EISHOCKEY: Rafael Diaz und der stetige Fortschritt

Weil Montreals bester Abwehrspieler keinen neuen Vertrag unterschreibt, bietet sich Rafael Diaz die grosse Chance, zum Business-Class-Verteidiger aufzusteigen.

Nicola Berger, Montreal
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Rafael Diaz gegen Teamkollege Brendan Gallagher im Training. (Bild: Keystone)

Rafael Diaz gegen Teamkollege Brendan Gallagher im Training. (Bild: Keystone)

Wie viel Geld ist die Ausbeute von 7 Toren und 26 Assists in einer Saison wert? 2,5 Millionen, sagen die Montreal Canadiens. 5 Millionen, sagt P. K. Subban (23). Weil dazwischen eine ordentliche Differenz liegt, können sich der Abwehrchef und die «Habs» derzeit nicht auf einen neuen Vertrag einigen, weshalb der Lockout für den dunkelhäutigen Kanadier länger andauert als für alle anderen.

In Montreals Fangemeinde macht sich Subban mit seinem Verhalten keine Freunde, und auch im Team wird seine Gier nicht goutiert. Captain Brian Gionta (34) kritisierte Subban gar offen – und für nordamerikanische Verhältnisse ungewohnt hart: «Profis haben den Business-Aspekt des Spiels im Griff. Wer das nicht schafft, sollte nicht hier sein.»

Der nächste Schritt

Nun, zumindest Rafael Diaz (27) dürfte die Absenz Subbans ganz gelegen kommen. Der Zuger Verteidiger schickt sich derzeit an, in die oberste Liga der NHL-Verteidiger aufzusteigen. Die Anlagen dafür hat er – in der Schweiz überstrahlten seine Leistungen jene der NHL-Berufskollegen Mark Streit (35, New York Islanders/Bern), Roman Josi (22, Nashville/Bern) und Luca Sbisa (22, Anaheim/Lugano) deutlich. EVZ-Trainer Doug Shedden sagt über ihn: «Er kann so gut werden, wie er will. Das Talent und die Einstellung sind vorhanden.»

Es ist Montagabend, das Thermometer zeigt minus 20 Grad an, und Diaz sitzt im Steakhouse Keg in der Montrealer Altstadt. Er nippt an einem stillen Wasser und sagt: «Ich will mich weiter verbessern und den nächsten Schritt machen.»

Wichtige Rolle im Powerplay

Die Chancen, dass dies gelingt, stehen ohne Subban ganz gut. Beim Saisonauftakt gegen Toronto vom Samstag (1:2) organisierte Diaz das zweite Po­werplay der Canadiens, assistierte beim einzigen Treffer und verdiente sich ausgezeichnete Noten. «Diaz ist extrem zuverlässig. Wenn er schiesst, trifft er das Tor eigentlich immer», lobte der Journalist Dave Stubbs von der «Montreal Gazette».

Dass ihm gerade das Lenken des Überzahlspiels gut gelingt, ist kein Zufall. Diaz sagt: «Während des Lockouts habe ich mich in Zug diesbezüglich extrem verbessert. Es war schon unglaublich, wie es uns beim EVZ gelang, die Scheibe zirkulieren zu lassen.» Er sagt auch: «Es hat mich als Spieler weitergebracht, mit Brunner oder Zetterberg zusammenzuspielen. Gerade das Powerplay hat wahnsinnig viel Spass gemacht.»

Diaz: Ja zur WM

Kann Diaz seine Leistungen in den nächsten Tagen und Wochen bestätigen, winkt ihm unter dem neuen Trainer Michel Therrien (49) gar die Promotion in die erste Powerplay-Formation. Dort scheint der alternde Tscheche Tomas Kaberle (34) nämlich vom Tempo überfordert. Dieses Gedankenspiel geht dem Nationalspieler indes zu weit. Er sagt: «Mir ist wichtig, dass wir als Team Erfolg haben. Ich bin mir sehr sicher, dass wir dieses Jahr viele Leute überraschen können und werden.» Die meisten Analysten gehen indes davon aus, dass die Canadiens die Playoff-Qualifikation verpassen werden. Sollte das geschehen, würde Diaz – wenn gesund – für die Schweiz an der WM in Stockholm teilnehmen. Diaz sagt: «Ich würde auf jeden Fall zur Verfügung stehen.»

Der Einschub mit der Gesundheit ist nicht unwichtig, denn in der jüngsten Vergangenheit musste Diaz sich immer wieder mit Adduktorenbeschwerden herumschlagen: 2011/12 musste er die Saison im Februar vorzeitig beenden, und diesen Herbst verpasste er deswegen das Zuger European-Trophy-Gastspiel in Mannheim. Diaz sagt jedoch: «Ich habe im Sommer mein Training umgestellt und bin beschwerdefrei.»

Und so ist Diaz bereit, in der Hockey-Metropole Montreal zum Aufsteiger dieser verkürzten Saison zu avancieren. Im Sommer unterschrieb er hier einen neuen, mit 2,45 Millionen Dollar dotierten Zweijahresvertrag (die Hälfte geht allerdings für die Steuern in Kanada drauf). Entwickelt er sich im bisherigen Tempo weiter, sollte sich Montreals Management darauf einstellen, nach dem Fall Subban im Sommer 2014 erneut mit schwierigen Vertragsverhandlungen konfrontiert zu sein.