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EISHOCKEY: «Ich fühle mich als Schweizer»

Ralph Krueger (53) spricht im Exklusiv-Interview über die neue Schweizer Hockey-Generation – und sein neues Leben als Trainer der Edmonton Oilers.
Nicola Berger, Edmonton
Trotz eisigen Temperaturen gefällt Ralph Krueger die Arbeit in Edmonton: «Ich habe hier einen tollen, spannenden Job.» (Bild: AP/The Canadian Press, Jason Franson)

Trotz eisigen Temperaturen gefällt Ralph Krueger die Arbeit in Edmonton: «Ich habe hier einen tollen, spannenden Job.» (Bild: AP/The Canadian Press, Jason Franson)

Es ist kalt in Edmonton. Die Temperatur beträgt minus 28 Grad, und aufgrund des ungnädigen Windes fühlt es sich sogar noch kälter an. Im Rexall Place, der Heimstätte der Edmonton Oilers, ist davon nichts zu spüren. Im Gegenteil: Ralph Krueger (53) ist bemüht, zwischenmenschliche Wärme zu versprühen. Auf dem Weg von der Kabine auf die Eisfläche sagt er zum zuletzt überzähligen Darcy Hordichuk: «Tut mir leid, dass ich in letzter Zeit so wenig mit dir geredet habe. Wie gehts dir?» Gespräche zwischen Trainer und Spielern in der NHL sind selten, und so antwortet Hordichuk überrascht: «O, alles gut, danke!» Es sind kleine Aufmerksamkeiten wie diese, die es den langjährigen Schweizer Nationaltrainer in seiner Trainerkarriere weit haben bringen lassen. Auch den Besuch aus der Schweiz empfängt er mit offenen Armen, obwohl seine Frau Glenda am gleichen Abend zurück nach Zürich fliegt und er sie mehrere Wochen nicht mehr zu Gesicht bekommen wird. Eine Begegnung mit einem Mann, der ausgezogen ist, um die NHL zu erobern, dabei seine Wurzeln aber nicht vergessen hat.

Ralph Krueger, war es für Sie eine Genugtuung, dass Sie im letzten Juni in Edmonton vom Assistenten zum Cheftrainer befördert wurden?

Ralph Krueger: Genugtuung? Nein. Ich hätte problemlos in Europa arbeiten können, die Anfragen waren da. Aber natürlich hat es mich gefreut, dass sich die Oilers für mich entschieden haben. Ich habe hier einen tollen, spannenden Job.

Als Nationalmannschaftstrainer haben Sie mehr verdient als Ihre Spieler. Nun coachen Sie Spieler wie Taylor Hall, der 6 Millionen Dollar pro Jahr verdient. Was machen Sie da anders?

Krueger: Nichts. Als NHL-Trainer kannst du es dir nicht leisten, irgendwelchen Spielern Sonderbehandlungen einzuräumen. Jeder ist gleich, für alle zählt das Leistungsprinzip. Hältst du dich als Coach nicht an diese Regeln, hast du verloren.

Sie haben keinerlei NHL-Erfahrung als Spieler und als Trainer auch bloss zwei Jahre als Assistent. Inwiefern ist das ein Nachteil?

Krueger: Ich habe den Oilers-Verantwortlichen von Anfang an gesagt: Wenn ich den Job machen soll, dann werde ich das auf meine Weise tun – und sie haben mich dazu ermutigt, mich selber zu bleiben. Ich arbeite sehr ähnlich wie mit der Schweizer Nationalmannschaft. Und es hilft mir, dass meine Assistenten (Kelly Buchberger und Steve Smith, die Red.) jahrelang in der NHL gespielt haben.

Wie viel Taktik «made in Switzerland» steckt in diesen Oilers?

Krueger: Viel. Für mich steht der Teamgedanke über allem. Wir wollen als Gruppe zusammenwachsen.

Wie stark spüren Sie das Erbe von Wayne Gretzky?

Krueger: Sein Name ist hier omnipräsent. In der Vergangenheit hat das die Teams mit negativem Druck belastet. Es war eine meiner ersten Aufgaben, dies zu ändern. Man muss doch das Positive sehen: Edmonton ist der kleinste Hockey-Markt der NHL, alle sagen, es sei heute unmöglich, den Stanley-Cup hierher zu holen. Dabei zeigt uns ein Blick zurück, dass es sehr wohl geht. Entsprechend habe ich die Gretzky-Ära in das Motivationsvideo eingebaut, das ich für die Saison erstellte.

Wann kann Edmonton um den Titel mitspielen?

Krueger: Dieses Jahr wollen wir ins Playoff. Und dann geht es darum, in zwei bis drei Jahren ganz vorne dabei zu sein.

Es schaffen immer mehr Schweizer Spieler den Sprung in die NHL. Rechnen Sie sich das auch selber an?

Krueger: Man kann das nicht in Prozenten messen. Meine Arbeit im Schweizer Eishockey war ein kleiner Teil eines grossen Prozesses. Aber ich habe selber von den Fortschritten profitiert. Den Oilers-Job hätte ich ohne die Schweiz nicht bekommen, sie war meine Visitenkarte.

Stellen Sie fest, dass die Schweiz als Eishockey-Nation in Nordamerika inzwischen weniger belächelt wird?

Krueger: Absolut. Ich arbeite jetzt seit zweieinhalb Jahren in Edmonton, und allein in dieser Zeitspanne hat sich das Ansehen der Schweiz massiv verbessert. Auch der Lockout hat es gerade wieder gezeigt: Keine andere Liga hat hier so viele Komplimente von Spielern erhalten wie die NLA. Nicht einmal die KHL.

Stellen Sie auch ein anderes Selbstbewusstsein bei den Schweizer Spielern fest?

Krueger: Absolut, da wächst eine neue, forsch auftretende Generation heran, die sich nicht mehr versteckt. Als ich als Nationalcoach begann, war das ganz anders. Wir erstarrten damals beinahe vor Respekt. Diesbezüglich haben wir den Durchbruch an den Olympischen Spielen von Turin 2006 geschafft, als wir gegen Tschechien und Kanada gewannen. Spieler wie Brunner, Sbisa oder Diaz waren damals zwar nicht dabei, aber sie haben die Partien am TV gesehen. Die Erfolge hatten eine Signalwirkung, die Spieler trauten sich danach mehr zu, wurden frecher – im positiven Sinne.

Sie traten 2010 nach Olympia zurück, nachdem Sie von Philippe Gaydoul desavouiert worden waren. Wie war das damals für Sie?

Krueger: Natürlich hätte ich mir einen anderen Abgang gewünscht. Aber mit der damaligen Führung ging das eben nicht. Wenn man sieht, was danach passiert ist, muss ich die ganze Sache ja nicht mehr kommentieren. Das ist alles selbstredend.

Sie sind ja immer wieder in der Schweiz anzutreffen, spüren Sie jetzt, drei Jahre später, eine andere Wertschätzung in der Hockey-Szene und in der Bevölkerung?

Krueger: Ich hatte nie das Gefühl, dass diese gefehlt hat. Klar, die damalige Führung und einige Medien hatten nicht die beste Meinung von mir, aber darunter, an der Basis habe ich immer viel Dankbarkeit gespürt. Ich hatte mit der Schweiz 13 wunderbare Jahre.

Die Resultate sind unter Sean Simpson nicht besser geworden. Freut Sie das?

Krueger: Wo denken Sie hin! Ich bin der grösste Fan der Schweizer Nationalmannschaft. Aber es ist noch immer so, dass die Schweiz irgendwo zwischen den acht bis zwölf besten Ländern der Welt angesiedelt werden muss. Das heisst: Wenn man die Viertelfinalqualifikation schafft, ist das ein Erfolg. Um die Halbfinalqualifikation zu bewerkstelligen, muss es zu einer Verkettung perfekter Ereignisse kommen. So realistisch muss man sein.

Jetzt, wo sich immer mehr Schweizer in der NHL durchsetzen, müssen die Aussichten doch besser werden.

Krueger: Als ich begann, war mein Ziel, dass wir langfristig zwei Blöcke mit NHL-Spielern stellen können. Davon sind wir noch immer ein Stück entfernt, aber die Fortschritte sind da, der eingeschlagene Weg stimmt. Doch auch die anderen Nationen verbessern sich.

Welchem der Legionäre trauen Sie die erfolgreichste Karriere zu?

Krueger: Sie sind zu verschieden, als dass ich das einfach so beantworten könnte. Was ich sagen kann, ist, dass man in der NHL nur eine Chance hat, wenn man für irgendeinen Bereich Spezialist ist. Das kann das Toreschiessen sein, aber auch das Spiel im Boxplay. Alle Schweizer, die hier drüben sind, haben eine besondere Qualität. Darum bin ich mir sicher, dass sie eine aufregende Zukunft vor sich haben.

2001 haben Sie das Buch «Teamlife – über Niederlagen zum Erfolg» geschrieben. Verkauft es sich noch?

Krueger: So viel ich weiss, ist es im Moment vergriffen. Wir haben rund 100 000 Stück abgesetzt.

Wann kommt die Fortsetzung?

Krueger: Ich habe ein fertiges Manuskript in der Schublade, werde mit der Veröffentlichung aber noch ein paar Jahre warten. Es kostet Zeit, ein Buch herauszubringen. Und die habe ich im Moment nicht.

Wovon wird der Text handeln?

Krueger: Wieder von Teamlife, es wird eine Fortsetzung. Ich bin ja auch wieder 13 Jahre älter und somit hoffentlich etwas klüger geworden (lacht).

Ihr Wohnsitz befindet sich noch immer in der Schweiz. Wird das so bleiben?

Krueger: Ja. Ich und meine Frau werden dort alt werden. Wir besitzen eine Wohnung in Wollerau und ein Haus in Davos. Wir haben auch während des Lockouts rund zwei Monate in der Schweiz verbracht. Für mich ist es der perfekte Ort, um abzuschalten und Kraft zu tanken.

Fühlen Sie sich selber in erster Linie als Schweizer, als Kanadier oder als Deutscher?

Krueger: Als Schweizer, keine Frage.

Ralph Krueger ist deutsch-kanadischer Doppelbürger. Zwischen 1997 und 2010 war er Nationaltrainer der Schweiz. Mit seiner Ehefrau Glenda hat Krueger zwei Kinder: Geena (23) und Sohn Justin (26), der als Eishockeyprofi bei den Charlotte Checkers in der AHL aktiv ist. Krueger selber ist seit dem 27. Juni Headcoach der Edmonton Oilers, wo er einen Vertrag bis 2014 (mit Option auf eine weitere Saison) besitzt.

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