EISHOCKEY: Sbisa plant in Vancouver einen Neustart

Der Zuger Luca Sbisa ist zum zweiten Mal in seiner Karriere Teil eines Tauschgeschäfts geworden. In Vancouver will er wieder in die Spur finden.

Nicola Berger
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Dieses Bild gehört der Vergangenheit an: Luca Sbisa im Einsatz für die Anaheim Ducks. (Bild: AP/Chris Carlson)

Dieses Bild gehört der Vergangenheit an: Luca Sbisa im Einsatz für die Anaheim Ducks. (Bild: AP/Chris Carlson)

Am späten Freitagabend verständigten sich Bob Murray und Jim Bennett auf einen spektakulären Deal: Vancouvers Manager Bennett tauschte seinen Edelstürmer Ryan Kesler nach Anaheim und erhielt dafür Draft-Selektionen, den viel versprechenden Nick Bonino und den Zuger Verteidiger Luca Sbisa (24).

Bennett steht noch nicht lange an der Spitze der Organisation – einen Monat, und wie so oft in der NHL ist die allgemeine Skepsis bei einem neuen Mann auch bei ihm gross. Die Meinungen zum Tauschgeschäft waren schnell gemacht. Anaheim hätte sich des Diebstahls schuldig gemacht, derart einseitig sei der Tausch, kommentierten einige Beobachter.

Ein Abgang mit Ansage

Sie könnten sich täuschen. Wegen Bonino, diesem unterschätzten Zweiwegcenter, einerseits. Und dann, vielleicht, auch wegen Luca Sbisa. Das Standing des Abräumers hat in der weltbesten Liga zuletzt gelitten. Seitdem er den NHL-Lockout 2012 im HC Lugano verbrachte, kommt er nicht mehr richtig auf Touren. Verletzungen warfen ihn zurück, er verlor Eiszeit und in Anaheim irgendwann (just wie Teamkollege Jonas Hiller) das Vertrauen des kauzigen Trainers Bruce Boudreau. Im Playoff, das war die Konsequenz, absolvierte er nur 2 von 13 möglichen Partien.

Sbisas Abgang hatte sich also abgezeichnet; es ist das zweite Mal, dass er am Tag des NHL-Drafts transferiert wurde: 2009 hatten die Philadelphia Flyers ihn im Austausch mit dem inzwischen sportinvaliden Weltklasse-Verteidiger Chris Pronger nach Kalifornien geschickt. Zum neuerlichen Wechsel sagt sein Agent André Rufener: «Wir waren darauf vorbereitet.»

In die Heimat der Freundin

Das ist nicht darin begründet, dass British Columbia gleichsam wie Kalifornien am Pazifik gelegen und der Strand nie weit weg ist. Jedenfalls nicht nur. Da wäre die private Komponente: Sbisas Freundin Lauren stammt aus der kanadischen Metropole. Und, vor allem, natürlich die sportliche Perspektive. Die Canucks haben mit Willie Desjardins (57) einen neuen Coach eingestellt, der Sbisa aus der Juniorenliga WHL kennt und bei der Verpflichtung Einfluss genommen haben dürfte.

Sieht man sich das Kader der Canucks an, dann kann Sbisa es dort in die Top 4 schaffen. Auf dem Papier sind einzig Alexander Edler und Dan Hamhuis stärker einzuschätzen. Mit Jason Garrison gab Vancouver am Freitag zudem den produktivsten Verteidiger der letzten Saison an Tampa ab.

Die Aussichten also sind rosig, auch deshalb sagt Sbisa: «Ich freue mich auf das neue Abenteuer.» Im September wird er ins Vorbereitungscamp einrücken. Er weiss, dass er besser spielen kann. Besser spielen muss. Vancouver, das soll für ihn die Destination des Durchbruchs werden. Möglich ist es, denn obwohl Sbisa vor seiner siebten NHL-Saison steht, ist er immer noch erst 24 Jahre alt. Verteidiger, dieses Phänomen ist immer häufiger zu beobachten, erreichen ihren Zenit oft aber erst mit 26 oder 27 Jahren.

Der Vertrag läuft aus

Für Sbisa geht es 2014/15 darum, den ersten Schritt zu machen; dieser wäre nur schon finanziell von Bedeutung. Sein jährlich mit 2,175 Millionen Dollar dotierter Vertrag läuft aus, spätestens im nächsten Sommer stehen Verhandlungen an.

Bis dahin kann Luca Sbisa zeigen, was er kann. Und dem Rest der Welt beweisen, dass Jim Bennett mit seiner Spielerevaluation am Freitag so falsch nicht lag.