EISHOCKEY: Rafael Diaz in der Warteschleife

Rafael Diaz hat in Montreal einen schweren Stand. Die Olympischen Spiele sind für ihn auch die Gelegenheit, sich einem neuen Arbeitgeber aufzudrängen.

Nicola Berger
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Raphael Diaz (links) von den Montreal Canadiens im Duell mit Aleksander Barkov von den Florida Panthers. (Bild: Keystone)

Raphael Diaz (links) von den Montreal Canadiens im Duell mit Aleksander Barkov von den Florida Panthers. (Bild: Keystone)

Seit 2008 zeigt die Leistungs- und Entwicklungskurve von Rafael Diaz (28) nur noch in eine Richtung: steil nach oben. Bester NLA-Verteidiger, NHL-Stammspieler, WM-Silberheld, das ist der Schnelldurchlauf einer Karriere auf der Überholspur.

In Montreal ist in diesem Winter nun eine Phase eingetreten, die Diaz in den letzten sechs Jahren unbekannt war: die Stagnation. Sich selber kann der Zuger wenig vorwerfen, er spielt solide wie eh und je. Das Problem liegt anderswo: Für Diaz ist in Montreal das Ende der Fahnenstange erreicht. An den hoch bezahlten Stars PK Subban und Andrei Markow kommt er nicht vorbei, und darunter leidet seine Produktion. In 44 Partien sind ihm 11 Assists gelungen. Zum Vergleich: In der verkürzten Lockout-Saison vom Frühjahr hatte er sein Punktekonto in 23 Partien mit einem Treffer und 13 Assists füllen können.

Kein Vertrauen im Powerplay

Die Werte von damals erreicht er auch darum nicht mehr, weil ihm Coach Michel Therrien (50) kaum Möglichkeiten zur Entfaltung gewährt. Seine durchschnittlich 66 Sekunden Einsatzzeit im Powerplay werden teamintern von Subban, Markow und erstaunlicherweise auch vom Grobmotoriker Bouillon sowie Beaulieu übertroffen und bedeuten im dritten Jahr bei den «Habs» den persönlichen Tiefstwert.

Das fehlende Vertrauen im Überzahlspiel ist das eine, schwerer wiegt jedoch, dass Diaz zuletzt gar zum Zuschauen verdammt wurde, obwohl er keinerlei Verletzungsprobleme bekundet. Gegen Ottawa und Florida sass Diaz zu Monatsbeginn überzählig auf der Tribüne, worüber er zwar nicht glücklich, aber auch nicht überrascht war. Er hatte die Vorboten kommen sehen: Im Dezember war seine Eiszeit auf teilweise unter 13 Minuten gesunken. Diaz beschreibt die Situation als «nicht einfach», sagt aber auch: «Ich gebe einfach weiterhin alles und versuche mich zu zeigen. Im Training und in den Spielen.»

Etwas anderes bleibt Diaz ja auch nicht übrig. Er muss Eigenwerbung betreiben, denn sein Pakt mit Montreal läuft im Sommer nach zwei Jahren aus. 1,225 Millionen Dollar zahlen die Canadiens dem Schweizer derzeit, und Diaz’ einflussreicher Don Meehan (52) versucht für seinen Klienten eine schöne Lohnerhöhung herauszuholen. Im November hatte die TV-Station RDS berichtet, Diaz werde zeitnah einen neuen Vertrag unterschreiben, der mit 3 Millionen pro Saison dotiert sei. Der Verteidiger lacht und sagt: «Da ist überhaupt nichts dran. Es haben keine Gespräche stattgefunden.»

Das hat seine Gründe. Überzählige Spieler stehen in der Regel nicht zuoberst auf der Prioritätenliste, und in Montreal gilt das ganz besonders, denn Manager Marc-André Bergevin muss erst einmal zusehen, dass es ihm gelingt, PK Subban langfristig zu binden, der gleichsam vom Meehan vertreten wird.

Möglicherweise keinen Platz mehr

Für Subban wird ein Jahressalär von über achteinhalb Millionen Dollar veranschlagt, und wenn der Deal erst mal fix ist, kann es sein, dass im Lohngefüge der Canadiens für Diaz dann keinen Platz mehr übrig ist.

Das ist spekulativ, klar, aber ein Abschied aus der kanadischen Metropole wäre für seinen weiteren Karriereverlauf womöglich gar nicht so schlecht. Fähige Verteidiger sind immer gefragt, das ist nicht nur in der NLA so, und wenn er anderswo bei einem schönen Lohn die Perspektive erhält, einen Platz in den Top 4 zu ergattern und vielleicht noch das zweite Powerplay zu leiten, wäre das eine runde Sache.

Sotschi soll Vitrine sein

Unter Sean Simpson, der ihn in Zug einst förderte, wird er in der Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen mehr Verantwortung erhalten als in Montreal. Für Diaz ist Sotschi eine willkommene Vitrine – und die Gelegenheit, neu Erlerntes zur Schau zu stellen. Er sagt: «Ich spiele gerade viel im Boxplay, die Kollegen und Trainer haben mir tolle Tricks beigebracht. Es gibt sehr effektive Mittel, um ein gegnerisches Powerplay zu neutralisieren.»

In der besten Liga der Welt, so sieht es Diaz, entwickelt man sich eben doch jeden Tag weiter.

Rafael Diaz in der NHL

2011/12: 59 Spiele, 3 Tore/13 Assists, Minus-7-Bilanz, Eiszeit: 18:00 Minuten.

2012/13: 23 Spiele, 1 Tor/13 Assists, Plus-4-Bilanz, Eiszeit: 20:42 Minuten.

2013/14: 44 Spiele, kein Tor/11 Assists, Minus-3-Bilanz, Eiszeit: 19:02 Minuten.

NHL: New York Rangers - Philadelphia (mit Streit/Tor zum 4:1) 4:1. Nashville (mit Josi) - Minnesota (mit Niederreiter/1 Assist) 0:4. Anaheim (mit Hiller/22 Paraden, ohne Sbisa/verletzt) - Detroit 1:0. Toronto - New Jersey (ohne Brunner/verletzt) 3:2 n. P. Washington - Buffalo 1:2 n. P. Dallas - New York Islanders 2:4. Chicago - Edmonton 5:3.

Ranglisten. Eastern Conference. Atlantic Division: 1. Boston 45/60. 2. Tampa Bay 45/58. 3. Montreal (Diaz) 46/57. 4. Detroit 46/50. 5. Toronto 47/49. 6. Ottawa 46/48. 7. Florida 45/41. 8. Buffalo 44/31. Metropolitan Division: 1. Pittsburgh 47/68. 2. Washington 45/51. 3. New York Rangers 47/51. 4. Philadelphia (Streit) 46/50. 5. New Jersey (Brunner) 47/48. 6. Carolina 45/47. 7. Columbus 45/46. 8. New York Islanders 47/43. – Western Conference. Central Division: 1. Chicago 48/70. 2. St. Louis 44/67. 3. Colorado 45/61. 4. Minnesota (Niederreiter) 48/55. 5. Dallas 45/47. 6. Nashville (Josi) 47/45. 7. Winnipeg 47/43. – Pacific Division: 1. Anaheim (Hiller, Sbisa) 48/75. 2. San Jose 46/62. 3. Los Angeles 46/59. 4. Vancouver (Weber) 46/57. 5. Phoenix 44/51. 6. Calgary (Berra) 45/36. 7. Edmonton 48/35.