EISHOCKEY: Intrigen im Züribiet

Der EHC Kloten entlässt Trainer Kevin Schläpfer nach dem Scheitern im Playout. Der Baselbieter nimmt dies aber erstaunlich gelassen.

Klaus Zaugg
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Auch «Hockeygott» Kevin Schläpfer konnte Kloten nicht vor der Liga-Qualifikation bewahren. (Bild: Patrick Kraemer/Keystone (Kloten, 26. Januar 2018))

Auch «Hockeygott» Kevin Schläpfer konnte Kloten nicht vor der Liga-Qualifikation bewahren. (Bild: Patrick Kraemer/Keystone (Kloten, 26. Januar 2018))

Klaus Zaugg

sport@luzernerzeitung.ch

Eine Entlassung ist kein Grund zur Aufregung. Die Amtsenthebung von Kevin Schläpfer (48) könnten wir mit dem Abdruck der staubtrockenen offiziellen Meldung abhandeln. «Aufgrund der aktuellen sportlichen Situation hat sich die Clubführung des EHC Kloten entschieden, Headcoach Kevin Schläpfer zu suspendieren. Per sofort übernimmt ­André Rötheli bis Ende der laufenden Saison seinen Posten. ­Assistiert wird er wie beim Elite-A-Team von Felix Hollenstein und vom bisherigen Assistenzcoach Niklas Gällstedt.»

Kevin Schläpfer ist gestern um 9.30 Uhr im Trainerbüro entlassen worden. Er habe nicht mit einer Entlassung gerechnet. «Vor dem Spiel in Ambri deutete noch nichts darauf hin, dass ich im Falle einer Niederlage entlassen werde.» Aber als er nur Präsident Hans-Ulrich Lehmann im Trainerbüro angetroffen habe, sei ihm klar gewesen, dass es vorbei ist. «In ein paar Minuten war die Sache mit einem Händedruck erledigt.» Der Baselbieter nimmt das Scheitern gelassen. «Ich habe inzwischen bereits ein paar Telefonanrufe bekommen. Kollegen, die mich besorgt fragen, wie es mir nun gehe. Es ist ja fast so, dass ich die anderen aufmuntern muss. Hey, ich habe im Eishockey so viel erlebt und das Eishockey hat mir so viel gegeben, dass eine Entlassung kein Grund ist, gleich den Kopf hängen zu lassen!»

Sein Vertrag läuft noch bis Ende der übernächsten Saison, gilt aber nur für die NLA. Es geht in der Liga-Qualifikation auch um zwei Jahressaläre. «Ein weiterer Grund für mich, der grösste Kloten-Fan zu sein.»

Kevin Schläpfer war nicht einfach Trainer bei irgendeinem Klub. Er war beim EHC Kloten. Einer Institution. Seit 56 Jahren in der höchsten Liga. Und er kam nicht als «gewöhnlicher» Trainer. Sondern als «Hockeygott», der den modernen EHC Biel erschaffen hat.

Ein gegensätzlicher Nachfolger

Hier geht es um eine Shakes­peare’sche Sporttragödie und ein Lehrstück zugleich. Klotens Präsident Hans-Ulrich Lehmann wollte die Hockey-Gesetze widerlegen. Sparen. Klüger sein als die anderen Bosse und Manager. Nur drei statt vier Ausländer beschäftigen. Und auf keinen Fall den Trainer entlassen. Inzwischen ist er diese Saison bei sieben Ausländern und drei Trainern angelangt. Der rigorose Sparkurs hat dazu geführt, dass zu viele Spieler ihre Zukunft bereits anderorts geregelt haben. Dazu das «Titanic-Syndrom»: Alle wissen, dass ein Abstieg droht. Und trotzdem ist ein Abstieg so ausserhalb jedes Vorstellungsvermögens wie einst der Untergang der «Titanic». Und schliesslich ist da die kleine Welt eines Dorfes im Züribiet. Voller Intrigen, Schnurren und Schwänke, wie sie uns der wortgewaltige Gottfried Keller beschrieben hat («Seldwyla»).

André Rötheli (47) wird also Kevin Schläpfers Nachfolger. Gegensätzlicher als sein temperamentvoller, charismatischer Vorgänger könnte er nicht sein. Wie ein Wechsel von Roman Kilch­sperger zum Dalai-Lama. Und vielleicht ist das ja eine Chance: der ruhige, bisweilen phlegmatisch wirkende Oltner, Captain des einzigen Zuger Meisterteams (1998) und als Spieler ein sanftes Genie, bringt die Ruhe und die Gelassenheit, die es im Existenzkampf braucht. Vier Siege in der Liga-Qualifikation sind nötig für den Klassenerhalt.