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EISHOCKEY: Rafael Diaz: Strampeln im Haifischbecken NHL

Nach zwei Klubwechseln innerhalb eines Monats kämpft der Zuger Rafael Diaz nun bei den New York Rangers um seine NHL-Zukunft. Doch einfach wird das für den 28-Jährigen nicht.
Nicola Berger
Nach einer turbulenten Zeit kämpft Rafael Diaz nun bei den New York Rangers um seine Zukunft in der NHL. (Bild: Keystone)

Nach einer turbulenten Zeit kämpft Rafael Diaz nun bei den New York Rangers um seine Zukunft in der NHL. (Bild: Keystone)

Kürzlich, sagt Rafael Diaz, sei er an «jenem Ort mit den hellen Lichtern» gewesen. Fragend fügt er hinzu: «Er heisst Broadway, oder?» Das ist zwar nicht falsch. Diaz meint den Times Square, und da führt der Broadway ja mitten hindurch. Doch die Episode zeigt: Die Orientierung am neuen Arbeitsort fällt dem Verteidiger noch etwas schwer.

Wie sollte es auch anders sein? Das Jahr 2014 ist noch keine vier Monate alt, hielt für den Zuger aber schon einiges an Kapriolen bereit. Montreal, Vancouver, Sotschi, New York – das sind die bisherigen Stationen im Schnelldurchlauf. Eine ziemliche Odyssee für einen, der bis 2011 nie ausserhalb des Kantons Zug gewohnt hat.

In der Schweiz hatte Diaz nie für einen anderen Klub als den EVZ gespielt, und er hätte nichts dagegen gehabt, wenn es sich in der NHL mit den Montreal Canadiens ähnlich verhalten hätte. Noch vor einem halben Jahr schien das realistisch. In seinem dritten Jahr beim NHL-Rekordmeister hatte sich Diaz als zuverlässige Stammkraft in der Defensive etabliert. Die Medien berichteten vom Vorhaben des Managements, Diaz mit einem neuen Mehrjahresvertrag ausstatten zu wollen. Dotiert mit 3 Millionen Dollar – pro Jahr.

Diaz ohne Erklärung ausgebootet

Es kommt jedoch anders. Unter Coach Michel Therrien werden die Einsätze ab Dezember erst gedrosselt – und bald spielt Diaz gar nicht mehr. Für den Schweizer Nationalspieler ist das nicht einfach nachzuvollziehen, die Leistungen rechtfertigen die Massnahmen nicht. Aber in Québec bleiben die Erklärungen aus – in der NHL haben Sentimentalitäten eben keinen Platz. «So ist eben das Business, das muss man akzeptieren», sagt Diaz nüchtern.

Am 3. Februar wird er von Montreal im Tausch gegen den Grobmotoriker Dale Weise nach Vancouver geschickt. Er nutzt die Chance auf einen Neustart: Bei seiner Premiere für die Canucks erzielt Diaz einen Treffer und steht mehr als 25 Minuten auf dem Eis. Doch das Glück an der Westküste währt nur kurz. Unter dem feurigen John Tortorella – die Ansammlung an Youtube-Filmchen mit Wutausbrüchen des Trainers ist abendfüllend – wird die Eiszeit immer weniger. Irgendwann spielt er sogar als Stürmer.

Am 2. März, zehn Tage nach der Rückkehr aus Sotschi, sitzt Diaz mit seinen Teamkollegen in der Kabine und schaut sich im kanadischen TV die Livesendung zu den letzten Stunden des Transferfensters in der NHL an. Irgendwann ruft ihn der Coach ins Büro und eröffnet ihm: Du wurdest transferiert. Schon wieder. Der nächste Arbeitgeber sind die New York Rangers. Sie gaben für Diaz ein Draftrecht der fünften Runde ab – in der modernen NHL hat ein solcher Pick den Gegenwert eines Schokoladenriegels.

Neue Stadt, neue Chance? Nein. Neue Organisation, neue Desillusion eher. Neun Spiele vergehen, ohne dass der Verteidiger eingesetzt wird. Drei NHL-Teams, dreimal wird Diaz nicht benötigt. Wie reagiert man auf so etwas? Wie geht man mit den unweigerlich lodernden Selbstzweifeln um? «Die letzten Wochen waren nicht einfach. Aber ich fand sie lehrreich», sagt Diaz, «es ist nicht das erste Mal in meiner Karriere, dass ich kämpfen muss. Ich nehme diese Herausforderung an.»

Von seinen Zielen jedenfalls rückt der 28-Jährige nicht ab. Mit dem Gedanken, dass die Laufbahn in Übersee im Sommer enden könnte, beschäftigt er sich nicht. «Ich habe hier Ziele und will mich durchsetzen», sagt er. Diese Vorsätze sind schnell skizziert: Er möchte den Karriereentwurf von Mark Streit (36, Philadelphia) nachzeichnen und sich als Top-4-Verteidiger etablieren.

Einfach wird das nicht. Denn sein Problem ist, dass er zwar viele Aspekte des Spiels überdurchschnittlich gut beherrscht, aber auf dem NHL-Level in fast keinem Bereich Extraklasse verkörpert. Allrounder sind gefragt, gewiss, aber sie werden eben auch gerne von Spezialisten überflügelt. In Montreal ist exakt das geschehen: Alexei Jemelin etwa ist bestimmt nicht der bessere Eishockeyspieler als Rafael Diaz, aber er ist physisch besser – darum zog er in der internen Hierarchie vorbei.

Wiedervereint mit Damien Brunner

Ob das Vorhaben von Diaz erfolgreich sein wird, hängt darum davon ab, ob er eine Nische für sich entdecken kann und im Sommer einen Trainer findet, der auf ihn setzt. Im Juli wird sich zeigen, ob sich einer der prominenten Fürsprecher des Verteidigers an ihn erinnert: Henrik Zetterberg, der in Detroit aktive Lockout-Kumpel aus EVZ-Zeiten, oder Steve Yzerman, der Tampa-Manager, den man von Diaz in den höchsten Tönen hat schwärmen hören.

Vorerst jedoch geht es ihm darum, Eigenwerbung zu betreiben. Die Bühne könnte geeigneter nicht sein: Er spielt mit den Rangers in der – wie sie es selbst nennen – «berühmtesten Arena der Welt», dem Madison Square Garden. Zu den Heimspielen reist Diaz bequem mit der U-Bahn an, einquartiert ist er in Lower Manhattan, unweit des Ground Zero, wo am 11. September 2001 die Zwillingstürme fielen.

In der niemals schlafenden Stadt ist er wiedervereint mit dem in Hoboken, auf der anderen Seite des Hudson River gelegen, wohnenden Damien Brunner (28, New Jersey Devils) – einem seiner engsten Freunde. Das Duo trifft sich öfters zum gemeinsamen Nachtessen.

Zwei Spiele hat Rafael Diaz für die Rangers bisher bestritten, das letzte am Dienstag beim 4:3-Sieg über Phoenix. Ob weitere Einsätze folgen, kann er nicht sagen. «Es gibt keine Garantien. Ich muss mich einfach anbieten», erklärt er. Und weiter strampeln, damit er sich im Haifischbecken NHL über Wasser hält.

National Hockey League (NHL): Nashville Predators (mit Josi/2 Tore) - Colorado Avalanche (ohne Berra/überzählig) 4:5 n. P. Toronto Maple Leafs - St. Louis Blues 3:5. Pittsburgh Penguins - Phoenix Coyotes 2:3. Washington Capitals - Los Angeles Kings 4:5 n. P. Carolina Hurricanes - New York Islanders 4:5. Montreal Canadiens - Buffalo Sabres 2:0. Florida Panthers - Ottawa Senators 3:2 n. P. Columbus Blue Jackets - Detroit Red Wings 4:2. Chicago Blackhawks - Dallas Stars 4:2. Edmonton Oilers - San Jose Sharks 2:5.

Ranglisten. Eastern Conference. Atlantic Division: 1. Boston Bruins 72/104*. 2. Montreal Canadiens 74/89. 3. Tampa Bay Lightning 72/87. 4. Detroit Red Wings 72/80. 5. Toronto Maple Leafs 74/80. 6. Ottawa Senators 72/72. 7. Florida Panthers 73/62. 8. Buffalo Sabres 72/48. – Metropolitan Division: 1. Pittsburgh Penguins 72/97. 2. New York Rangers (Diaz) 73/84. 3. Philadelphia Flyers (Streit) 71/83. 4. Columbus Blue Jackets 72/80. 5. Washington Capitals 73/80. 6. New Jersey Devils (Brunner) 72/75. 7. Carolina Hurricanes 72/71. 8. New York Islanders 72/65.

Western Conference. Central Division: 1. St. Louis Blues 72/105*. 2. Chicago Blackhawks 73/99. 3. Colorado Avalanche (Berra) 72/96. 4. Minnesota Wild (Niederreiter) 72/85. 5. Dallas Stars 72/79. 6. Nashville Predators (Josi) 73/73. 7. Winnipeg Jets 73/73. – Pacific Division: 1. San Jose Sharks 74/103*. 2. Anaheim Ducks (Hiller, Sbisa) 71/99*. 3. Los Angeles Kings 73/90. 4. Phoenix Coyotes 73/82. 5. Vancouver Canucks (Weber) 73/76. 6. Calgary Flames 72/67. 7. Edmonton Oilers 73/59. * = diese Teams sind bereits für die Playoffs qualifiziert

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