EISHOCKEY: Hochsaison für den Wolhuser Hüft-Doktor

Wenn der letzte Playoff-Puck gespielt ist, können sich die Profis ihren Verletzungen widmen. Nicht weniger als ein Dutzend lassen sich im Kantonsspital Wolhusen die Hüften operieren.

Daniel Wyrsch
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Einen Tag nach der Operation durch Chefarzt Richard Herzog (links) lässt sich das Knie von Davos-Verteidiger Sven Jung bereits wieder beugen – wenn auch unter Schmerzen. (Bild: Philipp Schmidli (Wolhusen, 2. Mai 2017))

Einen Tag nach der Operation durch Chefarzt Richard Herzog (links) lässt sich das Knie von Davos-Verteidiger Sven Jung bereits wieder beugen – wenn auch unter Schmerzen. (Bild: Philipp Schmidli (Wolhusen, 2. Mai 2017))

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Davos-Verteidiger Sven Jung (22) liegt im Spitalbett. Der operative Eingriff an seiner rechten Hüfte ist erst 24 Stunden her. Doch Richard Herzog (60), Chefarzt Orthopädie am Luzerner Kantonsspital Wolhusen, muss seinen Patienten schon nicht mehr über Gebühr schonen. Er demonstriert mit Jungs Knie, dass Beugebewegungen bereits wieder möglich sind. Sven Jung meint: «Natürlich spüre ich noch etwas die Schmerzen, aber die sind auszuhalten.» Er lobt: «Doktor Herzog hat einen guten Job gemacht.» In zwei Wochen darf der HCD-Profi das Kraft- und Ausdauertraining wieder aufnehmen und in zwei Monaten mit der Vorbereitung auf dem Eis beginnen.

Wie kommt es aber, dass ein grosser Teil der besten Schweizer Eishockeyaner das im Vergleich kleine Krankenhaus in Wolhusen aufsucht, um sich von Herzog an den havarierten Hüften behandeln zu lassen? Jung: «In Davos haben mir alle Doktor Herzog empfohlen. Letzte Woche hat Luca Hischier vom SC Bern sich auch hier operieren lassen. Er konnte nur Positives berichten.»

Herzog ist einer der weltweit führenden Spezialisten

Arzt Richard Herzog erzählt, wie sich seine Spezialisierung im Kantonsspital Wolhusen entwickelt hat: «Als ich hier vor zwanzig Jahren meine Arbeit aufnahm, wurde ich mit den Hüftverletzungen der Schwinger konfrontiert. Ich habe dann angefangen, auf die Arthroskopie zu setzen.» Herzog wurde darin zu einem weltweit führenden Spezialisten. Das hat sich natürlich bei den Eishockeyanern, Fussballern, Handballern und Beachvolleyballern herumgesprochen.

Wenn der letzte Playoff-Puck gespielt, die Saison im Eishockey beendet ist, dann beginnt die Hochsaison bei Herzog und seinem Team im Kantonsspital Wolhusen. Heuer sind es nicht weniger als zwölf Profis, die sich die drei arthroskopischen Schnitte am Hüftgelenk machen lassen. Ein anspruchsvoller Eingriff. Insgesamt hat Herzog diese Operation schon 1500 Mal gemacht. Auftretende Komplikationen seien «eine absolute Rarität», versichert der Chefarzt.

Die meisten seiner Patienten kommen aus dem Sport oder sind zumindest sportlich. Besonders lobt Herzog die Eishockeyspieler. «Sie haben extrem starke Muskeln, ein sehr gutes Gleichgewichtsgefühl, und sie sind hart im Nehmen.» Trotzdem ist er froh, dass der Ex-Nachwuchsmann der SCL Tigers früh gespürt hat, dass mit seiner rechten Hüfte etwas nicht stimmt. «Gott sei Dank hat er sich bereits behandeln lassen – je früher, desto besser.» Dies, weil dann die Beschädigung noch nicht fortgeschritten ist. Bedenken muss man, dass einer wie Jung bereits als Vierjähriger seine Sportart auszuüben begann.

Im Wachstum einer hohen Belastung ausgesetzt

Herzog erklärt, dass die Eishockeyspieler im Training und im Match aggressiven Rotationsbewegungen ausgesetzt sind. «Die Fehlform der Hüften entsteht während des Wachstums in der Nachwuchszeit, wenn die Spieler zwischen 12 und 16 Jahre alt sind.» In dieser Phase trifft eine intensive Belastung auf nicht entwickelte Knochen.

Immerhin können Professionals wie Sven Jung auf eine gute medizinische Betreuung in den Klubs zählen. «Die Betreuer sind sensibilisiert auf Verletzungen der Spieler, das ist heutzutage viel besser als früher», findet Herzog. Allerdings benötigen die Athleten eine entsprechende Aufmerksamkeit in den Vereinen. Ein 22-jähriger Spieler wie der Berner Jung hat in der zu Ende gegangenen Saison nicht weniger als 70 Partien mit Davos bestritten.