EISHOCKEY: Nun das Bangen um Simpson

Verliert das Schweizer Eishockey seinen «Silberschmied»? Nationalcoach Sean Simpson schliesst nach dem Scheitern in Sotschi eine Rückkehr ins Klubhockey nicht aus.

Klaus Zaugg, Sotschi
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Sean Simpson bei der Kleiderabgabe für Olympia 2014. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Sean Simpson bei der Kleiderabgabe für Olympia 2014. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Aus. Vorbei. Und zurück bleibt erst einmal eine Leere. Sean Simpson hat gestern das olympische Abenteuer mit einem letzten Zusammenzug in der Kabine kurz nach 12.30 Uhr offiziell beendet. Nun überlegt er sich, ob er weitermachen soll.

Am Mittag kamen die Spieler noch einmal in die Kabine. Zu einer letzten Zusammenkunft. Und aus organisatorischen Gründen. Wer fliegt wann? Die NHL-Spieler flogen gestern Nacht zurück. Die Schweizer kehren heute Donnerstag im Laufe des Nachmittages zurück.

Simpson: «Alles lief gegen uns»

Sean Simpson sagt, die Stimmung in der Kabine sei sehr, sehr bedrückt gewesen. Die Enttäuschung habe sozusagen die ganze Kabine gefüllt. «Wir sind alle sehr enttäuscht. So haben wir uns das Ende des Turniers nicht vorgestellt.»

Die Enttäuschung hat auch die Romantik der für den Mannschaftssport so typischen Kameraderie beendet. Nach dem Schlussmeeting gingen alle ihren Weg. Kein letztes gemeinsames Essen mit dem Trainer. Sean Simpson sagt, die Leere sei schmerzhaft. «Es ist wie das Ausscheiden aus den Playoffs. Auf einmal ist alles vorbei, und es gibt keine tägliche Routine mehr. Wir hatten ja wirklich für Mittwoch keinen freien Tag geplant. Sondern das Spiel gegen Kanada ...»

Und doch: Es gibt für ihn bei einem ersten Blick zurück keine Reue: «Ich würde alles wieder gleich machen. Die Selektion war richtig, und ich kann keinem einzigen Spieler einen Vorwurf machen. Wir haben alles getan, was möglich war. Aber so, wie in Stockholm alles für uns gelaufen ist, so war jetzt alles gegen uns.»

Simpson zieht positive Bilanz

Sean Simpson zieht aus hockeytechnischer Sicht eine positive Bilanz: «Wir haben vier gute Partien gespielt. Auch das letzte Spiel gegen Lettland war nicht so schlecht, wie es sich wegen der Niederlage anfühlt. Die Letten haben so defensiv gespielt wie wir 15 Jahre lang …» Die Partien gegen Schweden (0:1) und Tschechien (1:0) seien Spiele auf höchstem Niveau gewesen. «Wir hatten genug Chancen, um gegen Schweden zu gewinnen – und dann wäre es möglich gewesen, die Vorrunde auf Platz 1 zu beenden, wir wären direkt im Viertelfinal gewesen und hätten gegen Slowenien um den Halbfinal gespielt. Ich will das nicht als Ausrede verstanden wissen und weiss sehr wohl: Nur das Resultat zählt. Ich will bloss zeigen, wie ausgeglichen ein solches Turnier ist und wie nahe Erfolg und Enttäuschung sind.» Er sagt, nicht ohne Sarkasmus: «Wir haben alles richtig gemacht, und alles war gut. Bis auf das Resultat …»

Job-Entscheid in zehn Tagen

Hinterher könne man alles in Frage stellen. «Aber es bringt nichts, auf jedes ‹Hätte› und ‹Könnte› einzugehen und am Ende meine ganze Arbeit zu hinterfragen. Ich werde nach meinen Grundsätzen weiterarbeiten.» Und doch wird das bittere Scheitern in Sotschi womöglich weitreichende Folgen haben. Das Ende der «Ära Simpson», die mit der WM 2010 begann, ist nicht auszuschliessen. Zum ersten Mal sagt Sean Simpson, dass er vielleicht den Job als Nationaltrainer aufgibt. «Ich bin stolz, Nationaltrainer zu sein. Aber ich bin auch ein Coach, der die tägliche Arbeit mit einem Klubteam mag.»

Will das also heissen, dass er sich überlegt, den Ende Saison auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern? «Ja. Ich werde in den nächsten zehn Tagen einen Entscheid fällen.» Es sei absolut offen, wie dieser Entscheid ausfallen werde. Aber könnte er denn die Nationalmannschaft an der WM noch führen, wenn er bereits vorher entscheiden würde, nach dieser Saison nicht mehr weiterzumachen? «Ich habe mich ja noch nicht entschieden, und deshalb habe ich mir diese Gedanken noch nicht gemacht ...»