EISHOCKEY: Eine Pflichtübung wird zur Kür

Die Schweizer besiegen Slowenien mit 7:1 und Reto Suri hat sein erstes echtes Tor erzielt.

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Denis Hollenstein (links) und Severin Blindenbacher feiern das 3:1. (Bild: Keystone)

Denis Hollenstein (links) und Severin Blindenbacher feiern das 3:1. (Bild: Keystone)

Ein Sieg gegen Aufsteiger Slowenien (Nummer 18 der Weltrangliste) war Pflicht. Doch die Schweizer machten aus der Pflicht eine Kür. Das 7:1 ist der höchste Sieg seit dem 8:1 im bedeutungslosen letzten WM-Spiel gegen Italien bei der WM 2001 in Hannover und der erste Erfolg mit sechs Toren Differenz sei dem 6:0 gegen Frankreich bei der WM 2004 in Prag.

Nach zwei Penalty-Treffern gegen Kanada und dem 5:2 gegen Tschechien ins leere Tor hat nun Reto Suri erstmals gegen den Goalie ein Tor erzielt. Er traf gegen Slowenien zum 7:1 und assistierte dazu noch zum 6:1. Es war fast ein richtiger Treffer: Eigentlich ist es ein Eigentor. Die Scheibe wurde von einem slowenischen Verteidiger ins Tor abgelenkt. «Aber wir nehmen das Tor auch so» sagt Suri. Wenn er jetzt die Scheibe noch direkt ins Tor bringt, hat er quasi einen «Grand Slam» geschafft: Penalty-Tor, Treffer ins leere Gehäuse, Eigentor des Gegners – und eben noch das richtige Tor.

Jubel bei EVZ-Stürmer Reto Suri nach seinem 7:1. (Bild: Keystone)
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Feiern das 7:1 von Zug-Stürmer Reto Suri: Julien Vauclair, Ryan Gardner, Andres Ambühl und Reto Suri. (Bild: Keystone)
Jubel bei den mitgereisten Schweizer Fans in Stockholm. (Bild: Keystone)
Julien Vauclair (links) enteilt den slowenischen Spielern Rok Pajic und Tomaz Razingar (rechts). (Bild: Keystone)
Head-Coach Sean Simpson mit den Spielern Bodenmann, Niederreiter, Suri, Moser und Walker (von links). (Bild: Keystone)
Nino Niederreiter (rechts) im Duell gegen Robert Sabolic. (Bild: Keystone)
Simon Bodenmann (links) bremst Sabahudin Kovacevic unsanft. (Bild: Keystone)
Drei der 2132 Zuschauer, die das Spiel in Stockholm vor Ort mitverfolgten. (Bild: Keystone)
Schweizer Fans in der Globe-Arena in Stockholm. (Bild: Keystone)
Luca Cunti (links) gegen Sabahudin Kavacevic. (Bild: Keystone)
Die Schweizer Martin Plüss (links) und Nino Niederreiter gegen die Slowenen David Rodman (links) und Alex Kranjc. (Bild: Keystone)
Simon Bodenmann erwischt Slowenien-Torhüter Andrej Hocevar zwischen den Schonern. (Bild: Keystone)
Simon Bodenmann (links) und Denis Hollenstein jubeln nach dem 1:1 Ausgleichs-Treffer. (Bild: Keystone)
Denis Hollenstein (links) und Severin Blindenbacher feiern das 3:1. (Bild: Keystone)
Martin Plüss im Duell mit Marcel Rodman. (Bild: Keystone)
Torhüter Martin Gerber kassiert das 0:1. (Bild: Keystone)

Jubel bei EVZ-Stürmer Reto Suri nach seinem 7:1. (Bild: Keystone)

«Wir trainieren ganz normal»

Die Frage ist natürlich, ob die harzigen ersten Minuten des Spiels – bis zur 15. Minute lagen die Schweizer 0:1 im Rückstand – bereits jene schwache Phase sind, die jede Mannschaft an einem Turnier durchmachen muss. Suri sagt, die zwei Tage Pause (die Schweizer spielen erst am Samstag um 12.15 Uhr gegen Dänemark) kämen gerade zum richtigen Zeitpunkt. «So können wir durchatmen und die Batterien aufladen.» Nationaltrainer Sean Simpson mag nicht über Vor- und Nachteile einer solchen zweitätigen Ruhepause philosophieren. «So ist der Spielplan. Damit müssen wir leben.» Eine Konsequenz hat er allerdings gezogen: «Wir haben bei der letzten WM am Ruhetag auf Eistraining verzichtet. Das tun wir jetzt nicht. Wir trainieren ganz normal.»

Hollenstein mit bester Einzelleistung

Beim 7:1 gegen die Slowenen hat Denis Hollenstein vier Skorerpunkte gebucht: Zwei Tore (zum 3:1 und 4:1) und zwei Assists (zum 1:1 und 2:1). Es ist statistisch die beste Einzelleistung seit Ivo Rüthemann beim 6:0 gegen Frankreich bei der WM 2004 in Prag zwei Tore und drei Assists gebucht hat.

Praktisch haben die Schweizer erstmals seit 2010 die Viertelfinals erreicht. Theoretisch noch nicht. Damit es auch rechnerisch in jedem Fall reicht, sind aus den drei Partien gegen Dänemark (Samstag), Norwegen (Sonntag) und Weissrussland (Dienstag) noch zwei Punkte notwendig – also ein Sieg nach Verlängerung oder Penaltyschiessen oder zwei Niederlagen nach Verlängerung oder Penaltyschiessen reichen bereits.

Klaus Zaugg, Stockholm

Slowenien - Schweiz 1:7 (1:3, 0:3, 0:1)

Globe Arena, Stockholm. - 2132 Zuschauer. - SR Jerabek/Kaval (Tsch/USA), Carlson/Valach (Ka/Slk). - Tore: 7. Pajic (Pavlin, Pretnar) 1:0. 15. Bodenmann (Cunti, Hollenstein) 1:1. 18. Cunti (Bodenmann, Hollenstein/Ausschluss Music) 1:2. 20. (19:23) Hollenstein (Bodenmann, Cunti/Ausschluss Ticar) 1:3. 32. Hollenstein (Julien Vauclair, Walker) 1:4. 36. Simon Moser (Martin Plüss, Niederreiter/Ausschluss Pajic) 1:5. 40. (39:53) Ambühl (Suri) 1:6. 45. Suri (Ambühl, Gardner) 1:7. - Strafen: 4mal 2 Minuten gegen Slowenien, 2mal 2 Minuten gegen die Schweiz.

Slowenien: Hocevar (41. Kristan); Gregorc, Robar; Kranjc, Pretnar; Pavlin, Kovacevic; Tavzelj; Jeglic, Ticar, Sabolic; David Rodman, Marcel Rodman, Urbas; Razingar, Pajic, Basic; Golicic, Music, Pance; Gasper Kopitar.

Schweiz: Martin Gerber; Seger, Julien Vauclair; Josi, von Gunten; Blindenbacher, Philippe Furrer; Blum, Grossmann; Niederreiter, Martin Plüss, Simon Moser; Suri, Gardner, Ambühl; Bodenmann, Cunti, Hollenstein; Walker, Trachsler, Bieber.

Bemerkungen: Schweiz ohne Monnet, Bürgler, Stephan (alle überzählig) und Berra (Ersatztorhüter).

Schüsse: Slowenien 14 (6-3-5); Schweiz 38 (16-13-9). - Powerplay-Ausbeute: Slowenien 0/2; Schweiz 3/4.