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EISHOCKEY: Fischer ins rechte Licht gerückt

Der Verband will aus Nationaltrainer Patrick Fischer den nächsten Ralph Krueger machen. Die Chancen stehen gar nicht so schlecht, dass dies gelingen könnte.
Klaus Zaugg
Wird vom Verband möglichst vorteilhaft in der Öffentlichkeit positioniert, hat als Cheftrainer aber keinen Leistungsausweis: Patrick Fischer. (Bild: Freshfocus/Urs Lindt)

Wird vom Verband möglichst vorteilhaft in der Öffentlichkeit positioniert, hat als Cheftrainer aber keinen Leistungsausweis: Patrick Fischer. (Bild: Freshfocus/Urs Lindt)

Klaus Zaugg

Ein Nationaltrainer lebt nicht allein von Siegen. Deshalb wird vom Verband rund um Patrick Fischer ein «Making-of» betrieben wie noch bei keinem Nationaltrainer. Ganz nach dem Motto: «Wir basteln uns den nächsten Ralph Krueger.»

Ein Blick zurück erklärt die Gegenwart. Noch heute hat der Name Ralph Krueger die grössere Strahlkraft als jener von Sean Simpson. Dabei ist Krueger nach dem vierten Platz bei der WM von 1998 in jedem Turnier im Viertelfinal gescheitert. Trotzdem ist er zu einer Lichtgestalt unseres Hockeys geworden. Keiner hat im 21. Jahrhundert das Nationalteam besser vermarktet. Keiner hat es besser verstanden, Scheitern als Heldentat dem Publikum zu verkaufen. Ralph Krueger war mehr als «nur» ein Hockeytrainer. Er wurde als Autor eines Lebenshilfebuches und als Motivationsredner in der Privatwirtschaft weit über den Sport hinaus beachtet.

Fachkompetenz hat nicht Priorität

Sean Simpson hat die Nationalmannschaft nach dem Olympiaturnier von 2010 von Ralph Krueger übernommen. Zwar erreichte er 2011, 2012 und 2014 nicht einmal den Viertelfinal. Aber 2013 führte er die Schweiz zu WM-Silber, zum grössten Erfolg unserer Hockeygeschichte. Was hätte einer wie Ralph Krueger aus diesem Silbermärchen gemacht! Doch Sean Simpsons Charisma ist inzwischen verblasst. Er weiss in der Hockeyprovinz Kloten nicht einmal, ob er nächste Saison noch Trainer sein wird. Ralph Krueger hat es hingegen nach seiner Zeit als Nationaltrainer bis zum NHL-Chefcoach gebracht. Inzwischen ist er Präsident eines Teams (Southampton) in der wohl wichtigsten Fussballliga der Welt (England). Gute Trainer bringen es zum Meistertitel, gute Kommunikatoren kommen überall hin.

Inzwischen hat der neue Eishockey-Verbandsdirektor Florian Kohler die zentrale Bedeutung der Persönlichkeit des Nationaltrainers als Verkaufsargument erkannt. Dieses Amt (und das der Assistenten) einem Schweizer zu übertragen, ist ein kluger erster Schritt in diese Richtung.

Dabei steht die Fachkompetenz nicht mehr im Vordergrund. Ralph Krueger war, bevor er Nationaltrainer wurde, mehrfacher Meister der Alpenliga und gewann mit Feldkirch die Champions League. Sean Simpson war ebenfalls mehrfacher Landesmeister und gewann mit den ZSC Lions die Champions League und den Victoria-Cup. Der neue Nationaltrainer Patrick Fischer hat als Cheftrainer keinen Leistungsausweis. In Lugano rutschte er auf den letzten Platz ab und musste gehen. Doug Shedden führte die Mannschaft in den Final. Immerhin assistierte Patrick Fischer zusammen mit Colin Muller bei Sean Simpsons Silber-WM 2013.

Interview mit von Arx abgeblockt

Die Resultate sind eben nicht alles. Wichtiger ist, aus Patrick Fischer den nächsten Ralph Krueger zu machen. Wie das hinter den Kulissen läuft, illustriert wunderbar eine kleine Episode. Ein Hockey-Fachmagazin will ein Interview mit Patrick Fischers Assistenten Reto von Arx machen. Auf die Anfrage antwortet Verbandskommunikationsgeneral Janos Kick, man schlage ein Interview mit Patrick Fischer vor. Der Einwand, Fischer komme in allen Medien vor, also bringe ein Gespräch mit dem charismatischen Assistenten mehr, ist erfolglos. Janos Kick sagt, man wolle Patrick Fischer in der Öffentlichkeit positionieren und wünsche deshalb ein Interview mit ihm und nicht mit dem Assistenten. Es gibt kein Interview mit Reto von Arx. Ganz im Sinne der Zehn Gebote: «Du sollst neben mir keine anderen Götter haben» wird alle Medienaufmerksamkeit auf den Cheftrainer zentriert.

Ein begabter Kommunikator

Ist es tatsächlich möglich, aus Patrick Fischer den nächsten Ralph Krueger zu machen? Die Chancen stehen gar nicht so schlecht. Patrick Fischer ist nicht zu jung für das Amt eines Nationaltrainers. Mit 40 ist er sogar ein Jahr älter als Ralph Krueger bei der ersten WM 1998. Er ist ein überaus begabter Kommunikator. Er ist immer erreichbar, freundlich, ein sehr guter Analytiker, und er kann, wie Ralph Krueger, seine Entscheidungen «verkaufen», alles erklären, und wenn er spricht, hören alle zu. Wie Ralph Krueger ist auch er im guten Sinne von einem Sendungsbewusstsein beseelt: ein Mann auf einer Mission. Ein begabter Kommunikator eben. Wenn Patrick Fischer bei der WM in Moskau (6. bis 22. Mai) den Klassenerhalt schafft, dann wird sein Vertrag (und jener seiner beiden Assistenten) verlängert. Die Resultate sind nebensächlich geworden. An eine Wiederholung des Silberwunders von 2013 glaubt sowieso niemand mehr.

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