EISHOCKEY: Rufeners Meisterstück: Der Sbisa-Vertrag

Der frühere EVZ-Stürmer André Rufener (41) gilt in der Schweiz als der wichtigste Spielerberater der Branche. Sein Einfluss reicht bis in die NHL.

Nicola Berger
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Luca Sbisas Vierjahresvertrag bei den Anaheim Ducks ist rund 8 Millionen Franken wert. (Bild: EQ/John Cordes)

Luca Sbisas Vierjahresvertrag bei den Anaheim Ducks ist rund 8 Millionen Franken wert. (Bild: EQ/John Cordes)

15 Jahre lang spielte André Rufener (kleines Bild) als Angreifer in der NLA, aber die grosse Karriere blieb ihm verwehrt; mehr als 26 Punkte gelangen ihm nie.

2006 beendete er seine Karriere, und seitdem ist aus ihm eine richtig grosse Nummer geworden. Im Hintergrund hat es Rufener ganz an die Spitze geschafft; neben dem welschen Agentenduo Gaëtan Voisard (39) und Gérald Metroz (50) gilt Rufener als wichtigster Strippenzieher hinter den Kulissen.

Zu seinen Klienten gehören unter anderem: die NHL-Exporte Luca Sbisa (23), Nino Niederreiter (20), Sven Bärtschi (20) und jetzt neu Reto Berra (26). Kein anderer Schweizer Spielerberater vertritt so viele NHL-Cracks, und das ist kein Zufall. Von den noch aktiven Schweizer Agenten ist Rufener der einzige mit einer NHL-Lizenz, er erwarb sie vor drei Jahren.

Gerichtsfall mit 4sports

Die andere gehört Christoph Graf (53), dem ehemaligen «Blick»-Fussballchef, der die Zuger Agentur 4sports aufgebaut und einst sogar die Interessen von Bayern-München-Star Bastian Schweinsteiger (28) und Gladbach-Trainer Lucien Favre (52) vertreten hatte.

Im Frühling 2010 verliess Rufener 4sports, seine Klienten folgten ihm. Der Fall endete vor Gericht, und man macht sich bei beiden Parteien nicht beliebt, wenn man diesbezüglich Fragen stellt. «Kein Kommentar», sagt André Rufener. «Kein Kommentar», sagt sein früherer 4sports-Kollege Daniel Giger (38). Und irgendwie passt das, weil sich das Duo auch sonst nicht mehr allzu viel zu sagen hat.

Seis drum, Rufener hat die Episode nicht geschadet. Er dürfte in seinem Metier längst mehr verdienen als zuvor als Spieler. Branchenüblich ist, dass bei Vertragsabschlüssen rund 4 Prozent der Gesamtsumme als Kommission an die Berater fliesst. Operiert man in der NHL, kann das sehr lukrativ sein: Für den Zuger Verteidiger Sbisa handelte Rufener in Anaheim einen Vierjahresvertrag aus, der 8,71 Millionen Dollar schwer ist. Der Sbisa-Vertrag war Rufeners bisheriges Meisterstück («es ist für Luca und auch für mich ein sehr guter Deal»), vor einer Woche schaffte er es jedoch, sich zu übertrumpfen: In den Hinterzimmern von St. Louis und Calgary orchestrierte er einen Spielertausch, der den Bieler Nationaltorhüter Reto Berra aus einer hoffnungslosen Lage in eine Situation beförderte, in der er sich problemlos einen Stammplatz in der NHL erobern kann. Dass ein Schweizer in der NHL über derart viel Einfluss verfügt, überrascht, aber wer weiss, dass bei Berras neuem Arbeitgeber Calgary mit Sven Bärtschi ja einer der wichtigsten (und begabtesten) Rufener-Klienten beschäftigt ist, versteht die Zusammenhänge.

Aber wie kommt es eigentlich, dass so viele Top-Talente sich von Rufener vertreten lassen? Klar, die NHL-Lizenz hilft. Aber im Gewerbe der Spielervermittler wird mitunter mit harten Bandagen gekämpft, und auch hier gibt es zwielichtige Gestalten, die Talenten das Blaue vom Himmel herunter versprechen, um selber abzukassieren.

Für Rufener, der einst bei einer grossen Schweizer Bank eine KV-Lehre absolvierte, sprechen: seine lockere, gleichzeitig aber sehr bestimmte und selbstbewusste Art – und natürlich der Erfolg. Wer sieht, wie weit es Sbisa und Co. mit Rufeners Management gebracht haben, der malt sich ähnlichen Erfolg aus.

25 Akteure im Portfolio

Die Frage an ihn: Was macht einen guten Agenten aus? Rufener entgegnet: «Es ist wie in jedem Beruf: Man muss ihn leidenschaftlich, mit Passion ausüben. Und in verschiedenen Bereichen über das nötige Know-how verfügen. Es braucht ein gutes Auge für Talente, Menschenkenntnis – und natürlich ein gutes Netzwerk.» Rufener berichtet, dass oft unterschätzt werde, wie zeitintensiv seine Tätigkeit sei. Und da kommt ja auch einiges zusammen: die Karriereplanung für jeden seiner Klienten, die Reisen, das Betreuen vor Ort, und viel, viel Live-Hockey.

Wenn Rufener nicht gerade irgendwo im Stadion sitzt, stehen die Chancen gut, dass er vor dem Laptop sitzt und sich Partien seiner über etliche Ligen verstreuten Akteure ansieht. Er sagt: «Meine Spieler sind mir wirklich sehr, sehr wichtig.»

Das Portfolio des Zürchers umfasst derzeit 25 Akteure, der jüngste ist Biels Supertalent Nikolaj Ehlers (17), mehr sollen es laut ihm nicht werden. «Ich akquiriere kaum noch neue Spieler», sagt er.

Müller nächster Erstrundendraft?

Und warum auch? Mit dem Zürcher Verteidiger Mirco Müller (18, Everett Silvertips/WHL), den manche mit der Columbus-Begabung Ryan Murray (19) vergleichen, dürfte diesen Juni nach Sbisa, Niederreiter und Bärtschi zum vierten Mal ein Rufener-Schützling in der ersten Runde des NHL-Drafts gezogen werden. Der Agent sagt: «Die Chancen, dass Mirco in der ersten Runde ausgewählt wird, liegen bei 99 Prozent.»

So oft, wie Rufener in den letzten Jahren richtig lag, wagt man nicht, daran zu zweifeln.