EISHOCKEY: Stars weg – Zug kein Spitzenteam mehr

Mit dem Ende des Lockouts verliert der EV Zug auf einen Schlag seine drei besten Spieler. Nun wird im Verein zurückbuchstabiert und nach Verstärkungen gesucht.

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Damien Brunner (l.)jubelt mit Henrik Zetterberg. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Damien Brunner (l.)jubelt mit Henrik Zetterberg. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Das SMS von Doug Shedden (51) kam kurz vor 16 Uhr. Darin beschied er: «Die Tränen sind getrocknet, bin jetzt erreichbar.» Der Zuger Trainer scherzte, Augenwasser floss gestern keines, aber natürlich bedeutet das Lockout-Ende einen fatalen Rückschlag für den EV Zug. Dennoch wollte Shedden den Sonntag indes in positiver Erinnerung behalten. Er sagte: «Ich fühle mich geehrt, dass ich so lange mit Brunner, Diaz und natürlich vor allem Zetterberg habe zusammenarbeiten können. Als die Lockout-Spieler kamen, hoffte ich, dass sie uns in eine Position bringen würden, in welcher wir die Playoffs erreichen können. Heute kann ich sagen: Sie haben ihren Job gemacht.» 12 Zähler – beziehungsweise 18 Verlustpunkte, der EVZ hat zwei Spiele weniger bestritten als der Tabellenneunte Biel – beträgt die Zuger Marge auf den Strich.

Brunner: «Zug schafft es»

Nicht nur Shedden geht davon aus, dass dieses Polster in den verbleibenden 15 Partien gross genug sein sollte, um das Saisonziel, das Playoff-Qualifikation heisst, zu bewerkstelligen. Auch der nach Detroit abwandernde Liga-Topskorer Damien Brunner sagt: «Ich habe keine Zweifel daran, dass der EVZ die Playoffs schafft.»

Klar ist jedoch, dass rund um den Verein die hohen Ansprüche revidiert werden müssen. Ohne Brunner (33 Spiele/57 Punkte, Plus-17-Bilanz), Diaz (32 /30, plus 21) und Zetterberg (23/32, plus 16) ist der EVZ nicht länger ein Spitzenteam. Mit dem bestehenden Kader wäre der fünfte Einzug in den Halbfinal in Serie ein Erfolg.

Gelingen kann das nur, wenn Spieler, deren schwache Darbietungen zuletzt von den Spitzenleistungen des Star-Trios kaschiert wurden, den Tritt endlich finden. «Wir brauchen Jungs, die jetzt aufstehen und am Karren ziehen», sagt auch Shedden, der seine Linien kräftig wird durcheinanderwirbeln müssen. Der Kanadier sieht offenbar vor, in den ersten zwei Linien Holden mit Lammer und Suri sowie Sutter mit Omark und Martschini laufen zu lassen.

Kommt jetzt Lepistö?

Daneben ist die sportliche Leitung darum bemüht, intern für das Engagement eines fünften Ausländers zu weibeln. Ob der Verwaltungsrat dem Begehren Gehör schenkt, ist derzeit unklar. Zwar spart der Verein mit den Abgängen der Lockout-Spieler Geld, aber Zetterberg und zu einem Teil auch Diaz waren fremdfinanziert. Und dann ist es so, dass die Zuger mit Ersatzausländern zuletzt nicht nur gute Erfahrungen machten. Während Esa Pirnes (35) im Vorjahr mehrheitlich überzeugte, griffen die Zuger zuvor mit Brad Isbister (35, 2008/09) und vor allem Josef Boumedienne (34, 2009/10) daneben. Dazu kommt: Der EVZ ist bloss einer von vielen Klubs, die sich auf Ausländersuche befinden – was die Preise in die Höhe treibt. Gestern bestätigte etwa auch Fribourg-Gottéron, einen weiteren Söldner engagieren zu wollen. Zwei der Kandidaten, für die sich der EVZ interessiert, sind Jeff Tambellini (28, zuletzt ZSC Lions), der auch auf der Center-Position spielen kann, und der defensivstarke Verteidiger Sami Lepistö (28, zuletzt Jaroslawl/KHL, 186 NHL-Spiele), den Shedden einst im finnischen Nationalteam coachte.

Rauschendes Fest zum Abschied

Vorerst beschäftigen sich die Protagonisten jedoch mit anderen Dingen: die Lockout-Spieler damit, wie und wann sie nach Nordamerika dislozieren. Diaz dürfte am Dienstag oder Mittwoch nach Montreal reisen. Brunner schlägt sich mit anderen Problemen herum: «Ich weiss nicht, wann ich abfliege. Aber ich muss zuerst einen neuen Koffer kaufen gehen.» Der Rest konzentrierte sich gestern Abend darauf, dem Trio einen würdigen Abschied zu bereiten. Shedden hatte das montägliche Training ursprünglich als freiwillig deklariert, aber Zetterberg hatte seinen Teamkollegen darauf klargemacht: «Wer es am Montag ins Training schafft, wird von mir persönlich gebüsst.» Es dürfte also ein rauschender, wegen der mitreissenden letzten Monate aber vor allem verdienter und würdiger Abschluss für den schwedischen Superstar geworden sein.