EISHOCKEY: IIHF-Präsident René Fasel setzt sich für mehr Spektakel ein

IIHF-Präsident René Fasel (66) ist der höchste Hockey-Funktionär der Welt. Er kündigt Regeländerungen an, um das Spiel attraktiver zu machen. Und schliesst eine weitere Amtszeit nicht mehr aus.

Klaus Zaugg/Davos
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René Fasel, Präsident des Internationalen Hockeyverbandes, vor dem Sitz in Zürich. (Bild: Pius Koller/Freshfocus (18. Dezember 2013))

René Fasel, Präsident des Internationalen Hockeyverbandes, vor dem Sitz in Zürich. (Bild: Pius Koller/Freshfocus (18. Dezember 2013))

Klaus Zaugg/Davos

sport@luzernerzeitung.ch

Sein Vater war ein charismatischer Handelsreisender im Sensebezirk (deutschsprachiger Teil des Kantons Freiburg). Dieses Talent hat sein Sohn geerbt: René Fasel (66) ist ein charismatischer Handelsreisender in Sachen Eishockey. Nicht nur in seiner Heimat. Als Präsident des Internationalen Hockeyverbandes (IIHF) und IOC-Mitglied reist er seit 1994 um die Welt, um die Popularität und die Qualität «seines» Spiels zu verbessern.

Bei seinem ruhelosen Leben wäre es nur logisch, wenn er in der Altjahrswoche ruhen würde. Doch dies tut er nicht: Fasel weilt über die Festtage in Davos. Der höchste Hockey-Funktionär der Welt macht dem Spengler-Cup Jahr für Jahr seine Aufwartung. Der Spengler-Cup ist für Fasel eine Herzensangelegenheit. «Ich war vor 40 Jahren zum ersten Mal dabei. Als Linienrichter. Stellen Sie sich vor: vor 40 Jahren! Wie die Zeit vergeht.»

NHL-Stars sollen Freigabe für Olympia 2018 erhalten

Dabei mischt er sich nicht in die Politik rund um dieses Turnier ein. Er hütet sich überhaupt vor Einmischungen in die helvetische Hockeypolitik wie der Teufel vor dem geweihten Wasser. Nur zur Schweizer Olympia-Kandidatur 2026 äussert er sich: «Wir hätten die Spiele 2022 auf dem Silbertablett bekommen. Schade, dass das Projekt an der Volksabstimmung gescheitert ist. Eine neue Kandidatur macht nur dann Sinn, wenn wir bereits bestehende Infrastrukturen benützen.» Will heissen: Fasel ist für die Kandidatur Graubünden und gegen das Projekt Sion 2026.

Wenn die Altjahrswoche um ist, werden ihn die Verhandlungen mit NHL-Boss Gary Bettman umtreiben. Bekommen die NHL-Stars für das olympische Turnier 2018 in Südkorea die Freigabe? «Ich schätze die Chancen nach wie vor auf 50:50», sagt Fasel. «Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und alle Bedingungen, auch die finanziellen, erfüllt.» Er musste zusätzlich 10 Millionen Franken aufbringen, um alle anfallenden Kosten (Versicherungen, Reisen) für eine Teilnahme der NHL-Stars aufzubringen. Seine Hoffnung: Die NHL-Spielergewerkschaft will die Olympiateilnahme. Kann es sich Bettman leisten, die Spielergewerkschaft vor den anstehenden Verhandlungen eines neuen Gesamtarbeitsvertrages zu verärgern? Dieser Gesamtarbeitsvertrag ist 2019 kündbar. Und kann es sich die NHL leisten, 2018 abseits zu stehen und so einen Auftritt beim Turnier von 2022 in Peking, im riesigen chinesischen Markt, in Gefahr zu bringen? Fasel schliesst dieses Szenario nicht aus. «Es ist unser Bestreben, die besten Spieler beim olympischen Turnier zu haben. Dafür tun wir alles. Aber wenn es für 2018 keine Einigung mit der NHL gibt, dann ist nicht ausgeschlossen, dass es im Eishockey eine ähnliche Lösung wie im Fussball gibt. Dass es nur noch ein U 25- oder U 23-Turnier sein wird.» Die Entscheidung wird bald fallen. «Ende Januar müssen die NHL-Organisationen wegen der Belegungspläne für die Stadien wissen, ob es eine Olympia-Pause gibt.»

Künftig 4 gegen 3 im Powerplay?

So oder so treibt Fasel die Verbesserung des Spiels um. Die Diskussionen über neue Regeln laufen. Die Änderungen werden im September 2017 dem IIHF-Kongress vorgelegt und, wenn bewilligt, für die Saison 2018/19 eingeführt. Das Ziel der Regeländerungen ist es, das Spiel schneller, offensiver, attraktiver und sicherer zu machen. «Die Anzahl der Gehirnerschütterungen ist zurückgegangen», sagt Fasel. «Die strenge Ahndung der Vergehen und die Sperren für fehlbare Spieler zeigen inzwischen Wirkung.» Er ist irritiert, dass die konsequente Regelanwendung in der Schweiz zu Beginn dieser Saison vernachlässigt worden ist und nun im Laufe der Saison die Schraube wieder angezogen werden muss.

Die wohl interessanteste Regeländerung: Künftig soll das Powerplay bei einem Ausschluss nicht mehr mit 5 gegen 4, sondern mit 4 gegen 3 gespielt werden. Bei einer weiteren Strafe mit 5 gegen 3. «Die Statistik zeigt ganz klar, dass bei 4 gegen 3 mehr Tore fallen als bei 5 gegen 4», begründet Fasel. Damit eine Strafe noch mehr Auswirkungen hat, wird auch erwogen, dass der bestrafte Spieler nach einem Gegentreffer nicht vorzeitig aufs Eis zurückkehren darf. So war es ja schon einmal. Doch weil einst die Überlegenheit der Montréal Canadiens zu gross war und im Po­werplay zu viele Tore fielen, ist dem bestraften Spieler erlaubt worden, nach dem ersten Gegentor die Strafbank zu verlassen.

Überlegungen gibt es auch zur Verlängerung. Heute treten bei der Überzeit drei gegen drei Feldspieler an. Fasel kann sich auch da eine Erhöhung des Spektakels vorstellen: «Es gibt einen Vorschlag, in der Verlängerung zusätzlich auf die Offside-Regel zu verzichten.» Das Spektakel wäre dann wohl im besten Wortsinn grenzenlos.

Laufende Anpassungen, um das Spiel besser zu machen – aber keine Änderungen in anderen Bereichen. Eine Frage, die im Hockey immer und immer wieder diskutiert wird: Braucht es die WM wirklich alle Jahre? Sind 16 Teams nicht zu viel? Warum im Mai? Fasel sagt: «Wenn uns jemand eine bessere Lösung präsentiert, dann sind wir sofort bereit, etwas zu ändern. Aber wir haben bis heute keinen besseren Vorschlag bekommen.»

René Fasel ist jetzt 66 Jahre alt. Er ist als IIHF-Präsident gewählt bis 2020, und die Hockeywelt geht davon aus, dass er dann nicht mehr zur Wiederwahl antreten wird. Nun lässt er erstmals durchblicken, dass er 2020 noch einmal kandidieren könnte. «Ich schliesse nichts aus. Warten wir doch einmal ab, was 2020 sein wird», sagt er.