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EISHOCKEY: Luca Cereda gibt Ambri Mut

Ambri ist die neue Attraktion der Liga und Luca Cereda der neue Arno Del Curto. Vielleicht reicht es den Tessinern gar für die Teilnahme an den Playoffs.
Klaus Zaugg
Ambri-Trainer Luca Cereda gibt einem seiner Spieler Anweisungen. (Bild: Christian Merz/Keystone (Zürich, 9. Oktober 2017))

Ambri-Trainer Luca Cereda gibt einem seiner Spieler Anweisungen. (Bild: Christian Merz/Keystone (Zürich, 9. Oktober 2017))

Klaus Zaugg

sport@luzernerzeitung.ch

Das Lob kommt vor dem Tessiner Derby von höchster und unerwarteter Stelle. Vicky Mantegazza, die Vorsitzende des grossen HC Lugano, sagt: «Ich finde gut, was Ambri macht.» Es ist die ultimative Anerkennung für die neue Philosophie. Für die Rückkehr zu den Ursprüngen mit einem Sportchef (Paolo Duca) und einem Trainer (Luca Cereda) aus den eigenen Reihen.

Diese neue Politik ist nun schon oft gerühmt worden. Aber erst jetzt kann man nach und nach erkennen, wie sie sich auf dem Eis auswirkt. Sie macht Ambri zu einer Attraktion der Liga. Zu einem unbequemen Gegner. Langnaus Trainer Heinz Ehlers, kein Mann der grossen Worte, brachte es nach einem harterkämpften 3:2-Sieg im Penaltyschiessen auf den Punkt: «Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.»

Vor ziemlich genau 30 Jahren hat Ambri zum letzten Mal die Liga so gerockt. Im Herbst 1986 fegte Ambri mit einer Horde nordamerikanischer Desperados durch die Stadien. Cheftrainer Roland von Mentlen liess Misko Antisin, Keith Fair & Co. an der langen Leine fräsen. Durch die Verpflichtung von nordamerikanisch-schweizerischen Doppelbürgern gelang der Befreiungsschlag aus der Isolation. Eine Entwicklung, die schliesslich bis in höchste Höhen (Final 1999), aber letztlich auch in wirtschaftliche Depressionen führte.

Gegenteilige Philosophien von Ambri und dem SC Bern

Nun hat Ambri wieder die wildeste, mutigste Mannschaft der Liga. Ja, Trainer Luca Cereda steht im Herbst 2017 im Gegensatz zum grossen taktischen Technokraten Kari Jalonen. Das hat es in unserem Hockey so noch nie gegeben: Der Trainer des nominell schwächsten Teams der Liga riskiert alles und versucht dem Tabellenende davonzustürmen. Der Trainer des Titelverteidigers, der nominell wahrscheinlich besten Mannschaft der Liga, spielt lieber risikoloses Hockeyschach.

Wer in diesem Herbst mitreissendes, erfrischendes Hockey mag, besucht ein Spiel von Luca Ceredas Ambri und nicht eine lauwarme Vorstellung von Kari Jalonens SC Bern. Es gibt keine Mannschaft, die so mutig auf Tempo, Offensive und Forechecking setzt wie Ambri. Der verdiente Lohn für dieses Risiko, der vorläufige Höhepunkt dieser neuen Welle aus der Leventina, war das 7:5 gegen den HC Davos. So viel Mut hatte noch nicht mancher Bandengeneral: Luca Cereda nimmt gegen Davos den Torhüter bei 39:58 raus und ersetzt ihn durch einen sechsten Feldspieler, und bei 39:59 trifft Diego Kostner zum 5:4.

Luca Cereda setzt sein Konzept kompromisslos um. Ohne Rücksicht auf grosse Namen und vergangenen Ruhm. Selbst ein Titan wie Thibaut Monnet mit mehr als 1000 Spielen Erfahrung muss zwischendurch auf die Tribüne. Seine Füsse sind manchmal nicht mehr schnell genug für das neue Ambri.

Luca Ceredas nordamerikanische Vorgänger setzten auf eine Kerngruppe von vermeintlichen Leitwölfen (dazu gehörten immer die Ausländer), die alle erdenklichen Freiheiten genossen. Im Gegenzug erwartete der Cheftrainer Leistungsbereitschaft und Loyalität. Die sportliche Rechnung ist nur in Ausnahmefällen (einmal unter Serge Pelletier) aufgegangen. Und führte zu tiefroten Zahlen. Die nordamerikanischen Trainer paktierten bei Transfers mit dem Sportchef oder waren selber Sportchef. Die Folge: abenteuerlich hohe Löhne.

Unter Sportchef Paolo Duca und Coach Cereda sind Namen nur noch auf dem Dress aufgenähte Buchstaben. Dieser Jugendstil wird auch beim Farmteam durchgesetzt. Die Ticino Rockets zelebrieren in der zweithöchsten Liga das gleiche Lauf- und Energiehockey wie die Ambri-Profis. Am letzten Sonntagabend haben sie in Langenthal einen Titanen ins Wanken gebracht. Der nominell klar bessere Titelverteidiger kam mit dem bissigen Forechecking des Aussenseiters nie zurecht und konnte sich erst im Penaltyschiessen durchsetzen.

Ein Schweizer ist der modernste Trainer, der Trendsetter unseres Hockeys. Luca Cereda ist der neue Arno Del Curto. Stürmt er mit diesem «totalen Hockey» am Ende gar in die Playoffs? Das hängt vor allem von drei Faktoren ab: 1. Haben die Spieler genug Energie für dieses anspruchsvolle Hockey? 2. Kann Torhüter Benjamin Conz sein Leistungsniveau halten? 3. Gelingt es, die Laufmeter in Tore umzumünzen? Das ist beim limitierten Talent schwierig. Aber es ist möglich.

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