-mal 2 Minuten.

Davos: Genoni; Du Bois, Guerra; Nater, Forster; Jung, Koistinen; Brejcak, Paschoud; Sciaroni, Ambühl, Picard; Marc Wieser, Lindgren, Jörg; Setoguchi, Corvi, Moss; Ryser, Walser, Sieber.

Jekaterinburg: Kovar; Megalinski, Wassilewski; Timaschow, Turbin; Trjamkin, Kivisto; Woropajew, Antonowski; Tortschenjuk, Roman, Garejew; Michnow, Golyschew, Koukal; Elo, Jemelin, Knjasew; Mitjakin, Alexejew, Welitschkin.

Bemerkungen: Davos ohne Axelsson, Paulsson, Schneeberger, Simion (alle verletzt), Dino Wieser (krank), Heldner, Kindschi, Egli, Forrer, Tino Kessler (alle U-20-WM), Schmutz, Aeschlimann, Schläpfer, Portmann (alle überzählig). 11. Pfostenschuss von Forster. 21. Picard verschiesst einen Penalty. 57. Pfostenschuss von Megalinski. 57. Time-out von Jekaterinburg, ab 56:57 bis 57:54 ohne Goalie.

Jokerit Helsinki - Mannheim 3:5 (2:2, 1:2, 0:1)
6300 Zuschauer. – SR Kaukokari (Fi)/Vinnberborg, Borga/Küng.

Tore: 12. (11:46) Regin (Aaltonen) 1:0. 13. (12:13) Sallinen (Kennedy) 2:0. 15. Metropolit (Raedeke) 2:1. 19. Carle (Ausschluss Kapanen) 2:2. 23. MacMurchy (Wilson) 2:3. 25. Hagman (Jaakola, Jormakka) 3:3. 40. (39:46) MacMurchy (Hecht/Ausschluss Ohtamaa) 3:4. 60. (59:24) Hospelt (Ausschluss Wilson!) 3:5 (ins leere Tor).

Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Jokerit, 4-mal 2 Minuten gegen Mannheim.

Jokerit Helsinki: Helenius; Larsen, Jensen; Lajunen, Kulda; Jaakola, Todd; Ohtamaa, Sneck; Aaltonen, Regin, Pelletier; Kennedy, Kozun, Sallinen; Jormakka, Kapanen, Hagman; Mäki, Wirtanen, Talaja.

Adler Mannheim: Endras; Eminger, Richmond; Carle, Akdag; Fischer, Wagner; Bittner; Buchwieser, Joudrey, Kink; Rheault, Metropolit, Raedeke; MacMurchy, Wilson, Hecht; Riefers, Hospelt, Arendt; Yip.

Bemerkungen: Adler Mannheim ohne Tardif, Marcel Goc, Reul (verletzt). 28. Pfostenschüsse von Aaltonen, Larsen. 30. Lattenschuss von Talaja. Weitere Pfostenschüsse: Jormakka (36.), Eminger (37.), Sallinen (41.), Riefers (44.). Jokerit ab 58:13 bis 59:24 und ab 59:34 ohne Torhüter.

89. Spengler-Cup

Gruppe Torriani: Jokerit Helsinki - Adler Mannheim 3:5. – Rangliste: 1. Lugano 1/3 (6:3). 2. Adler Mannheim 2/3 (8:9). 3. Jokerit Helsinki 1/0 (3:5).

Gruppe Cattini: Davos - Jekaterinburg 1:5. – Rangliste: 1. Team Canada 1/3 (2:1). 2. Jekaterinburg 2/3 (6:3). 3. Davos 1/0 (1:5).

Die weiteren Spiele
Heute, 15.00: Lugano - Jokerit Helsinki. – 20.15: Team Canada - Davos.

Viertelfinals. Dienstag, 29. Dezember, 15.00:
Gruppenzweiter Torriani - Gruppendritter Cattini (Spiel 7). – 20.15: Zweiter Cattini - Dritter Torriani (Spiel 8).

Halbfinals. Mittwoch, 30. Dezember, 15.00:
Sieger Cattini - Sieger Spiel 7. – 20.15: Sieger Torriani - Sieger Spiel 8.

Donnerstag, 31. Dezember, 12.00: Final.

Modus
Die Gruppensieger stehen in den Halbfinals. Die übrigen Teams bestreiten Viertelfinals.

TV
SRF 2 überträgt alle Spiele live.

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