EISHOCKEY: Goldtraum geplatzt – Schweiz holt WM-Silber

Der Traum von der ersten WM-Goldmedaille ist für die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft geplatzt. Das Team von Sean Simpson unterlag Gastgeber Schweden in Stockholm im Final mit 1:5.

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Gold-Traum geplatzt: Coach Sean Simpson und die Spieler können es nicht fassen. (Bild: Keystone)

Gold-Traum geplatzt: Coach Sean Simpson und die Spieler können es nicht fassen. (Bild: Keystone)

Trotz der ersten Niederlage nach zwölf Siegen in Serie (inklusive Vorbereitung) kann die SIH-Auswahl von mehr als einem gelungenem Turnier sprechen. Sie bescherte der Schweiz die erst zweite Silbermedaille an einer WM nach 1935. Zudem war es der erste Podestplatz seit 60 Jahren. Und diese Medaille ist als deutlich höher einzustufen als die bisherigen neun zuvor.

Die Schweden beendeten mit diesem Erfolg den «Heim-Fluch»: Erstmals seit 1986 bestiegen wieder die Gastgeber den obersten WM-Thron - damals war in Moskau die Sowjetunion erfolgreich gewesen. Zum Matchwinner der Skandinavier, die einen 0:1-Rückstand aufholten, avancierte Henrik Sedin. Der Starstürmer der Vancouver Canucks erzielte zum ersten WM-Titel seit 2006 nicht nur in der 12. Minute im Powerplay das Game-Winning-Goal zum 2:1, sondern er traf auch noch zum 5:1 (57./ins leere Tor) und hatte den Assist zum 4:1 von Loui Eriksson (56.) gegeben. Es waren für Henrik Sedin in seinem vierten Spiel an dieser WM die Skorerpunkte 7 bis 9.

Bundespräsident Ueli Maurer (links) übergibt die WM-Silber-Medaille an EVZ-Stürmer Reto Suri. (Bild: Keystone)
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Roman Josi, Nino Niederreiter und Eric Blum lassen sich vom Schweizer Staff trösten. (Bild: Keystone)
Nino Niederreiter Martin Gerber, Morris Trachsler, Andres Ambühl und Matthias Bieber (von links) unmittelbar nach der Niederlage. (Bild: Keystone)
Enttäuschung bei Philippe Furrer. (Bild: Keystone)
Gross die Enttäuschung bei Matthias Seger (links) und Martin Gerber. (Bild: Keystone)
Rafael Diaz wird von Daniel Sedin gelegt. (Bild: Keystone)
Gross die Enttäuschung auch bei Trainer Sean Simpson. (Bild: Keystone)
Die Schweizer Mathias Seger (links) und Martin Gerber sind vor dem Schweden Gabriel Landeskog am Puck. (Bild: Keystone)
Schweizer Fans in der Globe Arena in Stockholm. (Bild: Keystone)
Reto Suri (links) wird von Henrik Tallinder zurückgehalten. (Bild: Keystone)
Severin Blindenbacher (rechts) gegen Simon Hjalmarsson. (Bild: Keystone)
Die Schweizer Spieler Diaz, Josi, Trachsler, Walker und Bieber jubeln nach dem 1:0. (Bild: Keystone)
Headcoach Sean Simpson zeigt, wos lang geht. (Bild: Keystone)

Bundespräsident Ueli Maurer (links) übergibt die WM-Silber-Medaille an EVZ-Stürmer Reto Suri. (Bild: Keystone)

Im zweiten Drittel standen die Schweden dem 3:1 näher als die Schweizer dem Ausgleich. Dieses fiel dann in der 48. Minute - nach einer guten Phase der SIH-Auswahl. Verteidiger Julien Vauclair verlor an der eigenen blauen Linie bei einem Dribbling den Puck an Gabriel Landeskog. Der schwedische Stürmer scheiterte zunächst an Martin Gerber, doch Simon Hjalmarsson verwertete den Abpraller. Dabei hinterliess Mathias Seger nicht die beste Figur. Überhaupt machten die Schweizer viele kleine Details weniger gut als in den beiden K.o.-Runden zuvor.

Vor dem 1:2 waren die Schweizer an diesem Turnier erst zweimal (gegen Kanada und gegen Slowenien) und für total 14:25 Minuten in Rückstand gelegen. Gegen die Schweden knüpften sie zu Beginn nahtlos an die hervorragende Leistung beim 3:0-Sieg im Halbfinal gegen die USA an. Sie setzten die nervös wirkenden Einheimischen gut unter Druck und hatten klar mehr vom Spiel. Der Lohn war das 1:0 durch Roman Josi. Der Verteidiger der Nashville Predators erwischte den schwedischen Goalie Jhonas Enroth nach einem Solo von der blauen Linie zwischen den Schonern und erzielte seinen vierten Treffer an diesem Turnier.

In der 9. Minute kamen die Skandinavier wie aus dem Nichts zum Ausgleich; Verteidiger Erik Gustafsson reagierte nach einem Abpraller von Martin Gerber am schnellsten. Bei diesem Tor stand die Sturmlinie mit Nino Niederreiter, Martin Plüss und Simon Moser auf dem Eis; es war für das Trio der erste Gegentreffer an dieser WM.

Das 1:1 baute die Schweden sichtlich auf. Sie spielten nun aggressiver und nutzten die erste Strafe gegen die SIH-Auswahl zur Führung (12.). Josi konnte einen Pass von Daniel Sedin mit dem Stock nur noch so ablenken, dass Henrik Sedin den Puck aus der Luft problemlos über die Linie drücken konnte. Damit erzielten die Einheimischen mit den ersten vier Schüssen zwei Tore.

Dass der entscheidende Treffer im Powerplay fiel, war symptomatisch. Die Schweden präsentierten sich nach der Ankunft der Sedin-Zwillinge im Überzahlspiel deutlich verbessert - schon den Viertelfinal gegen Kanada (3:2 n.P.) und den Halbfinal gegen Finnland (3:0) hatten sie in erster Linie dank des Powerplays (je zwei Tore) siegreich gestaltet.

Schweiz - Schweden 1:5 (1:2, 0:0, 0:3)

Globe Arena, Stockholm. - 12'500 Zuschauer (ausverkauft). - SR Jerabek/Olenin (Tsch/Russ), Dedjulia/Wilmot (WRuss/Ka). - Tore: 5. Josi (Walker) 1:0. 9. Gustafsson (Pettersson, Lundqvist) 1:1. 12. Henrik Sedin (Ausschluss Ambühl) 1:2. 48. Hjalmarsson (Landeskog) 1:3. 56. (55:37) Eriksson (Henrik Sedin) 1:4. 57. (56:36) Henrik Sedin (Ausschluss Persson) 1:5 (ins leere Tor). - Strafen: 4mal 2 plus 10 Minuten (Ambühl) gegen die Schweiz, 3mal 2 Minuten gegen Schweden.

Schweiz: Martin Gerber; Seger, Julien Vauclair; Diaz, Josi; Blum, von Gunten; Blindenbacher, Philippe Furrer; Niederreiter, Martin Plüss, Simon Moser; Walker, Trachsler, Bieber; Bodenmann, Cunti, Hollenstein; Suri, Gardner, Ambühl.

Schweden: Enroth; Gustafsson, Tallinder; Granberg, Kronwall; Fransson; Fälth; Eriksson, Henrik Sedin, Daniel Sedin; Hjalmarsson, Persson, Landeskog; Thörnberg, Lindberg, Ericsson; Pettersson, Lundqvist, Danielsson; Axelsson, Järnkrok.

Bemerkungen: Schweiz ohne Berra (Ersatztorhüter), Monnet, Grossmann (beide überzählig), Bürgler und Stephan (beide nicht gemeldet), Schweden ohne Edler (gesperrt). 56. Daniel Sedin verletzt ausgeschieden. Schweiz von 56:27 bis 56:36 ohne Torhüter. - Schüsse: Schweiz 27 (10-7-10); Schweden 27 (7-10-10). - Powerplay-Ausbeute: Schweiz 0/3; Schweden 1/4.

Fakten und Splitter zur WM

ZWEI PLÄTZE VORGERÜCKT. In der neuen Weltrangliste der IIHF hat die Schweiz nach ihrer sensationellen WM die Slowakei und die USA überholt und ist nun wieder auf den 7. Rang vorgerückt. Diesen Platz hatte die Schweiz bereits vor der letzten WM belegt. Neu führt Schweden das Ranking an. Russland, der bisherige Weltranglistenerste, ist auf Platz 3 zurückgefallen.

HIERARCHIE GESPRENGT. Die Schweiz gewann nicht nur erstmals seit 60 Jahren eine WM-Medaille, es ist auch das erste Mal seit 1953, dass eine Nation ausserhalb der Top sieben Edelmetall entgegen nehmen durfte. Damals gewann Deutschland Silber und die Schweiz Bronze. Seither teilten die sieben «Grossen» die Medaillen unter sich auf. Gesprengt wurde die Hierarchie noch 1976, als Deutschland an den Olympischen Spielen in Innsbruck überraschend Bronze gewann.

REIBER IM EINSATZ. Wie bereits 2012 standen auch dieses Jahr die Schweizer Schiedsrichter am Finaltag noch im Einsatz. Head Brent Reiber und Linesman Roger Arm leiteten die Partie um Platz 3 zwischen Finnland und den USA. Im Vorjahr hatten die beiden gar den WM-Final zwischen Russland und der Slowakei geleitet.