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EISHOCKEY: Profischiedsrichter Kurmann hört nach 20 Jahren auf: «Jeder Fehler ist eine Chance»

Nach 20 Jahren als Profischiedsrichter tritt der Zuger Danny Kurmann (51) zurück. Er hat das Schiedsrichterwesen in der Schweiz mitgeprägt – und zwischenzeitlich viel einstecken müssen.
Sven Aregger
Ex-Schiedsrichter Danny Kurmann in der Zuger Bossard-Arena. (Bild: Maria Schmid (Zug, 19. April 2017))

Ex-Schiedsrichter Danny Kurmann in der Zuger Bossard-Arena. (Bild: Maria Schmid (Zug, 19. April 2017))

Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Sogar Chris McSorley meldete sich per SMS. Der ehemalige Trainer von Genève-Servette bedankte sich bei Danny Kurmann mit warmen Worten. Das ist deshalb bemerkenswert, weil der temperamentvolle McSorley in Spielen häufig mit Kurmann in Konflikt geraten war, wenn er sich über einen Entscheid des Schiedsrichters ärgerte.

In den vergangenen Tagen erhielt Kurmann etliche weitere Glückwünsche, unter anderem von Davos-Coach Arno Del Curto und SCB-Urgestein Martin Plüss. «Die grosse positive Resonanz hätte ich nicht erwartet», sagt Kurmann. «Ich habe Respekt und Wertschätzung gespürt. Dafür bin ich sehr dankbar.»

Vorschlag für Verbandspräsident

Der 51-jährige Zuger tritt nach 20 Jahren als Profischiedsrichter und über 2000 Spielen in der NLA und der NLB ab. Am Freitag pfiff er sein letztes Spiel auf internationalem Parkett, Schweiz gegen Russland in Fribourg (2:1). Ab Herbst wird er als Schiedsrichterchef für den internationalen Eishockeyverband tätig sein (IIHF, siehe Kasten). Damit verliert das Schweizer Eishockey einen seiner angesehensten Unparteiischen, eine prägende Figur im Schiedsrichterwesen. Der gebürtige Luzerner, der seit langem in Rotkreuz lebt, stand 1993 erstmals als Head-Schiedsrichter in der NLA im Einsatz. Damals waren alle Unparteiischen noch Amateure. Kurmann, gelernter Klimatechniker, machte dem Schweizer Verbandspräsidenten Werner Koller den Vorschlag, das Schiedsrichterwesen zu professionalisieren – und stiess auf offene Ohren.

Drei bis vier Spiele pro Woche

Nach einer Versuchsphase schickte der Schweizer Verband ab 1997 drei Profis aufs Eis, darunter Danny Kurmann. «Wir haben bald gemerkt, dass es die Klubs schätzen, wenn auch die Schiedsrichter seriös trainieren und regenerieren können», erinnert er sich. Heute sind es sechs Profis. Kurmann sagt: «Wir haben gute Schiedsrichter in der Schweiz.» Seiner Meinung nach müssten alle die Möglichkeit haben, als Profis zu arbeiten. Ein Amateur könne im Spannungsfeld von Beruf, Familie und Schiedsrichter-Job nicht allen Ansprüchen gerechnet werden.

Kurmann bestritt drei bis vier Spiele pro Woche. Dazu kamen Videostudium, Ausdauer- und Krafttraining. Für ihn ist klar: «Ein Schiedsrichter muss topfit sein, sonst wird er auch mental müde und macht Fehler.» Kurmann leidet seit gut zwei Jahren an Bandscheibenproblemen. Er spürte, dass sein Körper nicht mehr richtig mitmacht, dass der Schmerz an der Substanz zehrt und dass die Beweglichkeit und die schnellen Reflexe fehlen. Aufgrund der Beschwerden und der Berufung von der IIHF drängte sich ein baldiger Rücktritt auf. Seinen letzten Auftritt in der NLA hatte er beim ersten Finalspiel Bern – Zug (5:0). Nach der Partie vergoss er Tränen. Er sagt: «Ich hätte mir zum Abschied ein spannenderes Spiel gewünscht. Aber bei dem deutlichen Resultat konnte niemand sagen, dass der Schiedsrichter schuld ist.»

Tochter auf dem Schulweg bedroht

Gerade die Spiele mit Zuger Beteiligung waren für Kurmann schwierig. Fällte er einen umstrittenen Entscheid zu Gunsten des EVZ, lautete der Vorwurf, er pfeife für den Verein in seinem Wohnkanton. War es umgekehrt, hiess es, er wolle zeigen, dass er Zug nicht bevorteile. Kurmann konnte es nie allen recht machen.

Tiefpunkt war die Halbfinal-Serie 2011 zwischen Zug und Davos. Der EVZ schied aus, und der damalige Trainer Doug Shedden wetterte in den Medien gegen Kurmann. Der Schiedsrichter erhielt dann anonyme Telefonanrufe mit Beschimpfungen. Was aber schlimmer war: Seine 8-jährige Tochter wurde auf dem Weg zur Schule von Halbwüchsigen bedroht. Kurmann fühlte sich ohnmächtig und dachte ans Aufhören, er musste seine Familie schützen. Doch schliesslich wollte er sich den «Plausch» an seiner Arbeit nicht verderben lassen. «Ich musste akzeptieren, dass dies ein Teil meines Jobs ist», sagt Kurmann, der in seiner Karriere auch zerkratze Autoscheiben und zerstochene Pneus erlebte. «Aber das Positive überwiegt.»

Die Tätigkeit als Schiedsrichter sei eine Lebensschule. Man stehe für Regeln ein und müsse oft auch unpopuläre Entscheide treffen – mit der Fairness als oberstem Gebot. «Wir haben wie Spieler das Recht auf Fehler. Jeder Fehler ist eine Chance, es im nächsten Spiel besser zu machen.»

Projekt in Cham bietet Möglichkeiten

Kurmann will sich weiter für eine Professionalisierung seiner Gilde einsetzen. Eine Möglichkeit sieht er im Kompetenzzentrum für Spitzenathletik und Forschung (OYM), das EVZ-Präsident Hans-Peter Strebel in Cham realisiert. Denkbar sei eine integrierte Referee-Academy. Kurmann glaubt: «Wenn wir in die Ausbildung der Schiedsrichter investieren, kommt das dem Sport zugute.»

Nach 20 Jahren als Profischiedsrichter tritt der Zuger Danny Kurmann (51) zurück (Bild: Maria Schmid/ZZ)

Nach 20 Jahren als Profischiedsrichter tritt der Zuger Danny Kurmann (51) zurück (Bild: Maria Schmid/ZZ)

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