EISHOCKEY: Sbisa schwebt auf Wolke sieben

Für den Zuger NHL-Profi Luca Sbisa (26) könnte es derzeit nicht besser laufen. Er hat auf dem Eis die beste Plus-Minus-Bilanz seines Teams – auch neben dem Eis läuft es rund für ihn.

Sascha Fey/Vancouver
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Der Jubel ist gross: Luca Sbisa ist definitiv in Vancouver angekommen. (Bild: Jeff Vinnick/Getty (Vancouver, 4. Januar 2017))

Der Jubel ist gross: Luca Sbisa ist definitiv in Vancouver angekommen. (Bild: Jeff Vinnick/Getty (Vancouver, 4. Januar 2017))

Sascha Fey/Vancouver

sport@luzernerzeitung.ch

Luca Sbisa ist nach Mark Streit derjenige Schweizer mit den meisten Einsätzen in der NHL, dennoch wird er kritisch beäugt. Als ihn die Canucks 2015 mit einem neuen Vertrag über drei Jahre und einem Lohn von 10,8 Millionen Dollar ausstatteten, stiess das bei einigen auf Unverständnis. Im vergangenen Sommer gab es Meldungen, dass Vancouver ihn loswerden will. Mittlerweile dürften sich die Meinungen über Sbisa geändert haben, zeigte er doch in dieser Saison konstant starke Leistungen.

Das zahlte sich aus, Sbisa hat sich in der Verteidigerhierarchie nach oben gearbeitet. War er zu Beginn die Einsatzzeit betreffend meistens die Nummer 6, spielt er nun regelmässig während mehr als 20 Minuten. Er ist umso stolzer darauf, als er sich das grössere Vertrauen hart erkämpft hat. Das gesteigerte Selbstbewusstsein ist ihm auf dem Eis anzusehen. Man hat das Gefühl, es sei ein anderer Spieler zu Werke, er versucht auch immer wieder, in der Offensive Akzente zu setzen, und dies mit Erfolg. In der vergangenen Woche zeichnete er beim 2:1 gegen die Florida Panthers für den Siegtreffer verantwortlich. Das freute nicht nur ihn und seine Teamkollegen, sondern auch ein Mädchen, versprach dessen Vater ihm doch einen Dinosaurier im Falle eines Tores von Sbisa. Einen Namen dafür hatte es auch schon: Sbisasaurus.

Grosse Fortschritte im psychischen Bereich

Die starken Leistungen – er weist die beste Plus-Minus-Bilanz in seinem Team aus – führt er darauf zurück, dass er im psychischen Bereich grosse Fortschritte erzielte. Dabei half ihm der Mental­coach. Konkret macht sich Sbisa nicht mehr so viele Gedanken, er glaubt voll und ganz an seine Stärken. Sein Grundsatz lautet: «Wenn du einmal ein grossartiges Spiel zeigen kannst, warum sollte das nicht immer möglich sein?»

Es an diesen Punkt zu schaffen, war jedoch ein langwieriger Prozess. Zudem nahm er in der Vorbereitung Änderungen vor. Zu Beginn trainierte er mit weniger Gewicht. Er machte viel für die Hüfte, den Rumpf, die Adduktoren und Abduktoren. Ausserdem reduzierte er sein Körpergewicht auf 95 Kilogramm. «Ich fühle mich viel stabiler», sagte Sbisa.

Auch neben dem Eis schwebt er auf Wolke sieben. Im vergangenen Sommer heiratete er seine Freundin Lauren, die er an den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver kennen gelernt hatte. Als Trauzeuge amtete der Lausanner Verteidiger Jannik Fischer, der seine Karriere beim EV Zug lanciert hat. Die Flitterwochen verbrachte das Paar in Tansania, wo es unter anderem den 5895 Meter hohen Kilimandscharo bestieg. Im Juli wird er nun erstmals Vater. Ob es ein Junge oder ein Mädchen wird, da lassen sich die beiden überraschen. Seinen Eltern teilte Sbisa die freudige Nachricht an Weihnachten mit, indem er ihnen Tassen mit der Aufschrift «Nonna» und «Nonno» schickte. Der Stolz war Mutter Isabella anzusehen. Sie weilte in der vergangenen Woche ebenfalls in Vancouver und sah Ultraschallbilder ihres zukünftigen Enkelkindes auf Video. Für die Mutter war es ein Albtraum gewesen, als ihr Sohn 2007 mit 17 Jahren nach Nordamerika zog. Klar war für sie aber, dass Sbisa die Schule via Internet abschliessen musste, was er auch tat.

Zunächst ging die Mutter davon aus, dass er nur für eine Saison weg sein würde, deshalb «schimpfte» sie etwas mit dessen Agent Andy Rufener. Stattdessen wurde Luca Sbisa 2008 von den Philadelphia Flyers als Nummer 19 gedraftet, in der darauffolgenden Saison kam er bereits zu seinen ersten 39 Einsätzen in der besten Liga der Welt. Dass er in Philadelphia allein wohnte, liess die Mutter aber nicht zu. Sie fand, dass er damals noch nicht bereit dafür war. Er sei durch die Zeit in Nordamerika allerdings rasch erwachsen geworden.

Sbisa spielte auch am Strand Eishockey

Den Traum von der NHL hatte er schon früh. Zwar schickten ihn die Eltern auch zum Fussball, zum Tennis und ins Schwimmen, Sbisa wollte aber Eishockey spielen. Bereits mit vier Jahren ging er in die Hockeyschule. Selbst am Strand nahm er den Schläger mit und benutzte Muscheln als Puck. «Das war peinlich», erinnerte sich die Mutter. Als er einmal am Skateathon des EV Zug von einem NLA-Spieler einen Stock erhielt, nahm er ihn ins Bett mit. Am Morgen wachte er mit blauen Flecken auf.

Die Zielstrebigkeit hat sich für Sbisa gelohnt. Es ist aber möglich, dass er gerade wegen der guten Leistungen bald nicht mehr in Vancouver tätig sein wird. Er gilt als Kandidat für das neue Team Las Vegas Golden Knights. Dieses kann von je­dem der 30 NHL-Mannschaften ­einen Akteur auswählen. Einem möglichen Wechsel sieht Sbisa gelassen entgegen, obwohl für seine Frau ein Verbleib in Vancouver besser wäre, da ihre Eltern in der Nähe wohnen. Zunächst einmal möchte er aber mit den Canucks die Playoffs erreichen. Zweimal hintereinander will er in der entscheidenden Meisterschaftsphase nicht bloss Zuschauer sein.